Es funkte auf der ersten Allgäuer Festwoche

Melanie und Johann Holzapfel feiern Eiserne Hochzeit

+
Bürgermeister Josef Mayr überbrachte Melanie und Johann Holzapfel die Glückwünsche zur Eisernen Hochzeit.

Kempten – Als sich Johann und Melanie Holzapfel 1947 das erste Mal auf der Hochzeit ihres Cousins trafen, war sie erst 18 Jahre alt und besuchte noch die Schule. Es brauchte noch zwei Treffen, bis sich die Lenzfriederin und der „Ostbahnhofler“ tatsächlich nähergekommen sind.

Auf der ersten Allgäuer Festwoche 1949 haben sie sich richtig kennengelernt, befreundet und seither nicht mehr losgelassen. Ganze 65 Jahre sind sie nun schon verheiratet.

„Und jedes Jahr, seitdem wir uns kennen, waren wir auf der Festwoche“, sagt Melanie Holzapfel, „auch heuer noch mit 92 und 87 Jahren haben wir mittags einen Gockel im Zelt gegessen.“

Dass die beiden zu feiern wissen, davon konnte sich Bürgermeister Josef Mayr überzeugen, als er die Glückwünsche der Stadt und des bayerischen Ministerpräsidenten überbrachte. Bei Sekt und Kuchen plauderten sie angeregt über vergangene Zeiten.

Schon 1950 hat sich das Jubelpaar verlobt. Auf die Hochzeit im Jahr 1952 folgte 1956 die erste Tochter und 1962 die zweite. Heute leben die Kinder, fünf Enkel und vier Urenkel teils weit weg: eine Tochter, samt deren Sohn und Enkel sind in Krumbach, die anderen Enkel in Augsburg und in der Schweiz. Die andere Tochter lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Kapstadt/Südafrika. „Früher sind wir öfter dort hingeflogen, heute kommen sie uns besuchen“, sagt die rüstige Rentnerin.

Überhaupt ist das Reisen eines der größten Hobbys der Jubilare. „Schon kurz nach dem Krieg sind wir mit Vespa und Zelt über die Alpenpässe an den Lago Maggiore, den Garda- oder den Comer See gefahren.“ Später haben sie sich einen Wohnwagen gekauft und haben Flugreisen unternommen. „Einmal im Jahr musste es ein richtiger Urlaub sein“, sagt Johann Holzapfel, der 50 Jahre lang bei den AÜW als Elektriker an den großen Hochspannungsanlagen beschäftigt war. Dort machte er seine Lehre, und später den Meister. Viele Lehrlinge hat er in seiner Laufbahn ausgebildet, von denen er noch heute manchmal welche in der Stadt trifft. Unterbrochen war die Zeit vom Krieg, wo Holzapfel bei der Marine als Elektriker eingesetzt wurde.

Melanie Holzapfel arbeitete bis zur Geburt der zweiten Tochter: zuerst als Volontärin im „Hotel Post“, dann bei der Post und später im Elektroschmelzwerk im Versand. Bekannt ist sie in der Stadt durch ihre Tätigkeit als Stadtführerin. Seit Mitte der 80er Jahre bis 2013 führte sie Besucher durch die Prunkräume, den Archäologischen Park Cambodunum und das Museum im Kornhaus.

Durch die Arbeit bei den AÜW konnte die Familie zunächst eine Wohnung in der Klosterstraße in Lenzfried mieten und später eine Dienstwohnung am Schumacherring, wo sie bis zum Umzug in das betreute Wohnen geblieben sind.

Drei Dinge gehören laut den Holzapfels zum Rezept einer Ehe, die 65 Jahre halten kann. Toleranz, Durchhaltevermögen und Glück. „Bei zwei verschiedenen Menschen gibt es immer zwei verschiedene Meinungen“, sagt der Jubilar, „da muss dann mal der eine nachgeben, mal der andere.“ Und seine Frau ist überzeugt, dass es mit dem festen Willen funktionieren kann. Mit Glück meinen die beiden, die Stromunfälle von Johann Holzapfel oder seine lange Heimfahrt von der Kriegsgefangenschaft auf einem Zugdach.

Heute geht es bei den Holzapfels beschaulicher zu. Gerne liest Melanie ihrem Mann, der fast nichts mehr sehen kann, aus der Zeitung vor. Nächstes Jahr wollen die beiden vielleicht noch einmal zu einer Reise aufbrechen, auf eine Flusskreuzfahrt oder bei den Thermen in Abano und Montegrotto „etwas für die Gesundheit tun“, wie Melanie Holzapfel sagt.

Susanne Kustermann

Auch interessant

Meistgelesen

Sportausschuss stellt Förderung für lang ersehnte Schnitzelgrube in Aussicht
Sportausschuss stellt Förderung für lang ersehnte Schnitzelgrube in Aussicht
Platz zwei beim Internationalen Immenstädter Schwimmfest
Platz zwei beim Internationalen Immenstädter Schwimmfest
Eschacher Loipe wird wieder durchgehend präpariert
Eschacher Loipe wird wieder durchgehend präpariert
Stadtarchivar Dr. Böck hält Vortrag "1818-2018 – 200 Jahre Kempten"
Stadtarchivar Dr. Böck hält Vortrag "1818-2018 – 200 Jahre Kempten"

Kommentare