Wege zum gelingenden Leben 

Lions Club Allgäu startet Vortragsreihe mit Prof. Judith Glück über die Weisheit

Die bekannte österreichische Psychologin Prof. Judith Glück ist
eine weltweit anerkannte Expertin auf dem Gebiet der Weisheitsforschung. Hier zeigt sie sich mit einer Eule, die seit der Antike
als Symbol der Weisheit gilt.
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Die bekannte österreichische Psychologin Prof. Judith Glück ist eine weltweit anerkannte Expertin auf dem Gebiet der Weisheitsforschung. Hier zeigt sie sich mit einer Eule, die seit der Antike als Symbol der Weisheit gilt.

Kempten – Die Corona-Pandemie hat in den vergangenen Monaten vieles verunmöglicht, das Bedürfnis nach einem gemeinsamen Erleben von Kultur und Wissenschaft aber ist vielen geblieben. Für den Lions Club Allgäu ist es eine liebgewonnene Tradition, Mitgliedern und Freunden des Service-Clubs Dozenten von Rang mit hochwertigen Vorträgen vorzustellen wenngleich heuer nur online.

Clubpräsident Prof. Dr. Laszlo Füzesi freut sich besonders über drei Vorträge in diesem Frühsommer. Start war vergangene Woche mit der Psychologin Prof. Judith Glück, die den Begriff „Weisheit“ auf anschauliche Weise erläutert. Es war eine gelungene digitale Premiere, zu der sich rund 100 Teilnehmer zuschalteten. Judith Glück, 1969 in München geboren, ist eine österreichische Psychologin und Weisheitsforscherin. Seit 2007 ist sie Lehrstuhlinhaberin für Entwicklungspsychologie an der Universität Klagenfurt. Aktuell amtiert sie als Präsidentin der österreichischen Gesellschaft für Psychologie. 2016 erschien ihr Buch „Weisheit – die 5 Prinzipien des gelingenden Lebens“ im Kösel Verlag. Darin beschäftigt sich die Weisheitsforscherin Glück mit der Frage, was wir als Weisheit, respektive als weises Handeln, betrachten. Was ist Weisheit genau und fällt sie jedermann zu wie eine Gabe oder beruht sie auf Fähigkeiten, die sich sogar erlernen lassen? Diese Fragestellungen standen im Fokus ihres Online-Referats.

Was ist Weisheit?

Judith Glück projiziert Begriffe, die wir mit Weisheit verbinden: Gelassenheit, Erfahrung, Wissen, Lebenserfahrung, Besonnenheit, Empathie. Sie sind wichtigsten Attribute, die Menschen nennen, wenn man sie nach Quellen der Weisheit befragt. Was aber meint der Mensch mit Weisheit? Wenn wir Menschen mit dem Adjektiv „weise“ adeln, setzen wir bei dieser Person einen weiten geistigen Horizont, tiefgehende Menschenkenntnis und die Fähigkeit zur Empathie voraus. Die Weisheit dient dem Menschen im Idealfall als moralischer Kompass. Diese Erkenntnis mündet zusammengefasst in den Gebetsspruch des amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Prof. Glück sieht für das „Weise werden“ eines Menschen die folgenden „kognitiven“ Komponenten als Voraussetzung: Erfahrung, Wissen, Klugheit, Intelligenz und Reflektion. Bei den erforderlichen „nichtkognitiven“ Komponenten nennt die Psychologin Begriffe wie Gelassenheit, Respekt, Offenheit, Mitgefühl, Emotionsregulation (Kontrolle der eigenen Gefühle) und Moralkompass.

Die fünf Prinzipien

Die österreichische Weisheitsforscherin bricht am Abend die Möglichkeit zur Entstehung von Weisheit auf fünf menschliche Fähigkeiten herunter, ohne die eine wirkliche Reifung des Menschen hin zur Weisheit nicht möglich ist. Es braucht Offenheit, die Fähigkeit anderen zuzuhören, von anderen zu lernen, um überhaupt Neues zu erleben. Ebenso wichtig ist Reflektion, die Fähigkeit über Erfahrungen nachzudenken und sich gegebenenfalls selbst zu hinterfragen. Zudem sollte ein weiser Mensch in der Lage sein, die eigenen Gefühle wahr- und ernstzunehmen, diese aber kontrollieren können. Einfühlungsvermögen, die Fähigkeit mit anderen mitzufühlen und mitdenken zu können, ist die vierte Voraussetzung für Weisheit. Nicht zuletzt sollte der, der zu mehr Weisheit gelangen möchte, die Grenzen des eigenen Wissens und Könnens akzeptieren, ganz im Sinne des Philosophen Sokrates: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Im Anschluss an das Referart von Prof. Judith Glück, das mit viel Lob bedacht wurde, konnten die Gäste des Abends Fragen an die Weisheitsforscherein stellen.

Jörg Spielberg

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