Schlichtweg entzückend

Mailänder Marionettentheater versprüht mit Händels "Rinaldo" Charme und barocken Glanz

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Auf der Bühne agieren Almirena und Rinaldo und im Orchestergraben ihre Stimmengeber die Sopranistin Hanna Herfurtner und der Countertenor Nicholas Tamagna.
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Auf der Bühne agieren Almirena und Rinaldo und im Orchestergraben ihre Stimmengeber die Sopranistin Hanna Herfurtner und der Countertenor Nicholas Tamagna.

Kempten – Das war schon ein besonders langer und begeisterter Beifall, mit dem das bis in den obersten Balkon gefüllte Stadttheater den vielen Künstlern auf der Bühne applaudierte, die diese so ungewöhnlich dargebotene Oper von Georg Friedrich Händel zu einem besonderen Erlebnis gemacht hatten.

Da waren die sechs Sängerinnen und Sänger, in der Kunst des Barockgesangs versiert, die Barockspezialisten der Lautten Compagney unter der musikalischen Leitung von Jörn Andresen und als Hauptakteure der Handlung die Puppenspieler des Mailänder Marionettentheaters „Compagnia Marionettistica Carlo Colla e Figli“. 

Man glaubt im Nachhinein dem Programmmacher Dr. Franz Tröger aufs Wort, der durch seinen Kontakt zur künstlerischen Leiterin der Berliner Lautten Compagney Dörte Reisener diese Aufführung nach Kempten geholt hatte, dass dies nur mit außergewöhnlicher Sponsorenhilfe möglich war. Welches Sinneserlebnis einen erwartete, war in der Einführung noch nicht genau vorstellbar, immerhin gab der Instruktor Artie Heinrich viele Erläuterungen zur Technik des Marionettenspiels und zur Entstehung der Zusammenarbeit des Berliner Orchesters mit der Mailänder Marionettenkompanie. 

Fotostrecke: Mailänder Marionettentheater spielt Rinaldo in Kempten

 © Tröger
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An der Bühne waren die Musiker der Lautten Compagney unsichtbar im Orchestergraben versteckt, dahinter die „Bühne auf der Bühne“ des Marionettentheaters. Nach der mit Verve gespielten Ouvertüre öffnete sich der kleine Vorhang der nach hinten versetzten Marionettenbühne und die Handlung begann. Man musste sich erst einmal einfinden in das Bühnengeschehen, das zunächst nicht Augen und Ohren wie aus einem Guss bediente. Denn jetzt hörte man die Stimmen der Sängerinnen und Sänger, die links und rechts neben dem Orchestergraben postiert waren, sehr klar und deutlich und zusammen mit dem Orchester nah am Publikum.

Diesen Klang musste man mit den Marionetten verbinden, die sich in halber Menschengröße weiter hinten in der Tiefe der barocken Illusionsbühne befanden. Gleichzeitig waren zum besseren Verständnis der Handlung die italienischen Arientexte ins Deutsche übersetzt vorne über der großen Bühne projiziert. Doch die Verbindung aller Sinne gelang rasch zunehmend besser und die Zuschauer und Zuhörer konnten sich bald der besonderen Anmutung hingeben, den diese kunstvoll hergestellten Figuren ausstrahlten. Die Handlung von Händels Oper ist eine für das barocke Musiktheater typische und beliebte Mischung aus christlicher Missionierungsgeschichte und Zauberspektakel und geht auf eine Vorlage von Torquato Tasso zurück. Christliche Kreuzritter versuchen, die Stadt Jerusalem gegen die ansässigen islamischen Sarazenen einzunehmen, darin eingebettet eine Liebesgeschichte zwischen dem Protagonisten Rinaldo und Almirena mit vielen Wendungen und Zaubereien. Und einer von Händels berühmtesten Arien: „Lascia ch‘io pianga“ im zweiten Akt gleich nach der Pause. 

Das barocke Theater liebt das Spektakel, den Deus ex machina und das Prinzip der Guckkastenbühne mit seinen Möglichkeiten, räumliche Tiefe durch weit nach hinten gestaffelte Kulissen zu erzeugen. All dies ist ideal geeignet für eine Marionettenbühne, und die Mailänder mit ihrer bis ins 19. Jahrhundert zurückreichenden Spieltradition reizten alle Möglichkeiten in einer frappierenden Perfektion aus. 

Kunstvoll gemalte Vorhänge, liebevoll gestaltete Kulissen (zum Beispiel eine Meeresszene, wo gegeneinander sich bewegende, nach hinten kleiner werdende Wellenbänder die Illusion von Meer und Horizont erzeugen) und natürlich die perfekt gearbeiteten Marionetten mit ihren prächtigen Kleidern, an bis zu 25 Fäden artistisch zum Leben erweckt. Der musikalische Part wurde von den – zumindest was die beiden Countertenöre betrifft – auf Barockmusik spezialisierten Sängerinnen und Sängern einfühlsam und stimmig interpretiert, bei den vielen Verzierungen, Trillern und Koleraturen kam der nötige barocke Glanz auf, was nicht zuletzt von der makellosen Begleitung der engagiert aufspielenden Lautten Compagney befördert wurde. Händels Musik ist von Klarheit, Strahlkraft und einer inneren Bewegung erfüllt, die dramatische Vorgänge vorwärts bringen und deswegen seine Opern immer zu etwas Besonderem machen. Ein Abend, den man lange in Erinnerung behalten möchte. 

Jürgen Kus

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