"Langfristige Geldanlage"

Kritiker des Gesetzes für Erneuerbare Energien (EEG) und der Solarstromvergütung erhalten Rückenwind vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), das die Photovoltaik (PV) als „Geldvernichtungsmaschine“ erkannt haben will. Für den Bundesverband Solarwirtschaft nicht nachvollziehbar. Seit 16 Jahren ist die Kemptener Firma Solux im Solarstrom-Anlagenbau tätig. Was es mit der Kritik auf sich hat, erklärt Geschäftsführer Dipl.-Ing. (FH) Michael Stamm wissen.

Herr Stamm, warum PV? Stamm: „Die Nutzung von unerschöpflicher Sonnenenergie ist aktiver Klimaschutz. Und eine Solarstromanlage auf dem eigenen Dach ist für die meisten Hausbesitzer die einzige Möglichkeit, ihre Energieversorgung in die eigenen Hände zu nehmen. Zudem ist sie bei guter Anlagenqualität auch eine hervorragende langfristige Geldanlage.“ Die Vergütungssätze für Solarstromanlagen reduzieren sich zum Jahreswechsel um neun Prozent. Gleichzeitig fallen die Preise für die Anlagen um ebenfalls neun Prozent. Wie kommt es zu der Parallelität? Stamm: „Der Gesetzgeber sorgt mit der hohen jährlichen Vergütungssenkung von neun Prozent für enormen Kostendruck in der Branche. Denn jeder Modulhersteller und auch wir als Systemanbieter wissen, dass die Preise genauso fallen müssen wie die Einspeisevergütung, damit die Wirtschaftlichkeit und damit die Nachfrage nach Solarstromanlagen mindestens konstant bleibt oder noch besser steigt. Denn das Ziel sind 100 Prozent erneuerbare Energien.“ Bekanntlich werden Solarstromanlagen erst nach etwa zehn Jahren Laufzeit wirtschaftlich. Angeblich nimmt aber die Leistungsfähigkeit von Solarzellen kontinuierlich ab. Wie sieht es also tatsächlich mit der Rentabilität der Anlagen aus? Stamm: „Es gibt bei Solarmodulen und kompletten Solarstromanlagen genau wie in jeder anderen Branche gewaltige Qualitätsunterschiede. Bei Herstellern, die schon mehrere Jahrzehnte Erfahrung in der Fertigung von Solarmodulen haben, zeigen Messergebnisse über mehr als 20 Jahre Leistungseinbußen von wenigen Prozent, die oft noch innerhalb der Messtoleranz liegen. Bei Anlagen mit hochwertigen Qualitätskomponenten, die fachgerecht geplant und montiert werden, kann man von belegten Lebenserwartungen von mehr als 30 Jahren ausgehen. Wenn also sowohl dem Anlagenkäufer als auch dem Systemanbieter bewusst ist, wie lange 20 Jahre werden können, bringen gute Solarstromanlagen sowohl hohe Energieerträge als auch lukrative langfristige Renditen.“ Das RWI kritisiert unter anderem den Schuldenberg für die nachfolgende Generation, der durch die 20 Jahre lange Vergütungsgarantie entstehe. Wurde beim EEG zu kurz gedacht? Stamm: „Das RWI hat nicht zufällig eine große Namensähnlichkeit mit einem großen deutschen Energieversorger und fällt seit längerem durch einseitige Aussagen auf, die sich nicht mit den Studien renommierter Forschungsinstitute decken? Die 20 Jahre Vergütungslaufzeit im EEG sind die Basis für einen wirtschaftlichen Betrieb von Anlagen zur Erzeugung sauberen, zukunftsfähigen Stromes. Durch die Aussicht auf Gewinn wird privates Kapital in den Bau von erneuerbaren Energierzeugungsanlagen investiert und damit die Erzeugung von Strom dezentralisiert und demokratisiert. Das passt natürlich nicht jedem in diesem Land in sein Geschäftsmodell... Und wenn wir uns schon auf nachfolgende Generationen berufen, dann machen mir der Klimawandel und die Endlichkeit fossiler Energiereserven weit mehr Sorgen als angeblich zu hohe Schuldenberge.“ Ist die subventionierte PV ein Preistreiber, für den der Verbraucher einen teureren Strompreis bezahlt? Stamm: „Natürlich kostet Klimaschutz Geld; im Gegensatz zu Klimaschädigung, die immer noch in vielen Fällen den Verursacher fast nichts kostet. Jede Form der Stromerzeugung wird auf den Strompreis umgelegt, und zwar schon seit Jahrzehnten. Und durch den Ausbau der erneuerbaren Energien werden die Kosten hierfür in den nächsten Jahren ansteigen. Studien zeigen aber, dass durch die stetigen Preissenkungen bei erneuerbaren Energien und gleichzeitig steigenden Preisen für fossile Energie langfristig der massive Ausbau der erneuerbaren Energien die eindeutig kostengünstigere Variante ist. Und aus Klima- und Resourcengründen auch die Einzige.“ Nun mal ehrlich, wer sind die echten Gewinner und Verlierer der PV-Subventionierung? Stamm: „Gewinner sind sicherlich die Betreiber von Solarstromanlagen, die aktiven Klimaschutz mit Rendite verbinden. Gewinner sind aber auch weit mehr als 50000 Menschen, die mittlerweile bereits einen Arbeitsplatz in der deutschen Solarstrombranche gefunden haben. Allein deren Lohnsteuern bringen dem Staat mehr ein, als der Stromkunde für die EEG-Vergütungen bezahlt. Gewinner ist also auch der Staat und damit der Steuerzahler. Gewinner sind auch immer mehr Unternehmen, die im Bereich Solarstrom und der entsprechenden Zulieferindustrie aktiv werden und ihre Umsätze und ihre Exportanteile von Jahr zu Jahr steigern. Verlierer sind vermutlich diejenigen, die weiterhin auf fossile Großkraftwerke setzen und versuchen, den notwendigen Umstieg auf erneuerbare Energien zu verzögern oder zu verhindern.“

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