Betreuung von Asylbewerbern

Bunte Dankeschön-Feier

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Nachdem die „Zeller Buebe“ die Gäste mit volkstümlichen Stücken unterhalten hatten, bebte die Bühne unter den Darbietungen von zehn jungen afrikanischen Asylbewerbern. Sie lieferten mit Trommeln und Percussion-Instrumenten die rhythmische Untermalung zu den temperamentvollen Tanzeinlagen ihres sudanesischen Mitbewohners Benjamin Yoh und seiner Tanzpartnerin Gundela Enzensberger, die die Betzigauer Trommelgruppe initiiert hat.

Betzigau – Landrat Anton Klotz hatte alle Ehrenamtlichen, die sich in den Oberallgäuer Kommunen und Städten in der Betreuung von Asylbewerbern engagieren, am vergangenen Samstag zu einer Dankeschön-Feier eingeladen.

Auch Bundesminister Dr. Gerd Müller war in den Gasthof „Hirsch“ in Betzigau gekommen, um das Wort an die zahlreich anwesenden regionalen Amtsträger sowie die rund 200 Helfer zu richten.

Landrat Anton Klotz erinnerte an die mehr als 50 Millionen Menschen, die derzeit weltweit aufgrund ihrer Rasse, Religion, politischen Überzeugung oder Homosexualität verfolgt werden und auf der Flucht sind. „Sie kommen mit bitteren Erfahrungen von Armut, Verfolgung, Terror, Krieg und anderen Unmenschlichkeiten und sind auf der Suche nach Hoffnung, Frieden und einem besseren Leben“, so Klotz. Die Zahl der Asylsuchenden ist in Deutschland in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen. „Dieser Trend hält möglicher Weise noch Jahre an“, betonte er. „Diese Entwicklung stellt uns alle vor eine große Herausforderung.“

Klotz dankte den Bürgermeistern der Städte und Kommunen für ihr großes Engagement bei der Unterbringung Hunderter Flüchtlinge. Auch die Mitarbeiter des Landratsamtes sowie die Sozialberatungsstellen leisteten mit „kaum vorstellbarem Aufwand“ Großartiges. Den Oberallgäuer Helferkreisen mit ihren 300-400 Ehrenamtlichen sowie den unterstützenden Organisationen dankte der Landrat mit einem „herzlichen Vergelt’s Gott“ für ihren „unverzichtbaren“ Beitrag zur Integration und Unterstützung der asylsuchenden Menschen. Damit werde zugleich gesellschaftlichen Spannungen und Vorurteilen entgegen gewirkt. „Der Landkreis ist stolz auf Sie, die Sie so derart großartige ehrenamtliche Arbeit leisten.“ Klotz sicherte zu, das Landratsamt werde die Ehrenamtlichen „deutlich und nachhaltig unterstützen“, beispielsweise durch die Finanzierung von Deutschkursen für Asylbewerber, die nach allgemeinem Konsens die Grundlage eines gelingenden Integrationsprozesses darstellen.

Auch Dr. Gerd Müller, der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, sparte nicht mit Lob. Es sei schön zu erleben, dass Ehrenamtliche die Flüchtlinge mit so viel Herzlichkeit und Offenheit willkommen hießen und in die Gemeinschaft aufnähmen. Dieser Einsatz sei unbezahlbar. „So etwas kann man nicht gesetzlich verordnen. Wer etwas von Herzen gibt, ohne zu fragen, was er dafür bekommt, bekommt auch viel zurück – an Menschlichkeit, Herzlichkeit, Kultur…“ Auch die Bürgermeister hätten vorbildlich gehandelt. Anstatt zu lamentieren, hätten sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten die nötigen Strukturen geschaffen. Der Bundesrat habe gerade beschlossen, die Länder bei ihren Integrationsaufgaben mit einer Milliarde Euro zusätzlich zu unterstützen. „Das Geld muss dann auch bei den Kommunen ankommen.“ Allgemein sei es wichtig, Deutschkurse anzubieten, eine Gesundheitskarte umzusetzen, das Asylverfahren zu verkürzen und letztlich die Aufnahme in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. „Das Wichtigste aber sind Sie, die Sie den Menschen die Hand reichen, sie nicht ausgrenzen. Das funktioniert hier in den Allgäuer Gemeinden wirklich vorbildlich.“

Er selbst habe in den vergangenen Monaten einige der Länder, aus denen die Flüchtlinge kommen, wie etwa Nigeria, Afghanistan oder Syrien als Minister bereist. Dort herrsche vieler- orts unvorstellbare Brutalität. In den Flüchtlingscamps im Umfeld des Syrien-Krieges seien heuer 70.000 Babys geboren worden. Unzählige Flüchtlinge hätten auf der Flucht ihr Leben gelassen. „Hinter jedem dieser Menschen steht ein fürchterliches Schicksal.“

Deutschland biete zwar die größte Aufnahmebereitschaft, die größte Herzlichkeit und die besten Bedingungen für diese Menschen. Zugleich müssten aber auch die anderen EU-Staaten ihren Beitrag zur Problemlösung leisten. Die EU investiere Gelder im Nordirak, wo zurzeit ein weiteres Camp für 20.000 Flüchtlinge im Aufbau sei. Überdies sei es unerlässlich, auch die Probleme und Fluchtursachen in den Heimatländern zu bekämpfen. 50 Prozent der Flüchtlinge seien junge Menschen. Die Meisten von ihnen hegten den großen Wunsch, wieder Zuhause leben zu können und dort eine Zukunft zu haben. „Daher ist es wichtig, dass wir dort langfristige, auch wirtschaftliche Partnerschaften schließen, um Lebensperspektiven zu schaffen.“ Auch die Kirchen engagierten sich mit ihren Organisationen wie Brot für die Welt, Caritas oder Misereor in vorbildlicher Weise vor Ort. „Da ist die Kirchensteuer sehr gut angelegt.“

Sabine Stodal

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