Villa könnte zum Kindergarten werden

Lusthaus, Villa, dann Tagespflege: Bald toben Kinder in der Chapuis-Villa

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In die historische Chapuis-Villa an der Iller zieht wahrscheinlich wieder Leben ein. Der Jugendhilfeausschuss hat den Bedarf von 75 Kindergartenplätzen in dem Gebäude anerkannt.

Kempten – Von „enormem Druck“ bei der Schaffung von Plätzen in Kindergärten und Kindertagesstätten sprach beim vergangenen Jugendhilfeausschuss der Referent für Jugend, Schule und Soziales Thomas Baier-Regnery. Auf der Tagesordnung stand die Einrichtung eines Kindergartens in der Chapuis-Villa. Mit großer Einigkeit wurde schließlich der Bedarf von bis zu 75 Plätzen in dem historischen Gebäude anerkannt. Noch offen ist, wie der Bring- und Abholverkehr durch die Eltern möglichst verkehrsarm gelöst werden kann.

„Wir sind in unserer Fraktion dem Nicht-Verkauf der Chapuis-Villa skeptisch gegenüber gestanden“, sagte Dr. Dr. Robert Wiedenmann (FW/ÜP), „aber bei diesem Bedarf muss man einfach zustimmen.“ Im Liegenschaftsausschuss war kürzlich darüber diskutiert worden, das städtische Gebäude an einen Investor zu veräußern (der Kreisbote berichtete). Die Idee, dort einen Kindergarten einzurichten, hatte dann aber die Mehrheit erzielt.

Trotz der bereits rund 100 neu eingerichteten Plätze und der beschlossenen Investitionen von rund 25 Millionen Euro bis 2022 hinkt die Stadt Kempten dem Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder hinterher. Im Einzugsgebiet der Chapuis-Villa fehlen im kommenden Kindergartenjahr 144 Plätze, zwei Jahre später sogar an die 200 Kindergarten-Plätze. Die Wartelisten seien lang und die Anfragen von Gastkindern aus dem Umland zahlreich. Von besonderer Brisanz ist die Knappheit von Betreuungsplätzen für die Stadt, weil sie Schadensersatz leisten muss, wenn die Eltern ihre Kinder in der Stadt nicht betreuen lassen können.

Die Kostenschätzung für den schnellstmöglichen Minimal-Umbau der Chapuis-Villa von rund 550.000 Euro hält der Referent für Jugend, Schule und Soziales Thomas Baier-Regnery für realistisch, wie er auf Nachfrage von Harald Platz von der CSU erklärte. „Das Gebäude ist bereits ein Sonderbau und verfügt über einen Aufzug und eine Brandschutzanalyse“, sagte er. Seit den 1990er-Jahren ist in dem einstigen Lusthaus Nachsorge für Schädel-Hirn-Verletzte betrieben worden. Ein Rettungsweg aus dem zweiten Stock, die Kindergarten-Einrichtung und Spielgeräte im Garten fehlen noch. Aus dem Sonderinvestitionsprogramm könne die Stadt gegebenenfalls 90 Prozent der Kosten erstattet bekommen (siehe auch Artikel unten).

Auch müssten Brandschutzbehörde und Denkmalamt der Umnutzung zustimmen. Weil das Gartengelände von strategischer Bedeutung ist für die Anbindung des Archäologischen Park Cambodunum an die Innenstadt, prüft das Kulturamt wie ein Kindergarten in der Villa mit diesem Ziel vereinbar ist.

Während Regina Liebhaber (SPD) es als einen Glücksfall und als Beispiel für andere Projekte sieht, dass die Stadt das Gebäude behalten hat, muss für Helmut Berchtold von der CSU unbedingt sichergestellt sein, dass es an der starkbefahrenen Füssener Straße „keine Elterntaxis gibt. Wer sich bewirbt, muss zu Fuß kommen“, forderte er. Wiedenmann sprach sogar von einem möglichen Shuttle- oder Busservice. Zwar könne man davon ausgehen, dass viele Eltern ihre Kinder zu Fuß bringen, einzelne Fahrten könne man aber nicht verhindern, glaubt Baier-Regnery. Er kann sich vorstellen, das Areal mit der Mauer zur Füssener Straße für eine weitere Zufahrt zu öffnen, „aber das ist alles noch in Planung“.

Die Bedenken von Klaus Klarer von der KJF Kinder- und Jugendhilfe Kempten-Oberallgäu, „ am Ende schöne Kindergartenplätze, aber kein Personal“ zu haben, konnte Baier-Regnery nicht ganz ausräumen, auch wenn sich in dieser Beziehung langsam etwas tue. „Es geht um die Wertschätzung und die Ausbildungsdauer“, sagte er. Um vor Ort Ideen zu sammeln, habe die Stadt sich mit lokalen Trägern zusammengetan. Er kenne aber Kommunen, „wo die Kinder auf der Straße stehen“. Wie Ramona Höld vom Amt für Kindertagesstätten erklärte, sei der Fachkräftemangel mit ein Grund dafür, den Kindergarten von der Stadt tragen zu lassen. Sie sieht die Möglichkeit, mehr Kräfte auszubilden.

Der Ausschuss hat die Verwaltung schließlich beauftragt, die weiteren Planungen voranzutreiben. Das Vorhaben hängt noch an der verkehrlichen Lösung, Brand- und Denkmalschutz und den Entscheidungen weiterer Gremien.

Susanne Kustermann


Fördertöpfe können "nachgefüllt werden"

Kempten – Das Thema Förderung für Kita-Ausbau beschäftigte auf Anfrage von Katharina Schrader (SPD) auch den Haupt- und Finanzausschuss in seiner Sitzung vergangenen Mittwoch. Sie bat um Auskunft, was es mit dem angeblichen Stop der Förderung, aufgrund bereits erschöpfter Fördertöpfe, auf sich habe; eine Frage, die Erwin Hagenmaier (CSU) vor allem wegen der neu zur Kita-Nutzung hizugekommenen Chapuis-Villa umtrieb (siehe Artikel oben) und in Gefahr sah. „Ich würde jetzt mal keine Nervosität aufkommen lassen“, beruhigte OB Thomas Kiechle, zumal alle Kommunen den gleichen Druck hätten und die entsprechenden Töpfe „nachgefüllt werden können“. Helmut Hitscherich (UB/ÖDP) wies darauf hin, dass „wir Kita-Plätze schaffen müssen, ob mit oder ohne Förderzusage“, da der Bedarf da sei und es einen rechtlichen Anspruch auf einen Kita-Platz der Eltern gebe. „Unterm Strich haben wir immer die Gelder bekommen“, die beantragt gewesen seien, beschwichtigte auch Stadtkämmerer Matthias Haugg. Laut Baureferent Tim Koemstedt wisse die Regierung von Schwaben zumindest bereits, dass Förderanträge gestellt seien, „ob sie auch physisch schon eingegangen sind“, wisse er allerdings nicht.

Christine Tröger

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