Tradition wird gepflegt

Die Tradition ist hemdsärmelig

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Beim traditionelles Brennteressen finden Lindenberger und Scheidegger Bürgervertreter und Amtsleiter zusammen.

Lindenberg/Scheidegg – Wenn sich der Lindenberger Stadtrat und der Scheidegger Gemeinderat sowie die Amts- leiter beider Orte zum jährlichen Brennteressen treffen, geht das tief in die geschichtlichen Gepflogenheiten.

So wurde auch früher in Familien und bäuerlichen Gesindestuben getafelt. Im Eller- hof der Scheidegger Gemeinderätin Hermine (Eller) kommen dampfende Pfannen mit Brennter, garniert mit Bratkartoffeln auf den Tisch. Nur mit Löffeln bewaffnet machen sich Bürgervertreter zu viert und zu fünft über eine Pfanne her. Bleibt eine Pfanne halb voll und haben die am Nebentisch noch Hunger, dann wandert die Pfanne zum gemeinsamen Schmaus weiter. Dass es Leckermäuler in der Runde gibt, blieb nicht verborgen. „Hermine, wäre es möglich, dass Du mit dem Fleisch anfängst“, fragte Ludwig Gehring mit Unschuldsmiene beim Auftischen. 

Auch andere wie der Scheidegger Karlheinz Schorer schwärmten von Braten. Als Bewohner des Lindenberger Brennterwinkels würden sich solche Räte nicht eignen. Private Treffen von zwei Ratsgremien gibt es weitum kaum. Bei wichtigen nachbarschaftlichen Themen (Wasserschutz, Liebherr-Erweiterung, Gewerbegebiet Hauser-Wiesen, Tourismus) gibt es bisweilen gemeinsame Sitzungen von Lindenberg und Scheidegg. Beim Brennteressen hingegen kann man sich menschlich besser kennenlernen. Doch Pech: meist sitzen die Räte wieder nur gemeindesepariert an ihren Tischen. Das Erfrischende am Brennteressen ist die ausgelassene Stimmung. 

Was sich liebt, das neckt sich. Den Neckereien nach müssen sich die Bürgervertreter diesseits und jenseits des Wasenmooses heiß und innig lieben. Gleich zu Anfang des Abends gab es ein Gefrotzel, weil die Lindenberger nicht nur ein akademisches Viertel, sondern gleich zwei, nämlich eine halbe Stunde zu spät dran waren. Der Lindenberger Bauausschuss hatte seine Sitzung zeitlich überzogen, und ein Stadtrat erklärte beim Eintreten entschuldigend: „Ich hoffe, ihr seid nicht massig. Wir haben ein paar, die ins Schwätzen kommen.“ 

Kurze Ansprachen 

Nachdem Hermine beim Servieren unterwegs war, bewährten sich die Lindenberger Stadträtinnen als Quotenfrauen. An jedem der drei Tische war ein Gruppenbild mit Dame zu fotografieren. Als die Mägen gesättigt waren, gab es kurze Ansprachen. „Zuerst der Platzhirsch“, ulkte Lindenbergs Bürgermeister Johann Zeh und ließ dem Oberhaupt der Marktgemeinde, Ulrich Pfanner, den Vortritt. Der verwies auf zahlreiche Verknüpfungspunkte und dass man trotz mancher Meinungsverschiedenheit – dank Brennter – gut miteinander zurecht komme. Zeh wiederum hob die große Übereinstimmung bei gemeinsamen Beschlussfassungen bei interkommunalen Ratssitzungen wie auch im Zweckverband Hauser-Wiesen hervor. „Wenn Hauser-Wiesen endlich etwas abwirft, können wir uns auch mal Zwiebelrostbraten leisten“, lautete ein Zwischenruf. Kommentar: Im Sinne der guten Stimmung sollte es stets beim Brennter bleiben.

cut

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