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Lesetipps: Schätze aus dem Buchregal

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Unsere Redakteurin Martina Ahr hat für Sie in ihrem Bücherregal gestöbert. Viel Spaß beim Lesen!

Kempten – Das eigene Bücherregal zu öffnen, ist eine höchst intime Angelegenheit.

Was sich in den Regalen verbirgt, verrät viel über den Besitzer. Als ich Buchrücken für Buchrücken durchgegangen bin, welche Schätze ich in der nächsten Zeit wieder hervorziehen will, fällt mir eines auf: Geschichten über Abgeschiedenheit gibt es reichlich in der Literatur – und auch in meinen Regalen. Als direkter Kontrast stapeln sich bei mir die Bücher, die Fernweh porträtieren. Gemein ist diesen Büchern, dass der Faktor Zeit darin eine große Rolle spielt.

Weit weg auf dem eigenen Sofa

Tiziano Terzanis „Fliegen ohne Flügel: Eine Reise zu Asiens Mysterien“ mag auf den ersten Blick wie ein Reisebericht erscheinen. Terzani begegnet einem Wahrsager, der ihm den Tod durch einen Flugzeugabsturz vorhersagt. Terzani entscheidet sich dazu, den Weg von Kambodscha in seine Heimat Florenz mit dem Zug zurückzulegen, auf dem Seeweg geht es dann zurück nach Asien, nach Singapur. Wer den ehemaligen Spiegel-Korrespondenten auf seiner Reise von Asien nach Europa begleitet, taucht nicht nur in die unterschiedlichen asiatischen Kulturen und deren politischen und historischen Hintergründe ein, sondern erfährt auch einiges darüber, wie der Faktor „Zeit“ auf unser Leben wirkt. Übrigens sind auch andere Werke des 2004 verstorbenen Autors einen Blick wert.

Nur eine Frage des Standpunkts?

Die Relativitätstheorie von Albert Einstein klingt nicht gerade nach spaßiger Unterhaltung. Dass das aber ein Trugschluss ist, beweist Alan Lightman mit „Und immer wieder die Zeit: Einstein´s Dreams“ und experimentiert mit ungewöhnlichen Sprachbildern. Albert Einstein sitzt im Patentamt und träumt von der Zeit. Diese kann plötzlich fragmentieren, sich zentralisieren oder rückwärts laufen. Der Autor, ein Physikprofessor am MIT, stellt die Relativität von Zeit in kleinen Gedankenspielen dar, die manchmal witzig, manchmal traurig sind. Vor allem zeigt er, wie nah sich Naturwissenschaft und Philosophie sind und welche Schönheit darin liegt.

Die ganz großen Fragen im Universum

„Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“ von Benjamin Alire Sáenz ist eigentlich ein Jugendbuch, das aber auch wunderbar für Ewachsene funktioniert: Die beiden fünfzehnjährigen Ari und Dante sind Ende der 1980er enge Freunde und stellen sich auf selbstironische den großen Fragen, die für einen Jugendlichen in dem Alter eben so auftauchen. Was wird von mir erwartet? Wieso bin ich allein? Und auch: Wie gehe ich mit den Geschichten um, die meine Eltern prägen. Aris Vater etwa hat sich wegen des Vietnamkriegs in sich selbst zurückgezogen, sein Bruder sitzt wegen Mordes im Gefängnis. Als Dante mit seiner Familie nach Chicago zieht, bleibt den beiden vorerst nur, sich Briefe zu schreiben, in denen sie sich über erste Drogenerfahrungen und ihre Sexualität austauschen. Als Dante verprügelt wird und im Krankenhaus landet, kommt eine neue Dynamik in ihre Freundschaft.

Übrigens: Einige der lokalen Buchhändler bieten zurzeit einen Lieferservice an, damit Sie trotz geschlossener Läden bei Ihrem Buchhändler einkaufen können. Gleichzeitig unterstützen Sie damit den regionalen Handel.

kb

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