"Manchmal wünsche ich uns mehr Mut"

Bürgermeister Johann Zeh wird von der Käsegilde geehrt. Das Bild entstand beim Internationalen Käsefest 2010. Foto: cut

Bürgermeister Johann Zeh kann in diesen Tagen ein kleines Jubiläum feiern: 15 Jahre ist er im Amt. Seine Dienstzeit als neuge- wähltes Stadtoberhaupt begann am 2. Mai 1996. Das ist ein Anlass, einerseits zurück zu blicken und andererseits in die Zukunft zu schauen.

„Bei manchen Dingen in der Stadt wünsche ich uns mutiger und visionärer. Es sollten nicht nur die Bedenken zählen“, sagt er. Denn wenn in drei Jahren das 100-jährige Stadtjubiläum zu feiern ist, dann erinnert der Bürgermeister daran, wie damals lange im Vorfeld der Stadterhebung Menschen mutig Weichen gestellt haben. Lindenberg sei um 1900 ein Ort mit 3000 Einwohnern gewesen. Dennoch wurde 1907 ein neues Rathaus, 1910 ein Gaswerk und ab 1912 die gewaltig große neue Stadtpfarrkirche gebaut. Mit Verzagtheit wären diese prägenden Projekte nicht möglich gewesen. „Heute sind die Rahmenbedingungen so, da braucht es einem um die Zukunft nicht bange sein“, erklärt Zeh. Lindenberg ist fast unbeschadet durch die Finanzkrise gekommen. Die Bergstadt hat eine gute Infrastruktur. Die Firmen in der Stadt stehen gut da, Liebherr zum Beispiel baut aus. In dieser Stadt mit rund 11 000 Einwohnern gibt es um die 5500 Arbeitsplätze. Das sind so viele Arbeitsplätze, dass 1500 mehr Einpendler als Auspendler zu zählen sind. Lindenberg sei nicht reich, aber es habe eine gute Finanzstruktur, verhältnismäßig wenig Schulden, und vor allem habe es in den vergangenen Jahren größere Flächen als Tauschflächen oder für die künftige Ortsentwicklung gesichert, erläutert Zeh. Oft gehen dem Bürgermeister die Entscheidungsprozesse zu lange. Er erinnert daran, wie viel Zeit verstrichen ist, ehe zukunftsweisende Projekte wie Kreisverkehr in der Markstraße, Waldseekonzept oder Stadtpark umgesetzt werden konnte. Beim Stadtpark dauerte das zehn Jahre. Die Ungeduld des Bürgermeisters kontrastiert mit der Ungeduld von Bürgern. Manch eine Idee die ausgesprochen wird, kann nicht morgen schon umgesetzt sein. Nach den Bürgerbeteiligungsprozessen oder richtungge-benden Beschlüssen im Stadt-rat geht es erst einmal in die Feinplanung. Nicht blauäugig in eine Sache reinzugehen, heißt eben nach machbaren Wegen zu suchen. Die vielen Gespräche mit Fachplanern, übergeordneten Stellen, Zuschussgebern benötigen Zeit. Nicht selten ergeben sich dabei neue Gesichtspunkte. Es ist für Johann Zeh deshalb auch beim Projekt Hutmuseum wichtig, sich die Zeit zu nehmen, um genau die Investitions- und Folgekosten zu klären, und dann zu überlegen, ob es finanzierbar ist – und eben nicht umgekehrt. Vor 15 Jahren ist Bürgermeister Johann Zeh mit dem Anspruch angetreten, Lindenberg voranzubringen. Doch die ersten paar Jahre bezeichnet er als eine reaktive Phase. Vorrangig ging es damals um Nachholbedarf und Altlastenbewältigung: Hochwasserschutz, Sanierung alter Müllkippen, Erneuerung maroder Straßen, Auswechseln brüchiger Graugussleitungen bei den Stadtwerken und Modernisierung des Kanalsystems beim Abwasserverband. Mit dem in der Bürgerschaft erarbeiteten Stadtleitbild konnten neue Projekte ins Auge gefasst werden. Überraschende Erfahrung Das faszinierendste war für Zeh dabei die positive Überraschung, dass sich ganz verschiedene Gruppen mit konträr scheinenden Ansprüchen auf ein gemeinsames Waldseekonzept einigen konnten. Doch nicht immer läuft alles reibungslos. Manchmal ergeben sich unerwartete Entwicklungen, auf die reagiert werden muss. Zum Beispiel musste Lindenberg mit der Bebauung des Reich-Geländes zwei Mal die Notbremse ziehen, da es nicht im Sinne der Stadt lief. Zuerst erwies sich die Firma Rescon nicht als der richtige Partner. Und nun machen die Planungen der GKWG eine Neukalkula­tion notwendig. Das Grundstück hat die GKWG erworben. Doch weil sie das Projekt nicht schultern kann, ist sie derzeit in Verhandlung mit anderen Investoren. Insgesamt ist es bei der Stadtentwicklung aber mit vielen Bausteinen vorangegangen. Der Bürgermeister nennt das interkommunale Gewerbegebiet, das König-Kunde-Projekt, die Grundschulerweiterung mit Räumen für Hort und Mittagsbetreuung und die Sanierung des Stadions. Die beiden großen Ziele derzeit heißen: Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Innenstadt und eine Stadt schaffen, die attraktiv bleibt für junge Familien. Dazu gehören Bauplätze, Kinderbetreuung, Infrastruktur, Kulturangebote, die einem Mittelzentrum entsprechen, sowie Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Das bedeutet für Bürgermeister Zeh aber auch Entwicklung mit Augenmaß. Wachstum um jeden Preis lehnt er ab. Lindenberg soll eine Stadt in überschaubarer Größe bleiben. cut

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