Lust auf "Immer mehr..."

Gegen so viele „Nashörner“ hat selbst der Standhafteste am Ende kaum eine Chance, wie die Theatergruppe des Carl-von-Linde-Gymnasiums zeigte. Fotos: Tröger

Fünf Tage lang leuchtende Augen: Auf der Bühne vor Lampenfieber und Konzentration; im Zuschauerraum die von mitfiebernden und hellauf begeisterten Schulkameraden und Angehörigen der Jungdarsteller. Auch bei den zweiten Schultheatertagen, eine Kooperation von TIK und Amt für Jugendarbeit der Stadt Kempten, brillierten Schülerinnen und Schüler der insgesamt 14 teilnehmenden Kemptener und Allgäuer Grundschulen bis Gymnasien und Gruppen vergangene Woche unter dem Motto „Immer mehr...“ auf den Bühnen des TIK.

Vielversprechend weckten schon die beiden Aufführungen zum Auftakt Neugierde auf das, was folgen sollte – stellvertretend für die vielen hochengagierten Nachwuchstalente können leider nur einige herausgegriffen werden. Schauspiel, Tanz und Gesang präsentierte die Agnes-Wyssach-Schule in einer spannenden Szenen-Collage zum Start der Schultheatertage und stellte darin die Frage „Was geht?“. Von Liebe und Sex, von Mode- und Schönheitsdiktat, Gruppenzwang, Meinungsmache, Zeitdiktat oder auch dem Dasein als Außenseiter, brachten sie in dem selbst erarbeiteten Stück auf die Bühne, was ihre Lebenswelten prägt. „Chapeau“ für die ausdrucksstarke Leistung der Nachwuchskünstler, in bühnenreife Form gebracht von Beate Schmid, Hilde Stadelmann, Daniela Stricker und Thomas Jorzig. Unter „Immer mehr...Wahnsinn!“ erlebten die Zuschauer nach der Pause durch und durch absurdes Theater mit dem Klassiker „Die Nashörner“, von Eugène Ionesco. Ein schwieriges Stück, das sich die Theatergruppe der 11. Jahrgangsstufe des Carl-von-Linde-Gymnasiums unter Leitung von Dirk Brunschweiger vorgenommen hatte – und souverän meisterte. Nach und nach mutieren die Bewohner einer Stadt zu unsensiblen Nashörnern und finden es prima – bis auf ei- nen. Was und wer ist normal? Temporeich und spannend bis zum Ende. Mit einer absolut charmanten Aufführung wurden Zuschauer belohnt, die das TIK am Mittwochvormittag besuchten: In dem tierischen Mini-Musical in Reimen, „Das Schneckenhaus“, zeigten die Schülerinnen und Schüler der Volksschule Haldenwang, wie man zu „Immer mehr...Zufriedenheit!“ gelangen kann. Unglücklich darüber, ihr Haus mit sich herumschleppen zu müssen, befragt die Schnecke andere Tiere nach deren Behausungen. Dass so ein tragbares Schutz-Haus aber auch Vorteile hat, merkt sie unter anderem als ein Vogel sie verspeisen möchte. Das Lampenfieber in den Augen, agierten, sangen, tanzten und musizierten die kleinen Bühnentalente – unter Leitung von auch Schirmherrin Heidi Netzer, Marietta Blind und der Theaterpädagogin Gabi Scheidl – als Blumen, Mäuse, Hasen, als Vögel oder still und beobachtend als Bäume was das Zeug hielt – fabelhaft. Die halbstündige Darbietung war auf alle Fälle zu kurz, um die fantasievollen, liebevoll-kreativen Kostüme erfassen zu können, die sowohl der Vegetation als auch deren Bewohnern Glanz spendeten. Ganz anders „Die Sache mit der Socke“, ein Theater mit Masken und, statt Worten, mit untermalender Live-Musik der Sekundaria-Theatergruppe der Montessori Schule Kempten. Die Socke als Symbol dafür, wie ein ursprünglicher von einer Minderheit favorisierter „Stein des Anstoßes“, zum Kultobjekt avanciert, das jeder haben will und muss. Unter der Leitung von Axel Krüger hatten die Darsteller das Stück selbst entwickelt und eine feinsinnige Geschichte in Bildern geschaffen. Skurriler Theaterspaß Mit „Fawlty Towers“ brachte die „Hilde Drama Group“ des Kemptener Hildegardis-Gymnasiums (Leitung Georg Tannheimer) diesmal einen skurrilen Theaterspaß rund um Menschen im Hotel, voller deftig-schwarzen, britischen Humors auf die Bühne. Unter den durchweg imponierenden „ac-tors“ heimste „Kellner Manuel aus Barcelona“ den verdientermaßen dicksten Applaus ein. „Immer mehr...Zusammenrücken“ stand über dem Stück „Der Revisor“, frei nach Nicolai Gogol, das vom Astrid-Lindgren-Haus und dem Allgäu-Gymnasium aufgeführt wurde. Jürgen Böhm, Udo Guggenberger und Thomas Kiemle lassen darin Menschen mit und ohne Behinderung „zusammenrücken“ und dabei eine heitere Inszenierung entstehen, in der einmal mehr deutlich wurde, dass man Gerüchte lieber hinterfragen sollte. Gut kam auch das begleitende Mitmach-Kunstprojekt an, in dem Jeder eine Papierblume falten und im wachsend fröhlich-bunten „Theatergarten“ im Foyer „pflanzen“ konnte.

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