Nie langweilig

Kaum zu glauben, dass diese Frau ein ganzes Jahrhundert erlebt hat: In körperlicher und geistiger Gesundheit feierte Karolina Moser vergangene Woche ihren 100. Geburtstag. Vier Generationen hatten sich zur Feier des Tages im Margaretha- und Josefinenstift versammelt. Tochter Sieglinde war mit Tochter und Enkel sogar eigens aus Amerika angereist.

Für ihre Fitness tut die alte Dame so einiges: Gymnastik, Physiotherapie und Gedächtnistraining stehen bei ihr regelmäßig auf dem Programm. Dreimal in der Woche besucht sie die Heilige Messe. Nicht zuletzt nimmt sie gern an den Veranstaltungen im Stift teil. Mit Lesen tut sich Karolina Moser allerdings schwer, weil die Augen nicht mehr mitspielen wollen. Langweilig wird es ihr trotzdem nicht. Seit zwölf Jahren lebt die Hundertjährige im Seniorenheim am Adenauerring, wo sie beliebt ist und gute Kontakte pflegt. Sechs Jahre wurde sie immer wieder in den Heimbeirat gewählt, bis sie selbst abwinkte. „Ich fühle mich hier sehr wohl und möchte nirgendwo anders sein“, beteuert die Jubilarin. Den größten Teil ihres langen Lebens hat Karolina Moser in Weitnau verbracht. Ihre Augen leuchten, wenn sie an Kindheit und Jugend zurückdenkt. Sie hatte fünf Geschwister, die Eltern betrieben ein Lebensmittelgeschäft. Der Vater war zudem als Waagemeister für die Landwirte zuständig. Fünf Kinder – vier Töchter und einen Sohn – hat sie als Hausfrau und Mutter groß gezogen. „Da hatte ich genug zu tun“, erzählt sie, „und oft bin ich mit Kindern und Leiterwagen bis nach Kempten gelaufen.“ Ihr Mann, der mit 75 Jahren verstarb, arbeitete in der Standortverwaltung der Bundeswehr. In den Kriegsjahren hat sich Karolina Moser sehr um ihn gefürchtet. Unruhige Momente hatte sie auch, als Tochter Sieglinde 1962 der Liebe wegen in die USA auswanderte. „Das war schwer zu verkraften“, erinnert sich die sechsfache Großmutter und fünffache Uroma. Zweimal hat sie die Tochter samt Familie in Nashville besucht. Überhaupt ist die gebürtige Weitnauerin ihr Leben lang gern gereist. Am liebsten war sie mit der Familie in Italien beim Zelten. Stets war die bescheidene Frau darauf bedacht, schuldenfrei zu leben: „Das Geld muss in die Sparkasse, hat mein Vater immer gesagt.“ Daran nehme sich die Stadt Kempten ein Beispiel, meinte Zweiter Bürgermeister Josef Mayr. Im Jahr 2020 wolle die Allgäu-Metropole schuldenfrei sein. Mayr überreichte der Jubilarin die „Patrona Bavariae“ in Gold, eine Auszeichnung des Freistaates Bayern. Karolina Moser sei eine von zwölf Personen in Kempten, „die dieses gesegnete Alter erreicht haben.“ Mit einem launigen Gedicht gratulierte zu guter Letzt Agnes Fritsch vom Heimbeirat: „Hundert Jahre bist du heute, aber mach´ dir nichts draus, alle Leute sagen, du siehst noch lang nicht so alt aus.“

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