Laute Zwischentöne

Den radikalen Schnitt in ihrem künstlerischen Schaffen zeigt die Kemptener Malerin Renate Bühr in ihrer aktuellen Ausstellung „Zwischentöne“. Foto: Tröger

„Neuer Anfang“; „neuer Schwung“. Zwei Begriffe, mit denen die Kemptener Künstlerin Renate Bühr auf den Punkt bringt, was sie nach längerer Schaffenspause zu ihrer aktuellen Ausstellung „Zwischentöne“ beflügelt hat. Der Ausstellungsort ist dabei Teil des Programms: Ein Friseurladen. So, wie sich viele Frauen eine neue Frisur verpassen lassen, wenn es eine Zäsur in ihrem Leben gibt, hat Bühr beim Großteil ihrer 26 ausgestellten Bilder ältere Werke ihres Schaffens übermalt – Ausdruck der Veränderungen in ihrem Leben.

Nur an einigen Stellen blitzen die Schichten der Ursprungsbilder und –collagen noch durch und bilden die Basis für das Jetzt, wie ein Gleichnis für einen Lebensweg. Aus dem Alten heraus ist also etwas (fast) ganz Neues entstanden, was zwangsläufig anders sein muss, als ein Werk, das aus einem leeren Grund entspringt. Wie im richtigen Leben fällt die Konsequenz der Verwandlungen in unterschiedlicher Intensitäten aus – einmal zurückhaltend, dann wieder durchgreifend. Interessant ist die Gegenüberstellung der wenigen älteren, unverändert gebliebenen Bilder, deren Pastelltöne mit der neuen frischen, kräftigen Farbigkeit konkurrieren, die auf den übermalten Exponaten das Alte in den Hintergrund drängt. Auf eine nach Bührs eigenen Worten seit letztem Jahr „kompromisslose“ Art weisen die Collagen statt der einstmals weichen Konturen nun bisweilen harte Linien auf, die allerdings eher Klarheit als Strenge implizieren. Ein schönes Beispiel dafür ist die Collage der Verladestation für Bananen auf Teneriffa. Eine spezielle Wirkung des Farbauftrags erzielt sie, indem sie „Sand von der Insel ins Öl der Farbe streut“, lüftet sie ein Geheimnis. Neben Landschaften und Szenerien sind es Frauen und Mädchen, die eine zentrale Rolle bei Bührs Motivwahl spielen. Plakat als Inspiration Eine gelungene Veränderung hat unter anderem „Waldeslust I“ erfahren. Wo einst Ausschnitte des Kemptener Theatervorhangs abgebildet waren, werden diese nun fast vollständig von drei angedeuteten Chinesinnen überdeckt, über denen in sattem grün ein „Zauberwald“ liegt. Inspirationsgeber sei ein Plakat gewesen, das sie gesehen habe, erklärt sie. So auch bei ihrem Bild „Charlotte“, auf dem sie die französische Schauspielerin und Sängerin Charlotte Gainsbourg vor einer, wie aneinandergereihte Fliesen wirkenden Häuserwand abgebildet hat. Künstlerin anwesend Die Ausstellung „Zwischentöne“ mit Malereien und Collagen von Renate Bühr kann noch am morgigen Montag, 30. April, und am 7. Mai, jeweils von 15 bis 18 Uhr in Anwesenheit der Künstlerin in der Burgstraße 21 besichtigt werden.

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