Von der Burghalde ins Stadttheater

Beim Märchensommer verzaubert "Der Zauberer von Oz" die Kinder

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Unterhaltsame und kurzweilige Inszenierung des Märchens „Der Zauberer von Oz“ beim Märchensommer Allgäu.

Kempten – Tiefhängende Regenwolken veranlassten am Freitag vor einer Woche das Theater in Kempten, das auf der Burghalde geplante Open-Air-Spektakel „Der Zauberer von Oz“ kurzfristig in das Stadttheater Kempten zu verlegen.

Doch diese Änderung hatte wenig Einfluss auf die zauberhafte Vorstellung. Endlich ist es so weit. Voller Vorfreude fiebern die Gäste dem Beginn der Aufführung entgegen. Ein Wirbelsturm fegt über Kempten. Corinne Steudler, blonde Zöpfe, gelbes Kleidchen – unverkennbar Dorothy und das Publikum, als Teil dieses fiktiven Wunderlands werden in das Land Oz katapultiert. Dort begegnet Dorothy einer Vogelscheuche, die statt Stroh im Kopf zu haben, gerne klug wäre. Gespielt wird sie von Patrizia Unger, wacklig auf den Beinen und immer wieder alles vergessend: „Ich kenn nichts, ich weiß nichts, ich bin deppert“, hallt es durch den Raum. 

Dorothy trifft auch einen Blechmann ohne Herz, der wünschte, wieder lieben zu können – Antonia Welke, mit eingerosteten Bewegungen und einer blecherner Stimme, die nach Öl verlangt. Und einen feigen Löwen, dargestellt von Nadine Schneider, ängstlich und miauend wie eine kleine Katze, „er sei kein richtiger Mann, er sei nur ein Hosenscheißer, so sein Vater“, jammert der Löwe. Um den Weg nach Hause zu finden, braucht Dorothy die Hilfe des Zauberers von Oz, der in der geheimnisvollen Smaragdstadt lebt. Doch um zu ihm zu gelangen, müssen die zusammengewürfelten Freunde drei Aufgaben lösen: einen Geheimcode knacken, ein Liebesgedicht schreiben und die böse Hexe töten. In der wunderbaren Geschichte hat das Mädchen Dorothy zahlreiche Abenteuer zu bestehen, dabei verliert sie nie den Mut und behält ihre kindlich-optimistische Lebenseinstellung. 

Und so ist es an den Figuren, mit den vermeintlich nicht vorhandenen Fähigkeiten, wie Klugheit, Liebesfähigkeit und Mut die einzelnen Aufgaben zu lösen. Die Kinder im Publikum sind mit Feuereifer dabei. Der Blechmann schreibt in „kalorienreicher Lyrik“ ein Liebesgedicht, – die braunen Haare wie Schokolade, das Gesicht wie eine riesige Vanillekugel. Die Vogelscheuche knackt den Geheimcode mit Hilfe von Kasperl, Krokodil – den beiden Gefährten des Puppenspielers – und mit der lautstarken Unterstützung der Kinder. Die beiden Stoffpuppen sorgen für eine besondere Leichtigkeit und stellen die Verbindung zwischen Kindern und Bühne auf amüsante Weise her. Und der kleine feige Löwe besiegt mutig und brüllend die böse Hexe. Der mächtige Zauberer von Oz lässt seine Maske fallen und hervorkommt ein empfindsamer Mensch, der nicht mehr alleine sein möchte, sich einen Freund wünscht und nicht zaubern kann. Herzerwärmend von Birgit Reutter dargestellt, die ebenfalls den Puppenspieler mimt. Für die vier Freunde scheinen die Wünsche nicht in mehr in Erfüllung zu gehen. Doch am Ende siegt mit viel Mut der Glaube an sich selbst. Der mutige Löwe erhält eine Tapferkeitsmedaille, der mitfühlende Blechmann ein angestecktes Herz und die kluge Vogelscheuche das höchste Wissensdiplom. Und auch Dorothy kann wieder nach Hause, mit den roten Schuhen der getöteten bösen Hexe. 

Angelehnt an die weltbekannte Erzählung des Amerikaners Lyman Frank Baum aus dem Jahr 1900 entstand unter der Regie der Theaterdirektorin Silvia Armbruster eine fantasievolle Inszenierung über Mut, Selbstvertrauen und Füreinander-Einstehen mit der Botschaft, jeder Mensch ist einzigartig und hat individuelle besondere Talente. Die wechselnden Bühnenbilder erzeugten magische Eindrücke und führten durch die Aufführung wie ein roter Faden, angefangen mit dem geheimnisvollen Land Oz über die gelbe Straße durch unterschiedliche Landschaften bis in die geheimnisvolle Smaragdstadt. Dabei unterstreichen ausgewählte Effekte, wie z.B. züngelndes Feuer oder bedrohliche Musik die Dramatik einzelner Szenen. Nicht nur die professionellen SchauspielerInnen und Musical-SängerInnen begeisterten das Publikum, sondern auch Kinder, die als kleine Munchkins ihr schauspielerisches Können unter Beweis stellten. Das Ensemble verzauberte Groß und Klein mit einer unterhaltsamen und kurzweiligen Aufführung. Eine Prise Humor, mitreißende Musik, aufwändige Kostüme und Masken verliehen der Inszenierung zusätzlich Lebendigkeit und Schwung. Ein besonderes Highlight für das begeisterte Publikum war die ausgiebige Autogrammstunde der Hauptdarsteller nach der Aufführung. Weitere Vorstellungen finden am Sonntag, 21. Juli, sowie am 8.,9.,10., 11., 15., 16., 17. und 18. August statt. Mehr Informationen gibt es auf www.maerchensommer-allgaeu.de.

Christine Reder

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