"Man muss vorsichtig sein"

Auf die Risiken des Internets will das Theaterstück „Click it!“ aufmerksam machen und Zuschauer zum Nachdenken anregen: Der Verein „Zartbitter“ aus Köln führte sein Präventionsstück jetzt im Kornhaus einmal öffentlich und das zweite Mal ausschließlich für SchülerInnen auf. Das Stück wendet sich gegen sexuellen Missbrauch und Gewalt, die bei einem unbedarften Umgang mit den neuen Medien entstehen können. Mädchen und Jungen werden oft bereits im jungen Alter mit Pornografie im Internet konfrontiert.

Erzählt wird die Geschichte von Silvio und Billa, die gemeinsam einen Film über ihre Hobbys für die Schule drehen wollen. Billa möchte Filmemacherin werden, Silvio interessiert sich für Modellbau und hat die Welt der Chats für sich entdeckt. Während Billa das Internet und die weltweiten Gesprächsräume eher skeptisch betrachtet, knüpft Silvio rasch neue Kontakte. Doch seine anfängliche Vertrauensseligkeit wird ausgenutzt. Dass er zu viele persönliche Informationen an seine angeblichen Chatfreunde weitergegeben hat, wird ihm erst bewusst, als es fast zu spät ist. Die ihm nur unter dem Deckname bekannte „Kiss-My-Body“ schickt ihm per Email gewaltverherrlichende Fotos und überredet ihn schließlich sogar zu einem Treffen, bei dem Billa in letzter Minute eingreifen kann. Gefahr aufgezeigt Temporeich und spannend mit Chat- und Videosequenzen spiegelte „Click it!“ die Lebensgewohnheiten vieler Jugendlicher wieder und berücksichtigte deren Hör- und Sehgewohnheiten, ohne sich an eine Jugendkultur anzubiedern. Das Stück setzte sich aber ebenso mit Gefahren von Chaträumen auseinander. Genauso sensibel thematisierte „Click it!“ auch die Einsamkeit von Mädchen und Jungen vor dem PC-Bildschirm, die mit zum Teil erschreckenden und verwirrenden Bildern aus der virtuellen Welt konfrontiert werden. Dabei vermied das Theaterstück jegliche Panikmache und ließ auf der Bühne keine Gewaltszenen entstehen, sondern setzte die Strategien der Täter und Täterinnen und die Wirkung von Gewaltdarstellungen auf Internetuser und -userinnen gekonnt in Szene. Bewusst hat sich „Zartbitter Köln“, eine Kontakt- und Informationsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen, für die Produktion eines Theaterstücks für die Präventionsarbeit entschieden, denn auf der Bühne und im anschließenden Dialog mit dem Publikum wird die Einsamkeit und „Gefühlslosigkeit“ vor dem Bildschirm überwunden. In dem fachlich fundierten Nachgespräch mit den Zuschauerinnen und Zuschauern, das die für Zartbitter tätigen TheaterpädagogInnen (zugleich die Schauspieler des Stückes) führten, wurden Fragen zum Theaterstück beantwortet und Chancen und Risiken des neuen Mediums diskutiert. Dabei betonten die Pädagogen, es gehe nicht darum „das Internet zu verbieten“, sondern vielmehr ein paar Regeln zu finden, „um es sicherer zu machen“. „Vor allem mit Informationen über sich selbst muss man vorsichtig sein“, gaben die Schauspieler einen Hinweis. Am Besten solle man keine persönlichen Daten, wie Name, Adresse, Handynummer und Schule angeben. Fotos sollen möglichst unverfänglich sein, beispielweise ein Passbild, Sportfoto oder ein verpixeltes Bild. „Falls ein Dialogpartner im Chat unangenehme Fragen stellt“, so Birgit Mehrmann, Schauspielerin der „Billa“, „einfach ignorieren, den Chat verlassen und im Notfall die Eltern oder sogar die Polizei verständigen.“ Viele Infos Über das Theaterstück hinaus konnten die Zuschauer sich umfassend über Hilfe und Schutz bei sexueller Ausbeutung informieren. Die Veranstalter des Theaterstücks in Kempten, die Kommunale Jugendarbeit, das Jugendhaus, Pro Familia, der Sozialdienst katholischer Frauen, der Frauennotruf, das Mädchenhaus, der Stadtjugendring und der Fachdienst für Suchtfragen und Prävention hatten hierzu zahlreiche Stände mit Broschüren aufgebaut.

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