Sprechen wir über Baukultur!

Podiumsdiskussion zum Gestaltungsbeirat der Stadt Kempten

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Der Gestaltungsbeirat der Stadt: (v.l.) Oberbürgermeister Thomas Kiechle, Werner Binotto (Kantonsbaumeister St. Gallen), Prof. Hannelore Deubzer (TU München), Prof. Carl Fingerhuth (Schweizer Planer, Architekt und Publizist), Katja Aufermann (Landschaftsarchitektin München), Hans Lipp (Bauherrnvertreter Fa. Geiger), Norbert Diezinger (Architekt Eichstätt) und Moderatorin Marina Hämmerle (Architektin Vorarlberg).

Kempten – Der neue Gestaltungsbeirat, eigentlich der zweite, diesmal in einer vom Stadtrat abgesegneten Besetzung, besteht nun seit zwei Jahren: Da war es an der Zeit, über die Startphase zu reflektieren.

Laut Tim Oliver Koemstedt, dem Leiter des Baureferats der Stadt, ist die Gewährleistung eines städtebaulich und architektonisch hochwertigen Stadtbilds das Ziel dieses Beirats. Die Mitglieder sind allesamt ausgewiesene Fachleute in den Bereichen Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung und, um der Neutralität Willen, nicht im Allgäu zuhause. In den vergangenen zwei Jahren wurden in neun Sitzungen 25 Vorhaben behandelt, in denen sich die ganze Bandbreite der Bautypologien spiegelte.

Dass bei 15 der Projekte deutliche Veränderungen erreicht wurden, wird als positives Fazit gesehen. Der Gestaltungsbeirat kann den Bauherrschaften und Architekten nur Anregungen, Hinweise und Ratschläge geben, Beschlusskompetenz hat er nämlich keine. Dem Bauausschuss des Stadtrats liefert er aber Argumentationshilfen.

„Architektur ist eine Kulturleistung, die die Menschheit begleitet“, ist Gestaltungsbeirätin Prof. Hannelore Deubzer (TU München) überzeugt und spricht damit sicher auch für ihre erfahrenen Kolleginnen und Kollegen auf dem Podium. Alle wünschen sich, dass über Baukultur öffentlich diskutiert wird und ein Bewusstsein für die Bedeutung der gebauten Umwelt entsteht.

Die frühzeitige Einbindung des Gestaltungsbeirats sei die Voraussetzung dafür, dass das Gremium wirksam handeln kann und dass die Bauvorhaben in der Bevölkerung akzeptiert werden. Hans Lipp, der für die Projektentwicklung der Firma Geiger verantwortlich ist, bedauerte, dass dies bei der Bebauung des ehemaligen Brauhausgeländes – Stichwort Fasshalle – nicht möglich war. Die Planungen waren schon zu weit fortgeschritten, die Firma konnte auf die Verbesserungsvorschläge des Beirats nicht mehr reagieren.

Neue Gebäude sollen langlebig sein und sich ins Gefüge der Stadt einpassen, sonst werden sie nicht geliebt. Aus dem Publikum kam die Bitte, mehr Freiflächen zu erhalten und gelegentlich auch „Historisierungen“ zuzulassen. „Baut so, dass es Eurer Mutter gefällt“, meinte ein Beirat „und dass es auch noch Euren Kindern gefällt“, ein anderer und Oberbürgermeister Thomas Kiechle ergänzte mit Augenzwinkern „und dass der Oberbürgermeister möglichst wenig Ärger bekommt!“.

Prof. Carl Fingerhuth, Schweizer Architekt und Publizist und Vorsitzender des Gestaltungsbeirats, antwortete, als er nach seinen Wünschen für die Stadt Kempten gefragt wurde, schlicht: „Ich freue mich, wenn wir nützlich sein können und zur Diskussion über Stadtkultur beitragen.“

Das Fazit des Abends: Der engagierte Einsatz des Gestaltungsbeirats lohnt sich, eine Stadt ist nie fertig gebaut, Stadtentwicklung bleibt immer spannend.

Elisabeth Brock

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