"Du machst das gut"

Nach dem Vortrag durften die Eltern noch ein PC-Spiel spielen, damit sie sich künftig in ihre Kinder besser hineinversetzen können. Foto: Dathe

3,7 Prozent aller Internetnutzer sind süchtig. Das entspricht einer Zahl von 2,8 Millionen Betroffenen. Besonders gefährdet seien Kinder und Jugendliche, da die noch ihr Selbstbewusstsein und die Medienkompetenz entwickeln müssten, so Sarah Hatton von der Drogenhilfe Schwaben. Für die CSU Anlass genug, um am Mittwoch vergangener Woche einen Informationsabend über das Thema „Internetsucht bei Kindern und Jugendlichen“ in der Volksschule Durach zu veranstalten.

Drei Prozent der Jungen und 0,3 Prozent der Mädchen unter 18 Jahren verbringen mehr als 35 Wochenstunden im Internet und gelten somit als süchtig. Dazu kommt, dass die Gruppe noch genauso viel fernsieht und sich mit ihren Handys beschäftigt. „Die Hälfte des Tages wird mit Medien verbracht“, erklärte Hatton. Als Onlinesucht wird der exzessive Gebrauch des Mediums Internet bezeichnet. „Der Betroffene integriert nicht das Internet in sein Leben, sondern sein Leben in das Internet“ betonte Hatton. Kinder und Jugendliche lassen sich deshalb so leicht für Spiele wie „World of Warcraft“ begeistern, da sie sich nach anonymer Kommunikation, Autorität sowie Sicherheit und Anerkennung sehnten. Dort hörten sie ständig „du machst das gut“, „du bist nützlich für die Gruppe“, erklärte Sara Hatton. Weitere Gründe seien, dass Langeweile kompensiert wird. Bei ihren Besuchen in Schulklassen höre sie immer wieder, dass den Jugendlichen langweilig sei. Darüber hinaus sind alle Tätigkeiten im Netz dialogisch, es findet also ein sofortiger Austausch statt. Ein weiterer wichtiger Grund ist die Tatsache, dass ein Versagen nur zeitlich begrenzt ist. Im realen Leben müssten sich Jugendliche mit ihren Konflikten auseinandersetzen, im Internet reicht der Neustart eines Spieles oder es werden einfach die Rollen getauscht. Bei Kindern und Jugendlichen ist die Sucht auf die Abhängigkeit von Spielen, sozialen Netzwerken und das übermäßige Konsumieren von Informationen besonders oft ausgeprägt. PCs nicht aufwerten Hatton selbst ist übrigens ebenfalls in sozialen Netzwerken aktiv, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben. Sie sehe durchaus die positiven Seiten an diesen social Medias, daher sollten die auch nicht allzu negativ gesehen werden. Für unsere Kinder sei aber der „richtige“ Umgang mit den Medien zu erlernen. Internetsucht ist in der Gesellschaft akzeptiert und übt auf viele eine gewisse Faszination aus. Um es gar nicht erst soweit kommen zu lassen, schlug die Expertin einige Präventionsmaßnahmen vor. Eltern sollten an den Spielen und Aktivitäten im Internet ihrer Kinder Interesse zeigen. Zudem soll die Lebens- und Medienkompetenz gefördert werden. Ein PC-freier Tag pro Woche sei ebenfalls eine gute Maßnahme. „Der PC sollte allerdings nicht als Strafe eingesetzt werden, da sonst der Computer aufgewertet wird“, erläuterte Hatton. Im Anschluss an den Vortrag wurde noch rege über „soziale“ oder auch „assoziale“ Netzwerke diskutiert. Einige Besucher hatten hier schon sehr negative Erfahrungen gemacht, die bis in den Mobbing-Bereich gingen. Um die „Faszination“ Internet auch selbst einmal zu erleben, hatte Dominik Neumann von GamePäd, eine kleine Lanparty für die Eltern organisiert. Gespielt wurde „Counter-Strike“, ein recht gewalttätiges Spiel. „Die Eltern müssen sich anschauen und erleben, was ihre Kinder spielen“, schilderte Neumann, nur so könnten Verständnis auf- und Ängste abgebaut werden. Interessiert waren auch tatsächlich viele der Zuhörer aus dem Vortrag noch gekommen, um sich mit dem Spiel auseinanderzusetzen.

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