"Vergessen Sie Liz Taylor"

Dr. Marcus Becker spricht zur Antike in der Filmgeschichte

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Dr. Marcus Becker ist ausgewiesener Experte für antike Kulissen in Historienfilmen.

Kempten – Jede Zeit, jede Epoche hat ihr Bild von der Antike und das zeigt sich ab Ende des 19. Jahrhunderts auch in der Geschichte des historischen Films. Wurde die Antike in den Filmen des faschistischen Italiens der 30er Jahre als eher spartanisch gezeigt, so wurde aus dem alten Rom in den Hollywoodproduktionen der 50er eher ein Ort des Überflusses, des Pompösen und der Intrige. Über diese unterschiedlichen Darstellungen der Antike im Laufe der Filmgeschichte sprach nun Dr. Marcus Becker im Alpinmuseum in seinem Vortrag „Die Rebellin auf dem Leopardenfell und der ewige Winter Germaniens – Antike Welten im Film von 1896 bis heute“.

Anlässlich des Anfang August anstehenden Römerfestes im Archäologischen Park Cambodunum möchte das Kulturamt Kempten in einer kleinen Vortragsreihe vertieft auf die Antike eingehen. Mit Becker konnte ein versierter Kenner der Römerzeit, aber auch der Geschichte des Films als Referent gewonnen werden. Becker war Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität Berlin und begleitete in dieser Funktion unter anderem das Projekt „Szenenbilder und -bildner in der Filmstadt Babelsberg.“ Seine Dissertation schrieb Becker zum Thema „Preiswerte Götter. Antikenkopien aus unedlen Materialien in mitteldeutschen Schloß- und Gartenausstattungen um 1800.“

Die Filmgeschichte beginnt mit den Gebrüdern Lumière, die 1895 in Paris ihren Cinématographen vorstellten. Mit diesem konnten tonlose Kurzfilme projiziert werden. Und schon bald, nachdem sich diese Geräte zuerst auf Jahrmärkten durchsetzten, rückte die Antike als Sujet in den Fokus von Filmschaffenden. Becker zeigt Beispiele aus dieser frühen Zeit der Cinématographie, wie einen Kurzfilm aus dem Jahre 1896 mit dem Titel „Nero gibt seinen Sklaven Gift“. 

Dabei zeigt sich, dass die Filmschaffenden jener Zeit für den Aufbau ihrer Sets Orientierung bei der Malerei des Klassizismus nahmen. Kulissen, Kostüme, Lichtführung wurden aus diesen Werken übernommen, wobei sich zeigte, dass das Medium Film, dass keine Zentralperspektive wie ein Gemälde kennt, „anders funktioniert“. Während das Theater oder ein Gemälde quasi den Blick in einen Raum darstellt, ist es beim Film umgekehrt, beim Film schaut der Betrachter nicht in einen Raum hinein, sondern aus diesem heraus. 

Der Referent zeigt den Besuchern Ausschnitte und Fotografien aus „Sandalenfilmen“ der 30er, 50er und 60er Jahre und legt den Blick dabei gemäß seiner Profession auf die Art und Beschaffenheit der Filmkulissen. Bei großen Produktionen wurde in der Regel Wert gelegt auf historische Genauigkeit der Aufbauten, wenngleich aus Kostengründen immer nur die der Kamera zugewandte Seite eines Gebäudes errichtet wurde.

Becker geht hier auf die Klassiker „The Fall of the Roman Empire“ aus dem Jahre 1964 von Anthony Mann und „Ben Hur“ aus dem Jahre 1959 von William Weiller ein. Häufig wurden diese Stoffe in zeitlichen Abständen wieder neu verfilmt, zumeist dann, wenn technische Neuerungen verbesserte visuelle Darstellungen erlaubten. 

So ist auch der Historienfilm „Gladiotor“ von Ridley Scott, ausgezeichnet mit fünf Oscars, aus dem Jahr 2000 ein Remake von Filmen wie „Spartacus“, „Quo Vadis“ und „Ben Hur“. Auch Ridley Scott und seine Szenenbildner ließen sich von Gemälden aus dem 19. Jahrhundert für das Set-Design und die Lichtführung inspirieren („Pollice Verso“ von Jean-Léon Gérôme).

Kulisse als Symbol

Becker kommt in seinen Ausführungen auf den in Filmen häufig verwendeten Symbolismus zu sprechen. Am Beispiel der Rolle der Lucilla im Film „The Fall of the Roman Empire“, gespielt von Sophia Loren, zeigt er auf, dass ein zur Schau gestelltes Leopardenfell in der Kulisse Ausdruck römischer Überlegenheit über den barbarischen Gegner darstellt. Die Kulisse, ein Accessoire oder auch ein Name dient häufig zur subtilen Unterstützung der Botschaft eines Films. Dafür gibt es in der Geschichte des Films viele Beispiele. 

So ist Stanley Kubricks Film „Shining“ kein wirklicher Horrorfilm, sondern ein mit Symbolen überhäuftes Meisterwerk, dass die Mondlandung von 1969 in Frage stellt. Auf die Frage, welche Historienfilme der Referent selbst als besonders sehenswert betrachtet, antwortet er mit einem milden Lächeln: „Vergessen Sie Liz Taylor als Kleopatra, schauen Sie lieber „Cleopatra“ von Cecil B. DeMille aus dem Jahre 1934. Wunderbar!“

Jörg Spielberg

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