Mit dem richtigen Buch durch den ‚Lockdown‘

Literatur-Papst Denis Scheck verrät seine Lieblingsbücher

Denis Scheck, Literaturkritiker, Macher der Sendung „Druckfrisch“, ARD, Porträt
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Der Literaturkritiker Denis Scheck gibt im Kreisboten seine Buchtipps für den auch kulturellen ‚Lockdown‘. 
  • vonAntonia Knapp
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Leutkirch – Vier Wochen lang kein Theater, kein Kino, kein Konzert – das ist hart für alle FreundInnen von Kunst und Kultur.

Immerhin: Die Buchhandlungen im Allgäu sind geöffnet, dort kann man sich ein gutes Buch für die triste Novemberzeit kaufen.
Nur: Welches Werk soll es denn sein? Der Kreisbote hat Deutschlands wohl bekanntesten Literaturkritiker getroffen und um seine Buchtipps gebeten.
Der wegen seiner scharfen Zunge gefürchtete Denis Scheck moderiert seit vielen Jahren das Literaturmagazin „druckfrisch“ am Sonntagabend im ARD-Fernsehen, er entscheidet über Literaturpreise und hat den Bestseller „Schecks Kanon“ geschrieben. Darin führt der 1964 in Stuttgart geborene Scheck einhundert Bücher auf, die er für wichtig genug erachtet, gelesen zu werden. Mit dabei unter anderen J.R.R. Tolkien ( Herr der Ringe), Joanne K. Rowling mit den Harry-Potter-Geschichten und Astrid Lindgren. Ebenso subjektiv wie diese Auswahl sind seine Tipps für den Bücherkauf in Zeiten von Corona.

• Tipp 1: Carl Barks mit den Abenteuern von Donald und Dagobert Duck und der ganzen Entenfamilie aus Entenhausen. „Als Kind der 1960er Jahre haben mich diese Comics enorm geprägt“, sagt Scheck lachend. Er freut sich besonders drüber, in einem von Donalds Abenteuern persönlich erwähnt zu werden. Und empfiehlt mit den Geschichten von „Tim und Struppi“ oder den „Peanuts“ weitere Klassiker als Mittel gegen den Lockdown-Blues.

• Tipp 2: „Echte Weltliteratur auf höchstem Niveau“– so charakterisiert Denis Scheck den neuen Roman „Herzfaden“ von Thomas Hettche: Die Geschichte der Augsburger Puppenkiste, die seit 1953 zum Kulturleben der deutschen Gesellschaft gehört und einen überraschend aufregenden Lesestoff hergibt. Mit einem Umfang von 288 Seiten auch ein Kandidat als Weihnachtsgeschenk …

Tipp 3: Für Kenner und Liebhaber deutscher Schriftsteller verweist Scheck auf Arno Schmidt und dessen Monumentalroman „Zettels Traum“. Die Handlung spielt an einem Sommertag des Jahres 1968, den die vier Hauptpersonen ab vier Uhr bis zum folgenden Morgen in einem Dorf in der Heide verbringen. Das Werk umfasst 1334 dreispaltig mit Schreibmaschine und Hand beschriebene DIN-A3-Seiten und ist in acht Bücher unterteilt. Da dürfte der ‚Lockdown‘ wohl kaum ausreichen.

Wem diese Kost zu schwer ist, der kann auf Krimi-Klassiker von Agatha Christie (Tod auf dem Nil) oder Dorothy Sayers (Mord braucht Reklame) ausweichen – auch die stehen in „Schecks Kanon“. Über den aktuellen Anführer der Verkaufslisten verliert der scharfzüngige Literaturkritiker nur wenige Worte: „Wenn die spannendste Szene in einem Kluftinger-Krimi die Szene ist, in der der Kommissar zweimal an einem Tag Käsespätzle essen muss, erst bei seiner Mutter, dann bei seiner Frau, dann weiß man, dass sich eine Serie erschöpft hat. Wenn das Pferd tot ist, sollte man absteigen.“ Denis Scheck, wie er leibt und lebt. „Druckfrisch“ gibt es wieder am 23. November in der ARD.

Lutz Bäucker

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