Sensationelle Hilfe durch den Lokomat

Trotz Lähmung laufen

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Die an Multipler Sklerose erkrankte Kerstin Treusch-Erd ist mit ihren ersten Trainingsergebnissen auf dem Lokomat sehr zufrieden.

Für einen Querschnittsgelähmten grenzt es an eine Sensation, wenn er auf den eigenen Füßen steht und sogar laufen kann.

Möglich macht dies jetzte eine robotergestützte Ganorthese, die das Gangtraining auf dem Laufband automatisiert. „40 unserer 160 Schülerinnen und Schüler können auf dem Lokomat therapiert werden“, freut sich Reinhold Scharpf, Geschäftsführer des Vereines Körperbehinderte Allgäu, der das Gerät Ende Juli 2015 für 187.000 Euro gekauft hat. 

In Kooperation mit dem Kinder- und Jugendfacharzt für Neuropädiatrie Dr. med. Andreas Sprinz kommt der Lokomat im Astrid-Lindgren-Haus zum Einsatz. Scharpf betont dessen Einmaligkeit im Allgäu und erklärt stolz. „Dieser Lokomat ist einer von nur sieben Orthesen deutschlandweit, der sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen genutzt werden kann. Bis zur Fertigstellung unseres Viva Praxisneubaus in der Immenstädter Straße bleibt der Lokomat hier in der Schule stehen.“ Die computergestütze Orthese steigert das normale Laufbandtraining erheblich. Je nach individueller Leistungsfähigkeit des Patienten kann das Gerät die komplette Laufbewegung übernehmen. Sensoren sorgen für das perfekte Gangbild. „So können auch die Muskeln bewegt und trainiert werden, die bei einem normalen Laufbandtraining nicht beansprucht werden“, erklärt Dr. Sprinz. 

Die Therapie kommt hauptsächlich bei Querschnittsgelähmten oder Patienten mit Spastiken zum Einsatz. Die bei einer Spastik entstehende Eigenspannung der Skelettmuskulatur ist auf eine Schädigung des Gehirns oder des Rückenmarks zurückzuführen. „Wir therapieren hier im Haus überwiegend Kinder mit Zerebralparesen (Spastiken) und erste Ergebnisse und Rückmeldungen von den Eltern sind durchweg positiv“, freut sich Dr. Sprinz. „Man kann nach ein-maliger Nutzung sicher keine Blitzheilung erwarten, aber ich bin guter Dinge, dass sich der Lokomat etablieren wird und die Krankenkassen die Behandlungskosten übernehmen werden.“ 

Kerstin Treusch-Erd ist Ergotherapeutin, seit 22 Jahren an Multipler Sklerose erkrankt und seit 19 Jahren mit dem Rollstuhl mobil. Sie ist eine der Patientinnen, die den Lokomat zur Verbesserung der Gangfähigkeit nutzt und deren Ergebnisse für den Nachweis der positiven Wirkung des regelmäßigen Trainings und der gezielten Wirkung auf die Muskulatur und damit der Bewegungsfähigkeit dokumentiert werden. „Ich schaffe es, mit Gehhilfen ein paar Meter zu laufen“, erklärt sie. „Allerdings ist die Beweglichkeit immer tagesformabhängig. Mein Ziel ist es, ohne Gehhilfen einige Meter zu gehen.“ Schon nach den ersten Einheiten ist Kerstin Treusch-Erd guter Dinge: „Ich habe Muskeln gespürt, die ich sonst nie beansprucht habe und Familienangehörige konnten den Erfolg sogar schon sehen, da mein Gang sicherer und aufrechter war.“ Der Lokomat im Astrid-Lindgren-Haus darf nur von zertifizierten Therapeuten bedient werden. Der Verein Körperbehinderte Allgäu hat sieben Therapeuten geschult.  Sabine Meier

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