"Man kann darüber reden"

Der Parkplatz Pfeilergraben am Montag. Foto: Matz

Ist der Bau einer Tiefgarage unter dem Hildegardplatz wirklich alternativlos? Glaubt man den Tiefgaragen-Gegnern, gibt es durchaus Möglichkeiten, in unmittelbarer Nähe zum Platz genügend Parkraum zu schaffen. Vor allem der Pfeilergraben wird von ihnen immer wieder ins Spiel gebracht. Glaubt man allerdings der Stadtverwaltung, will der Besitzer des Grundstücks, der Freistaat Bayern, das Gelände nicht hergeben. Tatsächlich ist die Gemengelage schwierig. Aber die Stadtverwaltung hat bislang offenbar auch jede ernsthafte Bemühung in den Besitz des Geländes zu kommen, unterlassen.

„Lüge“ zischte Stadtrat Helmut Hitscherich (UB/ödp) am Mittwochabend bei einer Infoveranstaltung (siehe eigener Bericht), als Alexander Hold sagte, der Freistaat werde den Pfeilergraben nicht hergeben. Tatsächlich? Zwar beteuert die Verwaltung seit längerem, dass es keine Chance gebe, an das Areal zu kommen. Und tatsächlich besteht laut Ludwig Weichselbaumer, stellvertretender Geschäftsführer der Immobilien Freistaat Bayern, grundsätzlich „Staatsbedarf“. Aber so kategorisch wie von der Stadtverwaltung dargestellt, ist das „Nein“ der Münchner nicht. „Wenn jemand kommt und das Grundstück kaufen will, kann man darüber reden“, sagte Weichselbaumer am Freitag gegenüber dem KREISBOTEN. „Der Zugriff ist grundsätzlich möglich.“ Allerdings hätten staatliche Interessen, insbesondere die der Polizei, zunächst einmal Vorrang. „Das Gelände ist Vorratsfläche“, betonte der stellvertretende Geschäftsführer. „Und die Polizei ist uns derzeit der liebste Nutzer.“ Deren möglicher künftiger Raumbedarf müsste also zunächst hinterfragt werden. Bekomme man aber ein wirtschaftliches Angebot zusammen mit einem durchdachten Nutzungskonzept vorgelegt, müsse man das prüfen. „Käme die Stadt auf uns zu, müsste man schauen, ob sich das wirtschaftlich lohnt. Wenn man die Chance hat, das wirtschaftlich zu verkaufen, muss man darüber nachdenken“, so Weichselbaumer. Allerdings scheint das Interesse der Stadt am Pfeilergraben kaum bis nicht vorhanden sein. Zuletzt 2004 sei im Rahmen der Planungen für die „Denkfabrik“ an der Hochschule unter anderem auch über einen Kauf oder Tausch des Geländes gesprochen worden, erinnerte sich Weichselbaumer. „Mit großem Nachdruck ist das Thema aber nicht gefahren worden. Da kam kein geballtes Interesse.“ Seitdem habe sich die Stadt in Sachen Kauf oder Tausch nicht mehr gerührt. Auch bei den Verhandlungen der Pachtverträge im vergangenen Jahr sei das Thema nicht angeschnitten worden. Dabei gibt es nicht wenige Kemptener, die schon vor Jahren am Pfeilergraben den idealen Standort für eine Tiefgarage gesehen haben. Am vergangenen Mittwochabend im „Stift“ hatte der Kemptener Architekt Dieter Heiler angedeutet, dass es bereits fix und fertige Plänen für eine Tiefgarage unter dem Pfeilergraben gebe. Schon vor über zehn Jahren habe er im Zuge der Planungen für das Gelände der ehemaligen Prinz-Franz-Kaserne der Kemptener Stadtverwaltung Pläne für ein unterirdisches, dreigeschossiges Parkhaus am Pfeilergraben mit insgesamt 650 Parkplätzen vorgelegt, erklärte Heiler gegenüber dem KREISBOTEN. Die Zufahrt wäre dann über die Rottachstraße erfolgt. Das besondere an Heilers Plänen: Die Tiefgarage wäre so konstruiert worden, dass man problemlos ein Gebäude oben drauf bauen könnte. Damit hätte auch der Bedarf des Freistaats nach zusätzlichen Gebäuden im Bereich Pfeilergraben/Rottachstraße abgedeckt werden können. Die Tiefgarage hätte dann von staatlichen Beamten, städtischen Angestellten und Bürgern gleichermaßen genutzt werden können. Einen Investor, da ist sich der pensionierte Architekt noch heute sicher, hätten problemlos gewonnen werden können. „Das hätte die Stadt keinen Cent gekostet – aber man ist nicht drauf eingegangen“, sagte er. „Das wäre wirklich eine Stärkung der Knochentheorie gewesen.“

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