Ein Leben ohne Plastik

Ansatzpunkte zum Plastiksparen

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„Was machen Sie ab morgen anders?“, wollte Sylvia Schaab am Ende ihres Vortrags "Es geht auch ohne Plastik" von den Gästen wissen.

Sulzberg – Kann man heutzutage gänzlich ohne Plastik auskommen?

Mit dieser Frage beschäftigte sich der Vortrag „Es geht auch ohne Plastik“ von Sylvia Schaab am vergangenen Freitagabend im Gasthof zum Hirsch in Sulzberg. Hierzu hatte der Verein Allgäuer Kräuterland e.V. alle interessierten Bürger vor der im Anschluss stattfindenden Jahreshauptversammlung eingeladen. „Die Brisanz des Themas ist klar. Plastik ist überall in den Meeren und dort, wo wir es nicht haben wollen“, leitet Vereinsvorsitzende Gerti Epple den Abend ein. Die aus Augsburg angereiste Journalistin und Bloggerin Sylvia Schaab, die sich selbst als Weltverbesserin und Expertin für plastikfreies Leben bezeichnet, unterstrich diese Worte mit nachdenklich stimmenden Zahlen und Fakten: Über 250 Millionen Tonnen an Kunststoffprodukten werden jedes Jahr weltweit hergestellt. 

Allein acht Millionen Tonnen landen davon im Meer. Auch Deutschland ist in der Verantwortung: In Europa zählt die Bundesrepublik zu den Spitzenreitern unter den Müllproduzenten. „Hinzu kommt die Langlebigkeit des Materials. Eine Plastiktüte braucht 25 Jahre, bis sie sich vollständig zersetzt hat. Eine Plastikflasche sogar 450 Jahre“, sagte Schaab und erklärte dem Plenum weiter, dass lediglich 42 Prozent des Verpackungsmülls recycelt werden. Einen Hoffnungsschimmer stellt das mit dem neuen Jahr in Kraft getretene Verpackungsgesetz dar, das mit der Intention, Hersteller und Vertreiber von Verpackungen bei deren Entsorgung nachhaltiger agieren zu lassen, verabschiedet wurde, so die Expertin. Sylvia Schaab selbst begann vor vier Jahren ihren eigenen Umgang mit Plastik zu hinterfragen, als ihr Sohn sich in der Schule mit dem Thema Müll auseinandersetzte. Dies führte letztlich so weit, dass sie das Forum Plastikfreies Augsburg gründete, das Aktivitäten wie einen monatlich stattfindenden Stammtisch und ein 2018 eingeführtes Mehrweg-Pfandsystem als umweltfreundliche Alternative zum Einwegbecher anbietet. 

In ihrem Vortrag ging sie nicht nur darauf ein, wie sie es geschafft hat, Kunststoff nahezu komplett aus dem Familienhaushalt zu verbannen, sondern gab den Gästen zahlreiche Tipps zum Selbermachen mit auf den Weg. Seien es das Waschpulver und der Weichspüler im Haushalt, die Zahnpasta und das Deodorant bei der täglichen Körperpflege oder das Müsli und der Kakao zum Frühstück – für alle Produkte, die beim Einkauf häufig mit viel Plastikmüll verbunden sind, gibt es naturbasierte Alternativen, die mit meist geringem Aufwand selbst hergestellt werden können. Anschließend sollte auf umweltfreundliche Behältnisse, beispielsweise aus Glas, zurückgegriffen werden, um die selbstproduzierten Materialien aufzuheben. Dabei weiß Schaab aus eigener Erfahrung: „Die Umstellung funktioniert nicht von heute auf morgen, man muss Geduld haben“ und riet den Gästen, mit einfachen Veränderungen zu beginnen. Dass das Thema auch in der Region polarisiert, zeigte an dem Abend zum einen Peggy Meyer, Studentin der Sozialen Arbeit an der Hochschule Kempten, die derzeit ihr Praxissemester im Altstadthaus absolviert und dort im Zuge dessen am 15. Februar von 9 bis 13 Uhr einen Workshop zu den Themen Plastikkonsum und Nachhaltigkeit anbietet. Zum anderen bewarben die Mitgründerinnen Stefanie Grömmer und Judith Kensy den neuen Unverpackt-Laden in Immenstadt, der im Frühjahr eröffnet werden soll. „Wir haben Verantwortung für unsere künftigen Generationen, deshalb lohnt es sich, jahrelang angeeignete Gewohnheiten auch wieder abzugewöhnen“, gaben die beiden allen Zuhörern gegen Ende der Veranstaltung zum Nachdenken mit. Dass die Müllreduktion die Menschen im Allgäu beschäftigt, zeigt die Crowdfunding-Kampagne des Unverpackt-Ladens, die bis jetzt knapp 400 Menschen mit über 22.000 Euro unterstützen. 

db

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