Das letzte Aufbegehren

Politanalyst Ingmar Niemann spricht über Trump, China und die Welt

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Eines der wenigen scharfen Schwerter, die den USA geblieben sind, ist ihre eigene Währung. Seit der Entkoppelung des Dollar vom Goldpreis 1971 unter Präsident Nixon wird diese häufig als Ultima Ratio zur Durchsetzung eigener Ziele eingesetzt, wie es Ingmar Niemann an Beispielen aufzeigte.

Kempten – Der Name „Trump“ scheint politisch Interessierte anzuziehen, denn nur selten muss der politische Analyst Ingmar Niemann den Vortragssaal kurzfristig wechseln, weil zu viele Zuhörer seinen Ausführungen lauschen wollen.

So aber am vergangenen Montagabend an der Hochschule Kempten, als er auf Einladung der Friedrich-Naumann-Stiftung zum Thema „Die US-Außenwirtschaft unter Trump und ihre Folgen für Europa“ sprach. Für die über 200 Gäste des Abends musste kurz vor Beginn aus Platzmangel der Vortragssaal gewechselt werden.

Zuerst warf Ingmar Niemann einen Blick auf die globalen Handelsströme und zeigte zugleich deren Ungleichverteilung auf. Derzeitiger Gewinner des globalen Welthandels sind u.a. China, Russland und Deutschland. Vor zwei Jahren trat mit dem neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump ein Akteur auf der weltpolitischen Bühne auf, der unter seiner „America First“-Doktrin dieser Ungleichverteilung ein Ende bereiten wollte.

Ungleiche Handelsströme

Stets hatte sich das US-Handelsdefizit in der Vergangenheit erhöht und beläuft sich bei den Güterimporten aktuell auf 76 Milliarden US-Dollar. Eine Fünf-Säulen-Agenda, u.a. mit einer aggressiveren Durchsetzung von US-Handelsrecht und der Unterstützung der nationalen Sicherheit soll kurzfristig Abhilfe schaffen. Im Weiteren zeigte Niemann auf, dass Handelshemmnisse wie die Belegung von Waren mit Zöllen, keine US-amerikanische Erfindung ist, sondern auch von der EU betrieben wird, um die eigenen Märkte, z.B. im Agrarsektor, zu schützen. So belegen die Amerikaner EU-Importe wie Erdölprodukte, Milchprodukte und Kleinlastwagen mit hohen Zöllen, eben solche Produkte, die in ausreichender Menge und Qualität selbst im Lande produziert werden können. Anhand der Neuverhandlungen zur Nafta (North American Free Trade Agreement) zeigt der Lehrbeauftragte für internationale Politik und Finanzmärkte an der Hochschule Kempten auf, wie die USA ihren eigenen Markt vor kanadischen Agrarimporten und billig produzierten Autos aus Mexiko zukünftig besser schützen möchte.

Der rote Drache

Eine weitaus größere Gefahr für die US-Wirtschaft stelle allerdings China dar. In diesem Zusammenhang nannte Niemann den Namen des von Präsident Trump ernannten „Direktor für Handel und Industriepolitik“ Peter Navarro. Navarro, Mitglied der Demokratischen Partei, ist ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, der vornehmlich China für den wirtschaftlichen Niedergang der USA verantwortlich macht. Er sei Verfechter einer isolationistischen Wirtschaftspolitik, fordere den Aufstieg Chinas um jeden Preis zu stoppen und keine weiteren US-Interessen auf dem

Altar des Welthandels zu opfern. Dass die Trumpsche Administration durchaus den „roten Drachen aus Fernost“ zu fürchten hat, zeigte Niemann anhand von Zahlen und Fakten auf. Aktuell beträgt das Handelsdefizit der USA zu China 33,5 Milliarden US-Dollar (aggregierte Bilanz, Quelle Wirtschaftswoche). China aber wachse weiter, ist mit seiner eigenen Währung Yuan fast autark und möchte u.a. die historische Seidenstraße nach Europa neu beleben. Derzeit lassen die Chinesen entlang dieser Verbindung Chinas nach Europa massiv Umschlagplätze wie Bahnhöfe und Häfen entstehen.

Zwar sehe sich Niemann mitnichten als Fürsprecher des neuen amerikanischen Präsidenten, doch lenkte er in seinem Vortrag den Fokus eher auf die rasante Entwicklung der chinesischen Wirtschaft als auf die Amtsführung Trumps. Schließlich greife die chinesische Staatswirtschaft auch bereits nach deutschen Industrieperlen wie der Kuka AG und zwinge jeden Investor, der auf dem chinesischen Markt auftritt, Joint Ventures unter der Vorgabe zu gründen, eigenes Know-how dem mächtigen Han-Volk preiszugeben.

Jörg Spielberg

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