Tief verwurzelt

LEADER-Projekt: Silphie ist als Energiepflanze etabliert

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Eine Augenweide und vielversprechende Energiepflanze: Die Silphie.

Kempten/Lauben – Nach gut 60 Zentimetern gab Projekt-Koordinator Uwe Kießling auf. Der Boden auf dem Acker von Frank Bodenmüller in Lauben erwies sich als zu steinig, um der Silphie mit Spaten und Muskelkraft bis auf den Grund zu gehen.

Rund 1,80 Meter tief reichen die Wurzeln der nordamerikanischen Energiepflanze inzwischen in die Erde. Damit hat sich die Dauerkultur fest auf allen acht LEADER-Versuchsflächen im Allgäu etabliert. 

Ende 2019 wird das auf insgesamt drei Jahre angelegte Projekt für „Mehr Vielfalt in der Energielandschaft“ abgeschlossen. Oberflächlich zeigt sich derzeit noch wenig auf den Silphie-Flächen. Bei der Eröffnungsveranstaltung zum dritten und letzten Projektjahr sprießen auf dem Feld in Lauben nur ein bisschen Vogelmiere, Löwenzahn, Huflattich und Ackerstiefmütterchen. „Belebende Beikräuter“, wie Silphie-Experte Ralph Brodmann erklärt, die den Insekten nutzen und dem Silphie-Aufwuchs nicht schaden. Bis in ein, zwei Monaten wird der Korbblütler höher stehen als alle Kräuter. 

Um das Stängelwachstum zu fördern, empfiehlt der Fachmann vom baden-württembergischen Energiepark Hahnennest lediglich ein bis zwei Düngemaßnahmen im Frühjahr. Mehr sei an Bodenpflege nicht mehr nötig. Frank Bodenmüller nickt. Er hatte schon im Jahr zuvor auf alle Herbizideinsätze verzichtet und nur Gülle ausgebracht. Die Silphie war bei ihm lückenlos aufgegangen und auf über drei Meter Höhe angewachsen. Im Herbst hatte der Landwirt die ein Hektar große Fläche vor seinem Anwesen dann schneiden und häckseln lassen – und damit sich und seinen Lohnunternehmer vor größte Herausforderungen gestellt. Immer wieder nämlich hatten sich die weit verzweigten Blütenstängel mit ihren haarigen Blättern ineinander verhakt und Mähwerk und Häcksler derart verklebt, dass die Arbeiten mehrfach unterbrochen werden mussten. 

Über fünf Stunden dauerte die ganze Aktion – „zwischendurch habe ich wirklich überlegt, abzubrechen und alles unterzumulchen“, erinnert sich Bodenmüller. Ein Problem, das Saatguthändler Brodmann aus eigener Erfahrung kennt, für das er nach zehn Jahren in der Branche aber Lösungen hat: Spezielle Mähaufsätze und zusätzliche Niederhalter. „Dann läuft‘s bei der Ernte wie geschmiert“, verspricht der württembergische Silphie-Spezialist. Noch bis Jahresende begleitet und berät er LEADER-Projektträger renergie Allgäu und die acht beteiligten Landwirte. Dann endet der dreijährige Versuch mit einem umfassenden Abschlussbericht, in dem neben Düngeund anfänglichen Unkrautbekämpfungsmaßnahmen auch Ertragszahlen genannt werden sollen. Dafür sind alle Landwirte aufgefordert, im kommenden Herbst TS-Zahlen und Gaserträge zu erfassen. 

Zuvor aber werden im Jahresverlauf neuerlich öffentliche Veranstaltungen an ausgesuchten Silphie-Feldern stattfinden. Im Unterallgäuer Frickenhausen beispielsweise ist ein Nachmittag für Biogas-Landwirte geplant, im Ostallgäuer Ruderatshofen ein Treffen zum Thema „Tourismus und Imkerei“ und Teilnehmer Carl Munding aus Pless möchte die Bürger an sein Silphie-Feld einladen und mit ihnen über „Naturschutz und Artenvielfalt in der Landwirtschaft“ diskutieren. Auch ohne konkrete Ertragszahlen zu kennen, melden sich immer neue Landwirte, die Teile ihrer Äcker mit Silphie bepflanzen möchten. So werden allein heuer 30 Hektar von neun Allgäuer Betrieben auf die nordamerikanische Blühpflanze umgestellt. „Die Silphie überzeugt“, freut sich Projektleiter Richard Mair. 

kb

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