Diskussion um Lärmschutzwand lässt die Emotionen hochkochen

Mauer scheidet die Geister

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Die Börwanger Steige an der vielbefahrenen Staatsstraße 2055. Manche Anwohner fühlen sich vom Lärm belästigt, anderen ist ein Lärmschutz einfach zu teuer.

Börwang – Die Gemeinde Haldenwang hat den vom Verkehrslärm geplagten Anwohnern der östlichen Seite der Börwanger Steige das Angebot gemacht, eine Lärmschutzwand zu errichten.

An deren Baukosten müssten sich die direkten Anlieger der vielbefahrenen Straße allerdings beteiligen (der Kreisbote berichtete). Während die Betroffenen selbst sich keineswegs über Notwendigkeit und Nutzen einer solchen Baumaßnahme einig sind, hat der Gemeinderat jetzt beschlossen, die Planungen zunächst weiter voranzutreiben. Zwischen 5500 und 6000 Fahrzeuge befahren täglich die direkt durch Börwang verlaufende Staatsstraße 2055, die Kempten-Leubas mit Obergünzburg verbindet. Und es werden stetig mehr. Autos, Motorräder und eine steigende Zahl von Mautflüchtlingen treten an der langgezogenen Steigung richtig aufs Gaspedal. 

Für viele der Anlieger ein unerträglicher Zustand. Während vierfach verglaste Schallschutzfenster zumindest in den Innenräumen ein lärmfreies Wohnen ermöglichen, sei ein Aufenthalt in den Gärten nur für Hartgesottene tragbar. Nun hat die Gemeinde Abhilfe angeboten. Obwohl sie laut Bundesimmissionsschutzgesetz nicht zur Errichtung eines Schallschutzes verpflichtet ist, wäre die Kommune bereit, freiwillig die Hälfte der Kosten eines solchen Projektes zu übernehmen. Die andere Hälfte müssten die direkten Anlieger anteilig schultern. In der vergangenen Woche informierten Bürgermeister Anton Klotz (CSU), Lärmschutzgutachter Karl Fischer und Ingenieur Klaus Bäumler die Bevölkerung im Rahmen einer Info-Veranstaltung im Feuerwehrhaus über die verschiedenen Möglichkeiten und den Nutzen eines Schallschutzes.

Kostenanteil steht noch nicht fest 

Die Vorplanungen umfassten bis dato zwei Teilstücke, südlich sowie nördlich der Ausfahrt Bergstraße, mit drei Metern Höhe und 370 bzw. 126 Metern Länge, so Klotz. Die Gesamtkosten der Anlage, die zunächst nur für die östliche Seite der Steige geplant ist, werden auf zirka 400 000 Euro geschätzt. Wie hoch der exakte Eigenanteil der Anrainer wäre, könne freilich erst nach erfolgter Ausschreibung mit Sicherheit gesagt werden. Ein Betrag von 350 Euro netto pro laufendem Meter sei aber realistisch. Konkret hieße das: Wer ein 20 Meter langes Grundstück entlang der Straße besitzt, müsste 7000 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer berappen. 

In der Diskussionsrunde, an der sich auch einige der zwölf Anlieger beteiligten (eine ganze Reihe ebenfalls Betroffener war nicht erschienen), und bei der bereits die grundsätzliche Einstellung der Anwohner zu dem Projekt abgefragt wurde, kochten die Emotionen hoch. Robert und Stephanie Schatz etwa, die seit 2006 mit ihren Kindern an der Steige wohnen, würden das Angebot der Gemeinde liebend gerne annehmen. Sie kämpfen schon seit Jahren verzweifelt für eine Lösung gegen den nervtötenden, ihrer Befürchtung nach krankmachenden Lärm vor ihrem Haus. „Wenn wir geahnt hätten, dass die Belastung so stark steigt, hätten wir das Haus nicht gekauft.“ Im jetzigen Angebot sehen sie eine „geradezu historische Chance“. Eine Sicht, die bei weitem nicht alle teilen. Manche der Betroffenen scheuen die Kosten – wie etwa eine Seniorin, die angab, den Betrag mit ihrer Rente nicht aufbringen zu können und die zugab: „Zudem möchte ich keine Mauer vor dem Haus haben!“. Andere sind skeptisch bezüglich des Nutzens der Maßnahme. Wieder andere stören sich gar nicht an dem Lärm: „Ich wohne hier schon seit 1962, das geht einwandfrei“, so ein Anwohner. 

Bei der Befragung, wer sich denn nun an dem Projekt beteiligen würde, konnte folglich keine Einigkeit erzielt werden. Da fruchtete auch Robert Schatz´ Argument, durch den Lärmschutzwall würden die Immobilien eine zehnprozentige Aufwertung ihres Verkehrswertes erfahren, nicht. Lediglich sechs Anlieger sprachen sich an dem Abend eindeutig für die Maßnahme aus, sodass entlang der Strecke mehrere Lücken klaffen. Dies wiederum stellt das gesamte Projekt infrage, denn „eine lückenhafte Lösung ist nicht umsetzbar. Entweder alles oder nichts“, betonte Anton Klotz, der gleichzeitig ankündigte, sich bei diesem „Zukunftsprojekt“ weiter um eine Lösung zu bemühen. Das Thema wurde diesen Dienstag erneut in der Gemeinderatssitzung behandelt. Dabei zeigte Klotz sich hoffnungsvoll, dass zumindest an den Häusern direkt südlich der Bergstraße bis hinunter zum sogenannten „Dachsbau“, trotz einer Projektgegnerin, mit einem Teilprojekt begonnen werden könnte. „Irgendwie müssen wir es schaffen“, denn er wolle das Projekt nur ungern sterben lassen, so der Rathauschef. 

Folgen müssen bedacht werden 

Das sah auch Manfred Gabler so, der dafür plädierte, das Wohngebiet durch die Maßnahme auch für junge Familien attraktiv zu machen. Dr. Albrecht Botzenhardt und Peter Mair sagten, sie gönnen den Anwohnern zwar den Lärmschutz, mahnten aber zugleich, man müsse die Folgen eines solchen Projektes genau überlegen. Weitere Bürger an anderen vielbefahrenen Straßen könnten sich benachteiligt fühlen oder gleiches Recht für alle einfordern. „Dann wären wir bald pleite“. Laut Beschluss wird die Planung für den Bereich südlich der Bergstraße nun beiderseits der Steige zunächst bis zur Ausschreibung vorangetrieben, um konkrete Zahlen über die tatsächlich anfallenden Kosten für den Einzelnen vorlegen zu können. Erst dann werde man über die Umsetzung entscheiden. 

Da sich die Anlieger des nördlichen Teilstücks einhellig für die Maßnahme ausgesprochen haben und sich auch die Bewohner der Häuser in den dahinter liegenden Reihen an den Kosten beteiligen wollen, kann dessen Realisierung sofort vorbereitet werden. Kostenpunkt: 70 000 bis 80 000 Euro. Robert Schatz zeigte sich nach der Sitzung vorsichtig optimistisch: „Ich bin sehr froh, dass es überhaupt weitergeht“. Sie hoffe immer noch auf eine einheitliche Gesamtlösung, ergänzt Ehefrau Stephanie. „Wenn jeder etwas Eigenes vor sein Grundstück baut, sieht das furchtbar aus. Wir hätten das sonst schon längst auf eigene Faust gemacht.“

Sabine Stodal

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