"Lasst uns miteinander gehn"

Was die Lehre Kneipps mit aktuellen gesellschaftlichen Tendenzen zu tun hat

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Vor der idyllischen Kulisse des Weihers im Engelhaldepark informierten die Kneipp-Gesundheitstrainerinnen zu den Kneipp‘schen Elementen: Wasser, Ernährung, Bewegung, Heilpflanzen und einer gesunden Lebensordnung. Im Bild zeigt Angelika Schinko-Herb die Einsatzmöglichkeiten von Kräutern.

Kempten – „Miteinander – Füreinander“ lautet das Motto, das sich in diesem Jahr die bundesweite Kneipp-Bewegung gegeben hat. Aber was hat dieser Wahlspruch mit der Lehre von Pfarrer Sebastian Kneipp zu tun?

„Eine ganze Menge!“, erklärt Ida-Anna Braun, Vorsitzende des Kneipp-Verein Kempten, „ein gutes soziales Miteinander ist gesundheitsförderlich“, das wusste schon der Wasserdoktor und hat es in einem seiner fünf Elemente für ein gesundes Leben verankert. Bei einer Informationsveranstaltung im Engelhalde-Park setzten die Kemptener Kneippianer mit Musik und Gesang ein Zeichen gegen die Entsolidarisierung der Gesellschaft. Aber auch in die Elemente „Ernährung“, „Bewegung“, „Wasser“ und „Heilpflanzen“ gab es an der Wassertretanlage aufschlussreiche Einblicke.

„Lasst uns miteinander gehn, Menschen auf dem Wege“, sangen die 30 Damen und Herren als Abschluss ihres Treffens am Kneipp-Becken im Engelhaldepark. Musik und Gesang verbindet und stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Studien haben gezeigt, dass das Singen im Chor die Ausschüttung von Glückshormonen fördert. Aber der Kneipp-Verein verfolgt mit dem Gesang noch ein zweites Ziel. „Das Jahresmotto‚ Miteinander – Füreinander“ der bundesweiten Kneipp-Bewegung ist bewusst gewählt“, sagt die Vorsitzende des Kemptener Kneipp-Vereins Ida-Anna Braun.

Die Bewegung stelle sich rechtsextremen Tendenzen entgegen und will egoistischen und xenophoben Verhaltensweisen künftig noch stärker mit Toleranz und zwischenmenschlicher Zuwendung begegnen. Ganz im Sinne Kneipps, der gesagt haben soll: „Wer bemüht ist, sein eigenes Glück zu suchen, der ist auch den anderen gern behilflich dazu.“

„Das ist brandaktuell, man hat den Eindruck, dass die Gesellschaft sich spaltet“, so Braun. Es ist interessant, wie aktuell auch die anderen Ratschläge des Unterallgäuer Wasserdoktors sind. Esst mehr Pflanzen und weniger Tier, zitierte ihn Kneipp-Gesundheitstrainerin Gerda Handl-Gröner. Sie gab einen Einblick in eine gesunde Ernährungsweise. Auch den negativen Effekt des stark ausgemahlenen weißen Mehls habe Kneipp im 19. Jahrhundert, als es immer mehr Mühlen gab, schon erkannt. Weiter empfahl er Wasser als Getränk und pflanzliche Öle.

"Kneippen ist nur ein kurzer Reiz, den Rest macht der Körper selbst"

Bekannt ist Kneipp für seine Güsse und kalten Wasseranwendungen. „Dennoch wissen die Leute sehr wenig darüber, wie das Wassertreten funktioniert“, erläuterte Gisela Antor, die ebenfalls Kneipp-Gesundheitstrainerin ist. Wichtig sei, nicht zu lange im kalten Wasser zu bleiben und nur hineinzugehen, wenn der Körper ausreichend warm ist. Durch den Wasserdruck auf die Beine, dessen Effekt durch den Storchengang verstärkt wird, bewegt sich das Blut schneller durch die Gefäße und nehme auch Schlackenstoffe besser mit. Nach dem Trockenlaufen (nicht abtrocknen!) würden die Gefäße wieder weiter. „Mehr Blut kehrt aus dem Kopf, den wir sonst so viel anstrengen, in die Beine zurück“, sagt Antor, „Danach ist der Kopf wieder frei, wir haben mehr Bodenhaftung.“ Das Armbad leite die Energie eher nach oben, weshalb Fuß- und Armad nicht zusammen angewendet werden sollten.

Wertvolle Tipps gab es auch von Gesundheitstrainerin Angelika Schinko-Herb zum Thema Kräuter. So sollte es vor dem Sammeln von Kräutern, die getrocknet werden, drei Tage nicht geregnet haben. Beeindruckt zeigte sich das Publikum vom Allrounder Spitzwegerich. Nicht nur seine Blätter sind heilsam bei Mückenstichen, sondern auch die Samen der Blütenstände, die im Herbst geerntet werden. Bekannter sind sie eher unter dem Namen Flohsamen, welche gut für die Verdauung seien. Zusammen mit Salbei und Thymian gehört der Spitzwegerich auch zu den klassischen Hustenkräutern, die entzündungshemmend wirken. Abgerundet wurde das Programm mit Impulsen für die richtige Bewegung, und damit ebenfalls einer wichtigen Kneippschen Säule durch Nordic-Walking-Trainerin Monika Weitnauer. 

Susanne Kustermann

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