Altusried und Wildpoldsried reagieren

Weitere Unterkünfte gesucht

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In dieser künftigen Asylberwerberunterkunft in Altusried sollen ab Frühjahr 2015 40 bis 50 Flüchtlinge Quartier finden. Darunter auch diejenigen, deren Heim in Betzigau den Baggern zum Opfer fallen wird.

Landkreis – Der Landkreis Oberallgäu beherbergt derzeit 406 Flüchtlinge (Stand 1.10.2014) in zwölf Gemeinden. In den nächsten drei Monaten wird im Landratsamt mit der Zuweisung von mindestens 224 weiteren Asylsuchenden gerechnet.

Jetzt hat Landrat Toni Klotz die 16 Gemeinden, die bislang keine Unterkünfte anbieten (können), mit klaren Worten in die Pflicht genommen. Im nördlichen Landkreis betrifft dies lediglich fünf Kommunen.

73 der Flüchtlinge wurden in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht, 333 wohnen in dezentralen Asylbewerberheimen in zwölf der 28 Oberallgäuer Kommunen. Das ist bei weitem nicht genug, findet Landrat Toni Klotz. Wie der Tagespresse zu entnehmen war, forderte er im Sozialausschuss des Kreistages alle Gemeinden nachdrücklich auf, die dringend benötigten Unterbringungsmöglichkeiten zu nennen. Sollte dies nicht geschehen, würde man „härtere Maßnahmen ergreifen müssen“. Angeblich war von Beschlagnah- mungen und Wohn-Containern die Rede.

Der Wiggensbacher Bürgermeister Thomas Eigstler äußerte sich auf Nachfrage des Kreisboten verschnupft über Klotz’ Drohung. Seine Gemeinde ist seit Juli auf der Suche nach einer geeigneten Unterkunft. Bislang ohne Erfolg. Aus Sicht des Landkreises sei „der nachdrückliche Appell verständlich und nachvollziehbar“. Aus Sicht einer Kommune ohne entsprechenden Wohnraum hingegen sei „die Androhung der Übertragung von Aufgaben aus dem Wirkungskreis des Bundes auf die Kommunen sehr befremdlich, zumal der Bund durchaus über entsprechende Unterkunftsmöglichkeiten (zum Beispiel Kasernen) im eigenen Bestand zur Verfügung hat. Die Kommunen sollen’s wieder richten, was der Staat nicht auf die Reihe bringt“, ärgert sich Eigstler. Auch in Waltenhofen, Wertach, Weitnau und Lauben war die Suche nach geeignetem Wohnraum bisher ergebnislos. Laubens Rathauschef Berthold Ziegler mahnt zu Räson. Er gehe davon aus, dass „keine Gemeinde im Landkreis sich der sehr schwierigen Unterbringungsproblematik verweigert. Wenn es in einer Gemeinde tatsächlich keine geeigneten Räumlichkeiten zur Unterbringung von Asylanten gibt, wird es auch keine `härteren Maßnahmen´ geben können“, so seine Meinung.

"Nur zusammen lösen"

Natürlich wolle man die Dinge lieber einvernehmlich regeln, stellt der Leiter der Sozialabteilung im Landratsamt, Ralph Eichbauer klar. „Aber die Gemeinden müssen sich jetzt Gedanken machen, denn diese Herausforderung werden wir nur zusammen lösen können.“ Die öffentlich bekannt gewordenen harschen Worte des Landrats hätten immerhin einige der Rathauschefs dazu bewogen, mit Sonthofen Kontakt aufzunehmen. Einige Gemeinden sind längst mit im Boot. Wie etwa Dietmannsried (hier sind 25 Personen, überwiegend Familien, in einem Dreifamilienhaus untergebracht), Buchenberg (29), Oy-Mittelberg (33), Sulzberg (6) und Börwang (16).

