Ein selbstgebastelter Stern für Kemptener

Lichtblicke in schwierigen Zeiten

Basteln, was das Zeug hält. Evi Klett (rechts) aus Kempten
hat zusammen mit vielen tatkräftigen und fleißigen Händen
Tausende von Sternen selbst gebastelt für die Aktion „Sternezeit“.
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Basteln, was das Zeug hält. Evi Klett (rechts) aus Kempten hat zusammen mit vielen tatkräftigen und fleißigen Händen Tausende von Sternen selbst gebastelt für die Aktion „Sternezeit“.
  • VonKathrin Dorsch
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Kempten – „Unser selbstgebastelter Stern soll Liebe und Wertschätzung ausdrücken und in der Adventszeit ein Stück Freude in alle Kemptener Haushalte bringen“, so beschreibt Evi Klett ihre Sterneaktion, die dieses Jahr Premiere feiert.

Die 54-jährige Lehrerin aus Kempten hat zusammen mit vielen Helferinnen und Helfern, Vereinen, Gruppen und Arbeitskreisen in mühevoller Handarbeit rund 25.000 Karten mit einem Stern darauf gebastelt, die Ende November in den Briefkästen fast aller Kemptener Haushalte gelandet sind. „Für mich ist und war der Stern schon immer ein besonderes Symbol. Er war bereits damals für die Sterndeuter aus dem Orient der Wegweiser zur Krippe. Mein Team und ich werden den ganzen Dezember lang in unterschiedlichen Kirchen und auf Plätzen kleine „Sternezeiten“ präsentieren. Also einen Impuls zum Nachdenken und zur Besinnung anbieten.“

Die Idee, die hinter der „Sternezeit“ von Evi Klett steckt, ist schnell erklärt. Die Karten, die in rund 25.000 Haushalten der Stadt Kempten eingeworfen wurden, haben einen handgemachten Stern vorne drauf, der abgelöst und aufgehängt werden kann.

Aber das ist noch nicht alles. „Wir haben vom 1. Bis zum 23. Dezember fast an jedem Tag eine kleine „Sternezeit“, die den Menschen ein Wegweiser zu Gott sein kann und möchte. Das ist zum Beispiel am 1. Dezember von 12 bis 18 Uhr die Ausstellung 24 Textile Gedankenanstöße zur Advents- und Weihnachtszeit in der Evangelischen Matthäuskirche im Hochbrunnenweg. Oder am 3. Dezember Marias kleiner Esel, eine Lesung mit Musikbegleitung an der Klostersteige gegenüber von Reischmann. Am 7. Dezember spielt der Musikverein St. Mang um 19 Uhr unter dem Motto Sternezeit – Licht der Welt auf dem Außengelände der Robert- Schumann-Schule in St. Mang“, führt die 54-jährige einige der Termine in der Adventszeit näher aus.

Alle Veranstaltungen finden entweder in Kemptener Kirchen oder unter freiem Himmel statt und können deshalb auch in der prekären Pandemielage hygienekonform stattfinden.

Webseite und QR-Code mit den Sternezeiten

Einen Überblick über die Ausstellungen, Meditationen, Lesungen und Andachten gibt es auf der eigens für die Aktion ins Leben gerufene Webseite www.sternezeit-kempten.de. Auf den eingeworfenen Karten findet sich zudem ein QR-Code, unter dem ebenfalls eine Übersicht der Veranstaltungen abgerufen werden kann.

Und wie kommt man als Fachlehrerin für Ernährung und Gestaltung auf so eine Idee, die viel Vorbereitung, Bastelarbeiten und Organisation abverlangt? „Ich habe bereits im Februar zusammen mit vielen fleißigen Helferinnen und Helfern rund 850 Herzen für Senioren gebastelt. Diese haben wir dann am Valentinstag in den verschiedenen Einrichtungen in Kempten überreicht. Während der Coronakrise hatte ich das Bedürfnis und den Drang verspürt, älteren Menschen eine Freude machen und zeigen, dass sie nicht allein sind. Ich war überwältigt, wie viele Menschen sich mit selbst gestrickten, gehäkelten oder genähten Herzen beteiligt haben“, blickt Evi Klett stolz zurück.

Der Erfolg im Frühjahr hat der 54-jährigen gezeigt, dass sich durchaus etwas bewegen lässt, wenn man tatkräftig und kreativ ist. Die Handarbeitslehrerin befindet sich seit September in einem Sabbatjahr, also einer einjährigen beruflichen Auszeit. „Ich wollte in dieser Zeit nie unbedingt reisen. Was durch die Pandemie jetzt eh schwierig geworden wäre. Ich mache schon seit Jahren Textilkunst und hatte mir vorgenommen, mich während meiner Auszeit damit noch eingehender zu beschäftigen. Ich habe zum Beispiel einen Webstuhl geschenkt bekommen und habe mich da rein vertieft. Aber das war mir nicht genug. Ich wollte dazu beitragen, dass die Welt ein bisschen besser wird und da kam mir die Idee mit der „Sternezeit“ im Dezember“, schildert die gebürtige Memmingerin die Geburtsstunde der Idee.

Im Juli hatte sie bereits ein Team aufgestellt und Leute gesucht, die bereit waren, sich mit ihren Bastelkünsten an der „Sternezeit“ freiwillig zu beteiligen. Am Ende waren es acht Leute, die dann wiederum Leute gesucht haben, die bereit waren, die Aktion zu unterstützen und mitzubasteln. Ähnlich dem Schneeballsystem. Einer kennt einen, der einen kennt. Dabei war ihr eines wichtig: „Das ist eine überkonfessionelle Idee. Ich bin zwar persönlich sehr engagiert in der Evangelischen Gemeinschaft Kempten, aber wir haben auch die Pfarreiengemeinschaft Kempten-West, die Ministrantengruppe Mariä Himmelfahrt, die Mätthauskirche Kempten oder die Kolpinggruppe Heiligkreuz mit an Bord.“

Wer sich bis Weihnachten inspirieren lassen möchte, der findet auf www.sternezeit-kempten.de die unterschiedlichen Veranstaltungen, die bis zum 23. Dezember in Kempten stattfinden. „Jeder ist herzlich willkommen. Gerade in der aktuell schwierigen Lage, in der Einsamkeit und Sorgen erneut stark im Fokus stehen, ist es wichtig, dass wir zusammenhalten und uns gegenseitig Zeit und Liebe schenken“, so Evi Klett abschließend.

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