Lichtermeer aus bunten Häuschen

Grundschüler der Suttschule begehen zu Ehren der Heiligen Lucia ein farbenprächtiges Ritual

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Die Grundschülerinnen und Grundschüler der Suttschule Kempten feierten das Luciafest an der Iller. Der Höhepunkt des Abends war die traditionelle Lichterschwemme – um die Iller zu besänftigen.

Kempten – Viele bunte Häuschen verwandelten letzten Donnerstag die Iller in ein Lichtermeer. Bei Anbruch der Dunkelheit feierten die Grundschülerinnen und Grundschüler der Suttschule in Kempten das Luciafest unterhalb des Illerstadions. Zahlreiche Zuschauer, darunter auch Oliver Huber, der Leiter des Amts für Jugendarbeit Kempten und Johannes Breitfeld, der Schulrat vom Staatlichen Schulamt, waren zu dem vorweihnachtlichen Lichterfest gekommen

Der Lichterzug mit etwa 150 aufgeregten Kindern bewegte sich von der Suttschule über den Illersteg zu den Sandbänken unterhalb des Illerstadions. Mit Liedern, die Tobias Schiele, Rektor der Suttschule, auf der Gitarre musikalisch begleitete und dem Segen von Pfarrer Hartmut Lauterbach von der evangelischen Kirche St. Mang gedachten die Grundschülerinnen und -schüler der Heiligen Lucia.

Der Höhepunkt des Abends war die traditionelle Lichterschwemme. Die im Werkunterricht von den Kindern angefertigten Häuschen aus Ton- und Transparentpapier auf Holzbrettchen und einer brennenden Kerze im hohlen Innenraum wurden am Ufer der Iller den freiwilligen Helferinnen und Helfern der Wasserwacht übergeben, die sie aufs Wasser setzten. Mit leuchtenden Augen verfolgten die Kleinen begeistert die Reise ihrer beleuchteten Häuschen. Seit dem Jahr 1999 wird der jahrhundertalte Brauch „Lichterschwemmen“, auch bekannt unter „Lucien-Häuschen-Schwimmen“, an der Suttschule in Kempten gefeiert, erklärte Tobias Schiele. Seine Vorgängerin, so der Rektor, hatte diese Tradition an der Grundschule eingeführt. 

Die seit dem 18. Jahrhundert überlieferte Sitte soll vor Hochwasser schützen. Anlass war vor 20 Jahren das sogenannte Pfingsthochwasser, ein Jahrhunderthochwasser in Bayern, Baden-Württemberg, Vorarlberg und Tirol. Bedingt durch die Schneeschmelze und große Niederschläge führten zahlreiche Flüsse, so auch die Iller Hochwasser. In Kempten wurde der hundertjährliche Scheitel deutlich überschritten, nur um wenige Zentimeter entging die Kemptner Altstadt damals einer Jahrhundertkatastrophe. Um die Iller zu besänftigen, erklärte Schiele seinen Schülerinnen und Schülern, erhält der Fluss die kleinen selbstgebastelten Häuschen als Geschenk. Alljährlich an dem katholischen Gedenktag der Heiligen Lucia, dem 13. Dezember, wird dieser traditionelle Brauch gefeiert. 

Die Heilige Lucia, übersetzt bedeutet ihr Name „die Leuchtende“, die Patronin der Armen, der Blinden und auch der kranken Kinder war eine Märtyrerin. Sie wird oftmals mit Lichtriten verehrt, da der Tag vor der gregorianischen Kalenderreform zeitweise auf die Wintersonnenwende fiel. Laut Überlieferung brachte Lucia den Menschen in der dunkelsten Jahreszeit das Licht. Mit Tee, Lebkuchen und Plätzchen klang die anheimelnde Adventsfeier auf der Wiese an der Iller aus.

Christine Reder

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