"Lachen tut gut"

Die berühmte Warschauer Schauspielerin Maria Tura (Isabella Hübner) muss die schmierigen Avancen des Gestapo-Chefs Erhardt (Jörg Reimers) über sich ergehen lassen. Foto: Tröger

Ein riesiges Hakenkreuz „zierte“ die Bühne – erster Blickfang für das Publikum, das zur Premiere von „Sein oder Nichtsein“ ins TheaterInKempten (TIK) gekommen war. Das Symbol, das gemeinhin eher für Beklemmungen sorgt, war dennoch Vorbote für eine turbulente, mit bösem Wortwitz, unerwarteten Wendungen und Verwechslungen gespickte, vielschichtige Komödie. Eine Satire auf den Nationalsozialismus, die der jüdisch-amerikanische Regisseur Barry L. Goldman nach dem gleichnamigen Kult-Film von Ernst Lubitsch des Jahres 1942 mit Bravour auf die Bühne gebracht hat.

Kein leichtes Unterfangen, schon allein wegen der vielen Szenenwechsel, die im Theater eigentlich häufige Umbaupausen erfordern – wäre da nicht der geniale Bühnenbildner Andrey von Schlippe am Werk gewesen, der mit ausgetüftelten Klappwänden die wechselnden Örtlichkeiten quasi „en passant“ entstehen ließ. Auch mochte einem – allem thematischen Ernst zum Trotz – das Lachen so gar nicht im Halse stecken bleiben, was vom Regisseur auch so gewünscht war: „Lachen tut gut, man darf natürlich lachen, hoffentlich möglichst oft“, forderte er im Einführungsgespräch auf. „Chapeau“ gebührt auch dem homogen agierenden, hervorragenden Darstellerensemble, das der nicht einfachen Herausforderung, bloß mittelmäßige Schauspieler zu mimen, ausnahmslos überzeugend gerecht wurde. Schauplatz der Geschichte ist das „Teatr Polski“ in Warschau, wo 1939 für ein zeitkritisches Stück in Nazikostümen geprobt wird. Um Schwierigkeiten mit dem Hitlerregime zu vermeiden, untersagt die polnische Regierung die Aufführung des Stücks. So kommt der selbstverliebte Schauspieler Josef Tura (Bernhard Bettermann) in seiner Starrolle als Hamlet zum Zuge. Während er seinen großen Monolog gibt, trifft sich seine nicht minder narzisstische Gattin und Schauspielerin Maria (Isabella Hübner) regelmäßig mit dem attraktiven Fliegerleutnant Stanislaw Sobinsky (Alexander Wipprecht). Plötzlich wird über Nacht aus dem Spiel ernst: Es ist Krieg, das Theater wird geschlossen und die Schauspieler spielen just ab dem Moment um ihr Leben, als sie beschließen einen Nazi-Spion in eine Falle zu locken, um eine Liste mit Namen polnischer Widerstandskämpfer sicher zu stellen. Nun kommen Kulissen und Kostüme des abgesetzten Stückes doch noch zum Einsatz. Rasch wird das „Teatr Polski“ zum Gestapo-Hauptquartier und die Mimen schlüpfen in die Rollen der Nazis. Das kontinuierlich an Fahrt aufnehmende Stück strotzt nur so vor witziger Einfälle, die dennoch unaufdringlich bleiben und auch der Wahrnehmung des eigentlich grausamen Hintergrunds Raum lassen. Grotesk und doch bitter nah an Realitäten wird der Führerkult parodiert, karikiert und der Lächerlichkeit preis gegeben. Diesbezüglich kam dem einfältigen und selbstherrlichen Gestapo-Chef Erhardt (Jörg Reimers) eine wahrhaft herausragende Stellung zu. Seine Avancen gegenüber Maria schafften den Spagat, abstoßend und komisch zugleich zu sein. Aber auch die Mittelmäßigkeit der dargestellten Schauspieler, die selbst in den brenzligsten Situationen noch ihre Eitelkeiten pflegten, machte einen immer wieder Schmunzeln. Hoffnung und Trauer reichten sich beim nicht gänzlich glücklichen Ende die Hand: Nur der jüdische Schauspieler Grünberg (Christian Janda) konnte den Nazis nicht entkommen. Bevor die Produktion der Theatergastspiele Kempf ihre Deutschlandtournee antrat, erntete sie bei der Premiere in Kempten begeisterten Applaus.

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