Dresdner Kreuzchor begeistert in Kempten

St.-Mang-Kirche wurde zur St.-Klang-Kirche

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Die diesjährigen Abiturienten des Dresdner Kreuzchors begeistern mit ihren Stimmen das Publikum in der vollen Kemptener St.-Mang-Kirche.

Kempten – Am Freitagabend verwandelte sich die St.-Mang-Kirche für anderthalb Stunden in eine St.-Klang-Kirche. Der Grund dafür waren 14 junge stimmgewaltige Männer aus dem sächsischen Dresden. Das Ensemble mit dem Namen „Stimmwerk/13“ zog die rund 500 Zuhörer regelrecht in seinen Bann.

In dem nahezu ausverkauften Konzert lauschte das Publikum bereits bei den ersten Liedern so ergriffen den Gesängen, dass keinerlei Störgeräusche zu hören waren. Die ehemaligen Kruzianer trugen dabei all ihre Lieder a cappella und meist ohne Dirigenten vor. „Viva la Vida“ von der britischen Popgruppe Coldplay sangen sie mit viel Tiefgang und Wärme. Durch den schönen und sauberen Schlussakkord wurde es noch stiller in der Kirche. „Wir haben das Lied bewusst als Einstieg für Sie gewählt“, erklärte einer der Musiker. Äußerst sanfte Töne stimmte das Ensemble bei „Trösterin Musik“ von Anton Bruckner an. Die Tenöre mussten an einer Stelle in die Kopfstimme wechseln, was ihnen mühelos glückte. Nur am Anfang des Stücks schienen einzelne Sänger etwas zu pressen. Mit viel Liebe zum Detail und leichter Wehmut interpretierten die jungen Männer das britische Volkslied „Auld lang Syne“, das hierzulande unter dem Titel „Nehmt Abschied, Brüder, ungewiss“ bekannt ist. Danach drehte sich das Rad der Musikgeschichte wieder weiter in die Gegenwart. „Es ist nicht immer leicht, ich zu sein“ von den Wise Guys klang natürlich und unschuldig wie ein Kinderlied mit feiner Akzentuierung. Der Solosänger wurde gekonnt von den Anderen begleitet, die fein abgestufte Dynamik war bemerkenswert. 

Vielseitiges Programm 

Danach stand wieder ein Stilwechsel auf dem bunt gemischten Programm. Einem Gebet gleich ertönte in englischer Sprache das alte schlesische Volkslied „Beautiful Saviour“, das der Legende nach deutsche Kreuzfahrer auf ihrem Weg ins Heilige Land gesungen haben sollen. Im letzten Teil des Lieds hörte das Publikum sogar einzelne Countertenöre, die durch den nahtlosen Übergang vom Brust- und Mittelregister in die Kopfstimme ihr großes Talent bewiesen. Das „Lux aurumque“ des zeitgenössischen Komponisten Eric Whitacre bot das Männerensemble diesmal mit einem Dirigenten dar. Die schwierige Intonation und die oft lang ausgehaltenen Töne meisterten die Sänge problemlos. Als einziges Manko erwies sich, dass der Text oft schlecht zu verstehen war. Bei dem alten Kirchenlied „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ von Georg Neumark und der Vertonung des 23. Psalms von Bernhard Klein zeigten sie einmal mehr, dass klerikale Gesänge nach wie vor die Stärke der Kreuzchor-Abiturienten sind. Mit Feinsinn und leichter Ironie in der Stimme interpretierten die jungen Tenöre und Bässe „Lacrimae Christi“ von Max Reger, ein Lied, in dem es um einen Wein trinkenden Fiedelmann aus Schwaben geht. 

Neben weiteren Werken sang „Stimmwerk/13“ vor der Pause schwungvoll Lollipop“ von den Chordettes, das sie durch Klat-schen, Schnalzen und Fingerschnippen untermalten. Bei „Veronika, der Lenz ist da“ von den Comedian Harmonists versprühten die jungen Männer überaus viel Charme. Die Szenerie wiederholte sich im zwei-ten Teil des Konzerts bei „Ein Freund, ein guter Freund“. Die Schönheit ihrer Stimmen erstrahlte ebenso im britischen Volkslied „Scarborough Fair“, beim „Only you“ der Flying Pickets und der „Loreley“ von Friedrich Silcher. Am Ende verzauberte das Ensemble die Zuhörer vollends mit Abendliedern wie „Mister Sandman“ von den Chordettes und den „Spanischen Nächten“ von Ernst Fischer. Als Johannes Brahms’ „In stiller Nacht“ erklang, waren viele Zuhörer den Tränen nahe. Am Ende gab es jubelnden Applaus. Die Stärke von „Stimmwerk/13“ scheint auch darin begründet zu sein, dass die jungen Erwachsenen trotz allen Talents bescheiden und ohne Starallüren geblieben sind.   Franziska Kampfrath

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