Die Lust an der Stadtplatzzerteilung

Oben wird der Brunnen zur Seite gerückt, der untere Platz wird durch Zubauten verschlankt: 1. Preis für Maucher&Höß. Foto: cut

Der Gestaltungswettbewerb für den Stadtplatz und den angrenzenden Bereich der Hauptstraße ist entschieden. Alle drei Preisträger wollen den weitläufigen Stadtplatz besser fassen, indem sie neue Gebäude dort dazu bauen: hier ein Stadthotel, dort ein Bistro, da eine Erweiterung eines bestehenden Gebäudes, um einen Seniorentreff unterzubringen.

Allerdings sind das keine fertigen Ideen und auch keine Architekturpläne, wie Stadtplaner Georg Zimmer aus Leutkirch, der Sprecher des Preisgerichts, betonte. Es handelt sich um Ideen für die Freiflächengestaltung von Stadtplatz und Hauptstraße, auf die man wohl sonst nicht gekommen wäre, ferner um verbesserte Anbindung des Rathauses, Vorschläge zur stärkeren Belebung des Stadtplatzes, Ideen zur Parkierung und zur Verkehrsführung in der Hauptstraße. Den ersten Preis erhielten die Architekten von Maucher&Höß aus Kempten. Ihre verwegene Idee ist, dass sie den Stadtplatzbrunnen abbauen und in einer geometrischen Parkanlage südlich von „Buch Netzer” platzieren. So kann ein rechteckiger Stadtplatz in hubbelfreiem Belag entstehen, der ohne bauliche Zwangspunkte vielfältig für Feste und Märkte verwendbar ist. Den Eingang des Rathauses verlegen sie in die Mitte (jetziges Einwohnermeldeamt). Dadurch kann der verwinkelte Bereich des heutigen Eingangs mit den an die Mauern gedrückten schmalen Treppen zu einem ebenerdigen Bereich werden. Von der Sedanstraße führt eine breite Freitreppe auf den Platz. Stadtbaumeister Kurt Kirschenmann hebt hervor, dass dieser Entwurf für die unattraktiven östlichen Platzbereiche gute Vorschläge macht. Dort wo jetzt Pergola, Trafostation und Garagen sind, entsteht ein Baumgarten mit Sitzgelegenheiten, der durch ein Bistro mit Bestuhlung im Freien und Bücherei im Haus Hauptstraße 66 (ehemals Schleckermarkt) neue Aufenthaltsqualitäten erhält. Außerdem verschlanken Maucher&Höß den unteren Stadtplatz durch den Neubau von zwei Gebäuden für Wohnen und Dienstleistung. Allerdings wird dadurch das Café Jacobi vom Stadtplatz abgedrängt. Mit dem 2. Preis wurde ein Konzept (von SEP Baur & Deby, München) gewürdigt, das durch möglichst wenig Eingriffe und konsequenten Erhalt des Bestandes die Kosten minimiert. Auch hier wird das Rathaus durch einen neuen Mitteleingang betreten. Dafür kann der Bereich an der Sedanstraße als Galerie mit Sitzbänken und Treppenanlage in den Platz vorgebaut werden. Das Gebäude Hauptstraße 66 wird zur Stadtbücherei. Es wird als Haus erhalten, aber zur Hauptstraße hin mit turmartigen Geschossen erhöht, um durch ein architektonisches Zeichen dem zentralen Platz mehr Prägnanz zu geben. Auf der Nordseite von Haus 66 entsteht durch einen Anbau Raum für weitere öffentliche Nutzung, etwa ein Seniorenzentrum. Der Versatz von oberem zu unterem Stadtplatz bietet Sitzgelegenheit an länglichen Wasserbecken. Der Bereich südlich von Buch Netzer wird zum Festplatz mit Sonnendach; dieser wettergeschützte Bereich ist wahlweise als Podium oder für Tische und Bänke nutzbar. Stadthotel zur Belebung Zentrale Idee des drittplatzierten Konzepts (F64 aus Kempten) ist der Neubau eines Stadthotels im Bereich des Maibaumstandorts. Durch ein Hotel sei auch außerhalb der Ladenzeiten für Belebung auf dem Platz gesorgt, so Architekt Thomas Meusburger. Weil öffentliches WC und Trafostation dort ebenfalls integriert werden, wird die bislang unschöne Nordostseite des Platzes frei für Begrünung und Bänke. Auch bei den nicht prämierten Entwürfen gibt es bemerkenswerte Ideen. Das Linden- berger Architektenehepaar Baldauf (Mayr-Baldauf/Baumschlager-Hutter) verlegt die Parkplätze mit Ein- und Ausfahrt zur Sedanstraße auf die Nordostseite des Stadtplatzes. Dadurch lassen sich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die untere Hauptstraße wird von Durchgangs- oder Parksuchverkehr entlastet und es entsteht ein größerer unterer Stadtplatz, der die Hauptstraße (als Fahrstreifen) einbezieht und durch die neue Stadtbücherei (im Haus Hauptstraße 66) Impulse erhält. Dieser geräumige Platz kann zu einem Fest- und Marktplatz werden, der Anbindung zu den Geschäften hat. Der obere Stadtplatz mit dem Brunnen als Mitte, wird kleiner, intimer, überschaubarer. Er ist von den Parkplätzen durch Rosenkolonnaden abgetrennt. Ein Pavillon am Höhenversatz zwischen oberem und unterem Platz kann als natürliche Bühne wahlweise für kleine Feste auf dem oberen Platz und größere Feste auf dem unteren Platz dienen. Die Wasserspiele mit Fontänen auf dem unteren Stadtplatz können bei Märkten und Festen abgeschaltet werden, so dass eine ebenerdig nutzbare Fläche entsteht. Die freie Planungsgruppe 7 aus Stuttgart reißt das Haus Hauptstraße 66 ab und errichtet eine neue Bücherei als quadratischer Zentralbau mitten auf dem unteren Stadtplatz mit Stellplatzreihen südseitig und ostseitig an der neuen Bücherei. Auf der Nordseite des Café Jacobi wird ein großzügiger Durchgang zur Goethestraße geschaffen. Mit Café-Erweiterung, Kaffeehaustischen im Freien und einem bassinartigen Brunnen entsteht anstelle des Jacobi-Gartens ein städtischer Raum von hoher Erlebnisqualität. Die Gebäude auf der künftigen Ostseite des Stadtplatzes (Patscheider-Haus, Haus Sanitär Broghammer) öffnen sich durch Ladenerweiterungen zur Platzseite hin und sorgen für eine Belebung des Stadtplatzes durch neue Einkaufsmöglichkeiten.

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