Kurzweilige Reise in die Vergangenheit

Werner Richter und Heri Westermaier zeigen den Senioren von St. Blasius und Quirinus“ den von ihnen überarbeiteten Film „Dietmannsried 1958“. Foto: privat

„Eins, zwei, drei, im Sauseschritt eilt die Zeit, wir eilen mit.“ Vom Wahrheitsgehalt dieser Aussage von Wilhelm Busch konnten sich die Senioren der Pfarrei St. Blasius und Quirinus bei der Erstaufführung des in Bild und Ton von Werner Richter und Heri Westermaier vom Filmclub Dietmannsried auf den neuesten digitalen Stand gebrachten Films „Dietmannsried 1958“ überzeugen. Beide investierten viele Arbeitsstunden, um das alte Filmmaterial Szene für Szene überarbeitet zu einem brillanten schwarz-weiß-Film mit informativ-humorvollen Kommentaren zusammenzufügen.

Im Frühjahr 1958 wurde der Film „Dietmannsried 1958“ im Auftrag des Musikbezirks 1 Kempten im ASM unter Leitung von Alois Wehrmeister bei einem in Süddeutschland gerade arbeitenden Kamerateam in Auftrag gegeben. Die Marktgemeinde Dietmannsried, die schon damals kein Geld für kulturelle Extras hatte, rührte für das Zusammenkommen der Produktionskosten in Höhe von 2000 DM bei den Geschäftsleuten und Ortsvereinen die Werbetrommel. Nach nur zwei Tagen Vorbereitungszeit ging’s seinerzeit schließlich los – „nicht alle Frauen konnten in dieser kurzen Zeit noch zum Friseur gehen“, erinnerte sich jetzt ein Zeitgenosse von damals. Unter dem Motto „bei uns zu Haus“ sollte der Verlauf eines Dietmannsrieder Alltags gefilmt werden. Angefangen vom Bürgermeister Stingl und seinen Gemeinderäten zeigt der von flotten Blasmusikklängen unterlegte Film als weitere Stationen die Schule mit ihren Lehrkräften und ihren zahlreichen Schulhofaktivitäten, gefolgt von Polizeistation und der Feuerwehr, die Präsenz und Ausbildungsstand im Rahmen einer Übung zeigt. Dann kommen Post und die Bahn, der in Zeiten geringer Motorisierung 1958 noch eine große Rolle zukam. Die zahlreichen Ortsvereine, etwa Schützen, Turner, Fußballer, Kleingärtner, Wasserwacht oder Reitclub, stellen sich ebenso vor wie Handwerk und Geschäfte, die je nach Sponsoring mehr oder weniger lang in Szene gesetzt ist. Freude über Wiedersehen Wirtschaftlichen Aufschwung vermittelt der Hausbau, bei dem noch viel die anstrengende Handarbeit Einsatz fand. Natürlich kommen auch das Familienidyll im eigenen Garten und das Dorfleben nicht zu kurz, etwa beim – sonntäglich herausgeputzt – Ratsch auf der Straße. Den Abschluss des 50 Minuten-Films bildet der von der Blaskapelle angeführte Festzug aller Ortsvereine zum Kirchplatz. Die Freude über das Wiedersehen und –erkennen von alten Verwandten, Freunden, Nachbarn sowie manch altem Dietmannsrieder Original war allen Zuschauern deutlich anzumerken. Der Zweck des filmischen Unternehmens von 1958, nämlich die Gesichter von Menschen zu zeigen, die damals lebten und arbeiteten verbunden mit dem Wunsch, Dietmannsried möge auch weiterhin eine frohe lebendige Gemeinde bleiben, zeigt demnach Wirkung bis heute. Anni Kollroß bedankte sich nach der Premiere bei Werner Richter für die geweckten schönen Erinnerungen und übergab ihm einen finanziellen Zuschuss für seinen Produktionsaufwand. Für zehn Euro kann die Film-CD unter der Telefonnummer 08374/65 93 zum privaten Gebrauch erworben werden.

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