Eine der größten Unterkünfte bietet Betzigau. Hier leben zurzeit 46 Flüchtlinge (darunter neun Kinder und Jugendliche) aus sieben Ländern in einem mehrstöckigen Gebäude, das sich im Besitz der Gemeinde befindet. Das aber liegt genau auf der Trasse der derzeit im Bau befindlichen Umgehungsstraße und muss im Frühjahr geräumt werden. Die Bewohner, von denen bis zu zehn ohnehin bereits anerkannt und auszugsberechtigt sind, können dann nahtlos nach Altusried umziehen, berichtet Ralph Eichbauer. Hier steht ab März 2015 das ehemalige Freizeitheim Lerchenmüller am Ortsausgang Richtung Leutkirch zur Verfügung. In dem Gebäude, das ohnehin mehrere größere Schlafräume, große Sanitärbereiche und Gemeinschaftsräume aufweist, finden 40 bis 50 Menschen Platz. „Das ist eine enorme Herausforderung für Altusried“, so Bürgermeister Joachim Konrad. Er appelliert: „Wir sollten diese Menschen, die aus großen Notlagen geflüchtet sind, mit christlicher Nächstenliebe aufnehmen.“ Die derzeit mit 17 Asylbewerbern belegte Unterkunft im Ortskern soll mit Ablauf des Mietvertrages, voraussichtlich Ende 2015, aufgelöst werden.

"Wir bauen derzeit im ganzen Landkreis neue Unterkünfte auf“, so Eichbauer. Alles, was eine Kapazität von mindestens zehn Personen bietet, kommt dafür infrage. Wildpoldsried etwa wird im Lauf der nächsten Tage erstmals elf Asylsuchende aufnehmen. Sie werden in dem seit kurzem leerstehenden Wohnanbau des Dorfmuseums einquartiert. Dessen eigentlich für heuer geplanter Umbau zu einem Teil des Museums wurde deswegen auf unbestimmte Zeit verschoben. Auch in Durach ist eine Unterkunft in Entstehung. Die Gemeinde möchte bevorzugt Familien oder alleinerziehende Mütter mit Kindern aufnehmen. Für den 16. Oktober wurde eine Infoveranstaltung für die Bevölkerung angesetzt, bei der, so die Hoffnung, ein Helferkreis ins Leben gerufen werden kann.

Ohne derartiges ehrenamtliches Engagement, wie es glücklicherweise in allen betroffenen Gemeinden anzutreffen ist, gehe es nicht, sind sich die Verantwortlichen einig. Sie helfen auch bei der privaten Wohnungssuche der anerkannten Asylbewerber. Diese gestalte sich oftmals als schwierig, weiß Haldenwangs Bürgermeister Josef Wölfle. „Dadurch blockieren die Anerkannten zwangsläufig dringend benötigte Plätze in den Heimen.“ Durch die Freigabe der Grüntenkaserne in Sonthofen hat sich die Lage etwas entspannt. „Wir melden einmal wöchentlich unsere Kapazität an die Regierung von Schwaben. Momentan haben wir einen gewissen Puffer“, sagt Ralph Eichbauer.

„Als die Erstaufnahmeeinrichtung in München wegen Masern geschlossen wurde und Zirndorf heillos überlastet war, wurden uns 20 Personen zugewiesen, obwohl wir keinerlei Kapazitäten hatten.“ Zwischen Ankündigung und Ankunft lagen drei Werktage. Glücklicherweise konnten die Menschen kurzfristig in der Alten Schule in Vorderhindelang untergebracht werden. Was als vorübergehende Notlösung gedacht war, hat sich mittlerweile bewährt. „Die Leute fühlen sich so wohl dort, dass sie dort bleiben möchten. Deshalb wird jetzt eine Küche eingebaut.“ Es war von Anfang an unser erklärtes Ziel, weder auf Turnhallen, noch auf Zelte zurückzugreifen. Das ist weder für die Menschen gut, noch für die Akzeptanz des Themas. Nach wie vor herrscht bei uns eine ganz positive Wahrnehmung zur Asylbewerberunterbringung.“

Sabine Stodal

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