Stadtbäume bedeuten Lebensqualität 

Lieblingsbäume von Kemptenern und mehr – eine Ausstellung in der Stadtbibliothek 

Freuen sich, dass die Ausstellung „Kemptener Lieblingsbäume im Lesesaal der Kemptener Stadtbibliothek möglich ist: (v.li.) Gesine Weiß (FLKE)), Andrea Graf (Leiterin Stadtbibliothek), Julia Weh- nert (BUND Naturschutz), OB Thomas Kiechle und Gerti Epple (Umweltbeauftragte des Stadtrates).
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Freuen sich, dass die Ausstellung „Kemptener Lieblingsbäume im Lesesaal der Kemptener Stadtbibliothek möglich ist: (v.li.) Gesine Weiß (FLKE)), Andrea Graf (Leiterin Stadtbibliothek), Julia Wehnert (BUND Naturschutz), OB Thomas Kiechle und Gerti Epple (Umweltbeauftragte des Stadtrates).

Kempten – Wann waren Sie zuletzt in einer Ausstellung? Wer nicht das megakurze Zeitfenster zwischen Lockdown II und III erwischt hat, kann jetzt in den Genuss eines Ausstellungsbesuches kommen. Im Lesesaal der Stadtbibliothek präsentieren der Freundeskreis für ein lebenswertes Kempten (FLKE) und der BUND Naturschutz in Bayern e.V. für Baumfreunde und solche die es werden wollen noch bis 10. Juni „Kemptener Lieblingsbäume“. 

Start für die Suche nach den Lieblingsbäumen der Kemptener war bereits im Juni vergangenen Jahres. Woche für Woche hat der
Kreisbote seither jeweils einen der inzwischen 60 eingesandten Bäume vorgestellt. Nun ist eine Auswahl von 40 Lieblingsbäumen aus dem Stadtgebiet gebündelt zu sehen, ergänzt durch Roll-ups einer Wanderausstellung des BUND zum Thema Stadtbäume.

Klicken Sie sich hier durch die bislang veröffentlichten „Lieblingsbäume“

Andrea Graf, Leiterin der Stadtbibliothek, freute sich bei der offiziellen Eröffnung in kleinstem Kreis sichtlich darüber, dass die Ausstellung möglich ist, wenngleich „in anderem Rahmen als ursprünglich geplant“.

„Wir schützen, was wir lieben und lieben, was wir kennen“, sagte Gesine Weiß vom FLKE. Dass sich das eigentlich aus einer Bürgerinitiative hervorgegangene Projekt „so ausweitet“, hätte sie zu Beginn nicht gedacht. 60 Einsendungen seien ein Zeichen der Verbundenheit der Menschen zu Bäumen.

Laut Julia Wehner, Geschäftsführerin BUND-Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu, hat der BUND schon vor einigen Jahren ein großes Projekt rund um das Thema Stadtbäume initiiert. „Stadtbäume sind einfach wunderschön anzuschauen, stadtbildprägend“ und die Grünflächen, die uns am meisten helfen, mit dem Klimawandel klarzukommen, erklärte sie auch, warum es „so wichtig ist, gerade die alten zu schützen“: Eine 100 Jahre alte Buche sei ca. 20 Meter hoch, mit einem Kronendurchmesser von etwa zwölf Metern und 160 Quadratmetern Standfläche mit Wurzeln. Mit ihren 1500 Quadratmetern Blattfläche für den Gasaustausch binde sie an einem Sonnentag rund 18 Kilogramm CO2, bilde 13 Kilogramm Sauer- stoff und befeuchte die Luft mit 400 Litern Wasser. Werde ein solcher Baum gefällt, „müsste man dafür 2000 Jungbäume pflanzen“, wenn man einen 1:1-Ersatz wolle. Neben Kosten von ca. 100.000 Euro benötige man dafür eine Fläche von 5000 Quadratmetern. Wehnert erinnerte daran, dass Bäume nicht nur Feinstaub-Filter, sondern auch Schattenspender sind, das Klima durch Verdunstung kühlen und einiges mehr. „Sie sind nicht so leicht ersetzbar“, wies sie darauf hin, dass zum Beispiel an der Residenz „schöne Bäume“ stünden, aber keine Nachpflanzungen, die sie einmal ersetzen könnten.

Gertrud Epple, Beauftragte des Stadtrats für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz, fand es wichtig, „dass die Leute um die vielen kleinen Faktoren wissen“, die hier zusammenspielen. Von oben betrachtet sei Kempten zwar „im Moment tatsächlich eine grüne Stadt“. Aber in der Kernstadt sei „viel graue Fläche“. Die Menschen verbrächten heutzutage rund 80 Prozent der Zeit in geschlossenen Räumen, ohne energiespendendes Grün. Energie erhalte man zum Beispiel „wenn wir uns unter einen Baum setzen“, auch wirke Grün entspannend. Deshalb begrüßte sie ausdrücklich, dass endlich die Baumschutzverordnung im Stadtrat beschlossen worden sei und „auch die Bürger Verantwortung übernehmen“. Für die Bewusstseinsbildung brauche es „ein großes Netzwerk“, befand Epple die Stadtbibliothek als bestens geeigneten Ort für die Ausstellung. Bäume seien das, was „Wohlgefühl in einer Stadt erzeugt“.

OB Thomas Kiechle wies darauf hin, dass Lieblingsbäume Auslöser für Emotionen seien und sie neben ihrer Bedeutung für die Natur auch aus politischer Sicht für die Stadt immer wichtig gewesen seien. Insgesamt stelle er fest, dass die Bürgerschaft „sehr verantwortungsvoll“ mit dem Thema umgehe.

Programm und Mitmachangebote

Wer mag, kann ihren/seinen Lieblingsbaum auf Instagram posten unter #lieblingsbaumkempten oder auf die Website des FLKE stellen, unter www.freundeskreis-fuer-ein-lebenswertes-kempten.de.

Bei der (jederzeit möglichen) digital unterstützten Schnitzeljagd „Actionbound“ zeigt Krähe Kora ihre Lieblingsbäume im Stadtzentrum. Den Bürgermeister spricht übrigens OB Thomas Kiechle höchstpersönlich. Benötigt werden lediglich ein Smartphone und die kostenlose „Actionbound“-App. Konzipiert wurde der „Actionbound“ vom FLKE im Rahmen des Projekts „Nature Writing“ in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek.

Am 11. Mai findet von 20 bis 21.30 Uhr ein virtuelles „Wipfeltreffen“ mit einer Expertenrunde zum Thema „Stadtbäume“ statt. Anmeldungen für die ca. zwei- stündige ZOOM-Veranstaltung sind noch bis, Samstag, 8. Mai, möglich unter E-Mail: flke@ posteo.de. Ein Zugangslink wird dann zugeschickt.

Christine Tröger

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