Künstlerin Maria Farkas

"Wie Lieder ohne Text"

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Maria Farkas mit einem ihrer in Öl gemalten Stillleben.

Kempten – Maria Farkas – ein Name, der vielen Kunstliebhabern (mindestens) in der Region geläufig sein dürfte. Den einen kommt vielleicht vor allem die Galeristin des Kemptener Kunstkabinetts in der Salzstraße in den Sinn. 

Dort zeigt sie in liebevoll konzipierten Ausstellungen regelmäßig nicht nur die erlesenen Schätze, die ihr Kunst sammelnder Vater Dr. Wilhelm Maul im Laufe seines Lebens zusammengetragen hat; sie ergänzt sie mit Werken zeitgenössischer Künstler, vor allem aus der Region und der Künstlergruppe „La Cerchia“ aus Kemptens Partnerstadt Trient – sowie mit eigenen Malereien, denn auch als Malerin wird sie von Vielen geschätzt.

Ihr Schaffen wird in dem jüngst erschienenen, Farb-Bildband „Maria Farkas Malerei – Transparenz und Beziehung“ ins rechte Licht gerückt. Gegliedert sind ihre Werke von Akademie-Zeiten bis heute in Ölmalereien (Stillleben, Diverse Sujets, Kinderbilder), Aquarelle und Zeichnungen. Im „Nachspann“ ergänzt ein abgedrucktes Gespräch über ihre Beweggründe, Herangehensweisen und künstlerische Entwicklung die „visuelle Schau“. Geführt hat es Roman Farkas mit seiner Mutter. „Schönheit ist für mich ein essenzielles Lebenselement“, wurde daraus als Titel gewählt. Es ist ein Auszug aus einer 18-minütigen Film-Dokumentation, die der Regisseur, Autor und Filmemacher über sie gedreht hat, abrufbar auf seiner Internetseite www.romanfarkas.de.

„Den Weg der Malerin zu verfolgen ist so schön, wie einem schwebenden Falken zuzuschauen“, schreibt die Malerkollegin und Philosophin Magdalena Willems-Pisarek in ihrem Geleitwort, in dem sie das Wesen der Malereien von Maria Farkas auf den Punkt bringt; zum Beispiel indem sie schreibt: „Die Welt ist still, in ein leises Lächeln gehüllt, voller Licht und Sehnsucht nach dem Ungreifbaren. Maria Farkas bläst den Seelenstaub weg. Ohne Pathos, ohne große Worte.“ Einige weitere Schlagworte sind „meditative Einfachheit“, „kein unnötiges Detail“, „kleine Stillleben, die sie im Malprozess zu geistigen Landschaften erhebt“, „Kompositionen mit einem Hauch Unberechenbarkeit“, „hauchdünne Pinselstriche“, „raffinierte Farbkontraste“.

Geboren 1935 in Kempten, hat Maria Farkas für das Lehramt an der Münchner Kunstakademie studiert, unter anderem bei Prof. Franz Nagel, bei dem sie „nur gezeichnet“ habe, wie sie sich im oben erwähnten Gespräch erinnert; und zwar „14 Tage lang nur ein Modell“, bei dem es jede Einzelheit herauszuarbeiten gegolten habe. Es folgte Lehrtätigkeit an Gymnasien und eine lange Pause, in der sie sich ihrer großen Familie mit sechs Kindern widmete. Nur ab und an habe sie in dieser Zeit gemalt und sich deshalb auch nicht entwickelt. Dass sie das aber später, nach der langen Familienpause, aufgeholt hat, nachdem sie sich ein Atelier im Dachboden eingerichtet und darin konsequent an zwei Vormittagen gemalt hatte, dokumentieren die auf den Buchseiten abgebildeten Werke. Es sind Bilder, die einen wohltuenden Kontrast bilden, zu einer zunehmend schrillen und reizüberfluteten Welt. Deren „Reiz“ liegt vielmehr in der farblichen Reduktion wie der Beschränkung auf das inhaltlich Wesentliche; und er liegt in dem Leisen, Verborgenen von Dingen, L andschaf ten und auch Menschen, das Maria Farkas ohne großes „Tamtam“, ins Rampenlicht zu rücken versteht. Ihr geht es nicht um das einzelne Element, sondern um die Komposition, wofür sie „klare Farbflächen“ zusammensetzt und schaut „wie sie einen Rhythmus bilden“.

Zu den Lieblingssujets der Malerin zählen Stillleben, die in ihrer Vielfalt an Motiv- und Farbkompositionen sowie mal mehr mal weniger stark vom Kubismus geprägten Malweise, alles andere als langweilig oder leblos sind: gläserner Zerbrechlichkeit setzt sie Stabilität entgegen, spielt unaufgeregt mit Gegensätzen. Blumen, Vasen, Gläser, Flaschen, Obst.... Farkas hat ein Gespür für Ästhetik. Trotz des erkennbaren Farkas-Pinselstrichs ist die Lebendigkeit der Kinderbilder aus einem anderen „Holz“. Aber auch hier verzichtet Farkas auf überflüssige Details und gibt sich als scharfe Beobachterin zu erkennen, die weiß, worauf es ankommt. Während sich der rote Faden bei den anmutigen Aquarellen fortsetzt, überraschen die Zeichnungen (mit einer Ausnahme) am Ende des Bilderreigens durch ihren energischen, fast staccatohaften, klaren Strich. Und dann gibt es noch ein kleines „Schmankerl“, zwischen den Textzeilen des Gesprächs: Das preisgekrönte Werk aus der Akademiezeit – ein Stillleben aus den künstlerischen Anfängen der Maria Farkas.

Das Schlusswort „Wie Lieder ohne Text“ stammt von der Malerin selbst: „.... Dieses bildnerische Gesetz, wo das Einzelne umgewandelt, neugeformt wird zu einem größeren Ganzen, war mir bekannt seit meinem Studium. Mit Erstaunen und Freude entdeckte ich später durch die „Spiritualität der Einheit“ von Chiara Lubich, dass das, was ich vom bildnerischen Entstehungsprozess kenne, als Grundgesetz allem Leben eingeschrieben ist: Leben bedeutet in Beziehung sein, sich in persönlicher Einzigartigkeit hinzugeben in die Beziehung mit dem ganz Anderen, sich verlieren und sich wiederfinden in einem ständigen Lebensprozess auf der Suche nach Einheit.“ Was sie hier wortreich formuliert, ist, was ihre Stillleben sagen möchten, schreibt sie weiter. Vielleicht ist das Buch deshalb ein so intimes geworden, weil es, angefangen von den Fotos bis zu Konzeption und Layout, ein Familien-Projekt ist. Erhältlich ist der im Verlag Neue Stadt GmbH, München, erschienene, 112-seitige Bildband „Maria Farkas Malereien – Transparenz & Beziehungen“ unter der ISBN 978-3-7346-11544. 

Christine Tröger

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