"Geistlich-politische" Themen

Ausklang des APC-Sommers 2014

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Viel Stoff zum Nachdenken, aber auch heitere Momente servierte Heribert Prantl bei seiner Lesung.

Kempten – „Eine Gesellschaft braucht das Miteinander, sonst ist sie ein Egoisten-Konglomerat.“ Zu hören war dieser Satz nicht etwa als Teil einer politischen Motivationsrede.

Es war der unter anderem Buchautor Heribert Prantl, der die letzte Veranstaltung des APC-Sommers 2014 mit pointiert-humorvollen bis gedankenschweren, am Ende aber immer mahnenden Worten füllte.

Teil eins widmete er den „geistlich-politischen“ Themen, für Teil zwei kündigte er einen „aggressiveren“ Themenblock mit „weltlich-politischem“ Inhalt an. Aber erst einmal zeigte er sich begeistert vom „spektakulärsten Raum, in dem ich je aufgetreten bin“. Dass er die knapp 200 Zuhörer in den Kleinen Thermen kaum sehen konnte, machte ihm dabei nichts aus. Denn das sei wie bei der Zeitung, wo man die Leser für die man Artikel schreibe, auch nicht sehe. Das Publikum jedenfalls sah den Rezitator des Abends, der 1988 vom Amt eines Richters und Staatsanwalts zur Süddeutschen Zeitung gewechselt hatte, wo er heute Mitglied der Chefredaktion und Leiter des Ressorts Innenpolitik ist. Und es folgte gebannt den treffsicheren Worten Prantls, der mit zahlreichen Preisen bedacht wurde und inzwischen über 20 Bücher geschrieben hat. Die Weihnachtsgeschichte betrachtete er im Licht von Zahlen – also ganz zeitgemäß in einer Welt der Rendite, Profite & Co., in der selbst die Menschlichkeit in Zahlen erfasst werde, zum Beispiel bei Pflegediensten: „Waschen, Füttern, Windeln wechseln“ nach Zeiteinheiten. „Der Mensch wird dem Geld immer ähnlicher“, sinnierte Prantl, aber „das Leben wird nicht in Zahlen erfasst“, sondern es bestehe aus Geschichten.

Nicht der überall um sich greifende Jugendwahn beschäftigte ihn, es war das Alter, das er ungeschminkt in den Mittelpunkt stellte. „Ein System, das nicht in der Lage ist, sich um die ganz alten Menschen zu kümmern, ist selbst dement“, betonte er. Die „grausigen zustände“ in Pflegeheimen sind für ihn wie „Werbeplakate für die Sterbehilfe“. Seine Vision: „Herbstmenschen“, die „Wintermenschen“ so pflegen, wie sie selbst gepflegt werden wollen. Auch beschäftigte er sich mit Fragen wie: „Ist die Auferstehung des Fleisches das ewige Leben?“ Prantls Plädoyer für die Legalisierung von Selbstmord beziehungsweise das Selbstbestimmungsrecht über das eigene Leben und Sterben waren ebenfalls Teil der nicht gerade leichten Kost bis zur Pause. Da waren die – zwar auch aber nicht nur melancholischen – Klänge, mit der die Band „n.e.t.t.o.“ den musikalischen Part gestaltete – willkommene Erholung für die arbeitenden Gedanken.

Der zweite Teil wurde dann etwas leichter verdaulich. Zum Beispiel beim Thema Demokratie, die nicht gut funktioniere, wenn immer mehr Leute sich ausklinken, sondern nur dann, „wenn Politiker mit denen im Gespräch bleiben, die sie gewählt haben“. Oder Prantls Thesen zur Sozialpolitik, durch die der Staat als „Schicksals-Korrektor“ wirke. Denn eins stand für ihn fest: „Das Leben beginnt ungerecht, endet ungerecht und dazwischen ist es nicht viel besser.“ Ein fordernder, anspruchsvoller und auch heiterer Abend, umrahmt mit schöner Musik.

Christine Tröger

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