Ausstellung in Isny

"Innehalten" im Diebsturm

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Alexander Nelles-Ehrmann überzeugt bei seinen Auftritten wie hier zu Füßen des Diebsturms am oberen Graben.

Isny – Dr. Till Bastian, Inge Gerlach-Grube und Hedy Hahn haben sich in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Thema Zeit auseinandergesetzt und sich bemüht, Auswege sichtbar zu machen und neue Wege in unserer Gegenwartsgesellschaft aufzuzeigen.

Derzeit präsentieren sie ihr Gemeinschaftsprojekt im Rahmen einer Ausstellung mit dem Namen „Innehalten – Eine Annäherung“ im Diebsturm. Dass Till Bastian als wortgewaltiger Literat einen gewissen Vorsprung bekommt, weil man zu seinen Texten eher Zugang hat als zu den Installationen von der Keramik-Designerin Inge Gerlach-Grube und der Bildhauerin Hedy Hahn, liegt in der Sache selbst begründet. Da war es bei der Ausstellungseröffnung durchaus hilfreich, dass die Künstlerinnen bereit waren mit den Gästen der Vernissage durch die Räume zu gehen und Erklärungen dazu abzugeben. Weitere Gespräche haben alle drei noch einmal angeboten. Am kommenden Sonntag, 18. August, um 15 Uhr und am Samstag, 24. August, werden sie im Rahmen der Kultur- und Museumsnacht nochmals für Erläuterungen zur Verfügung stehen. Die zunehmende Beschleunigung in unserer Gesellschaft kann nach Meinung der Aussteller durchaus zum Ruin unserer Lebensgrundlage führen, wenn wir weiter wie ein Hamster in seinem Rad vorwärts hasten, ohne vorwärts zu kommen. 

Einen der möglichen Auswege aus dieser Misere hat Alexander Nelles-Ehrmann im Rahmen der Ausstellungseröffnung aufgezeigt: Tief Luft holen alleine nutzt noch nichts. Da müssen andere Faktoren mit hinein spielen. Seit gut 20 Jahren betreibt er experimentelle Klangperformances, benutzt dazu chinesische Gongs in verschiedenen Größen, hat sich mit den „Didgeridoos“ der australischen Ureinwohner beschäftigt und als weiteren Höhepunkt seines Vortrags ein „Han“ eingesetzt. Gewöhnungsbedürftig aber entschleunigend fühlt man sich zu seinen Tonexperimenten hingezogen und wenn man sich darauf einlässt, den Tonfolgen des Klangträumers genau zu lauschen, kann man tatsächlich ein Gefühl für Zeitlosigkeit bekommen. Eine weitere der „Anderswelten“ ist die darstellende Kunst und hierfür fühlen sich Inge Gerlach-Grube und Hedy Hahn bei dieser Ausstellung zuständig. Ihnen geht es ganz offensichtlich nicht um verkaufbare Objekte, sondern um Installationen mit Tiefgang. Innehalten soll man nach ihrer Meinung und sich mit den zugrunde liegenden Gedankengängen geduldig beschäftigen. Wenn man dabei auf Inhalte stößt die für das Leben wirklich wichtig sind, ist man nach ihrer Meinung deutlich einen Schritt weiter gekommen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 24. August und ist lediglich samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen gibt es am kommenden Sonntag, 18. August um 15 Uhr und am 24. August im Rahmen der Kultur- und Museumsnacht.

Manfred Schubert

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