Umgehungsstraße von Altusried

Trassenvarianten untersucht

+
Lageplan Variante Nord-Ost-2

Seit langem wird in Altusried eine Umgehungsstraße diskutiert. Anfang 2012 wurde bekannt, dass die Ortsumfahrung in die Dringlichkeitsstufe 1 des neuen Ausbauplans für Staatsstraßen aufgenommen wurde. Das Staatliche Bauamt untersucht nun mehrere Trassenüberlegungen.

Alle zur Diskussion stehenden Routen wurden einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen, für die das Büro für Landschaftsarchitektur und Stadtplanung NRT Narr Rist Türk im August 2014 eingeschaltet wurde. Die Vorstellung dieser Studie stand auf der Tagesordnung der Marktgemeinderatssitzung vergangene Woche. Die Sitzung wurde wegen des zu erwartenden großen Interesses seitens der Bevölkerung in den Rössle-Saal verlegt. Eine weise Entscheidung, denn der Gastraum war komplett gefüllt, als Rathauschef Joachim Konrad die Sitzung eröffnete. Ein Teil der Zuhörer musste das Geschehen sogar im Stehen verfolgen.

Thomas Hanrieder vom Staatlichen Bauamt informierte über den Stand der Dinge beim Projekt Umgehungsstraße, dessen Start beim Amt auf August 2014 datiert ist. Ab diesem Zeitpunkt fließen Planungsmittel aus dem Ministerium in München. Jetzt steht laut Hanrieder in der Gemeinde eine Meilensteinentscheidung an: Sie muss sich auf eine Trasse festlegen. Für Rathauschef Konrad ging es an diesem Abend ausschließlich darum, die Ergebnisse der Prüfung nach dem Umweltverträglichkeitsgesetz zur Kenntnis zu nehmen. Weitere Entscheidungen wird der Marktgemeinderat in seinen Sitzungen treffen, machte er klar deutlich. Laut Konrad wird das noch in diesem Jahr der Fall sein.

Seitens des Büros NRT hat man bei allen Trassenvarianten die Schutzgüter Menschen, Tiere und Pflanzen, Boden, Wasser, Landschaft, Kultur/Sachgüter untersucht, wobei die einzelnen Titel unterschiedlich gewertet wurden. Unter „Kultur“ stand auch die Freilichtbühne im Fokus. Nachdem man alle Kriterien betrachtet hat, war es noch nicht möglich zu sagen, ob der Süden oder der Norden geeigneter ist, denn auch der Flächenverbrauch spielt eine bedeutende Rolle für einen Entschluss, präzisiert Dietmar Narr. Man hörte es direkt im Saal aufhorchen, als er sagte: „Nach Abwägung empfiehlt das Büro NRT für die Ortsumfahrung die Variante Nord-Ost 2“.

Umfahrung muss im Norden stattfinden

Auch für Hanrieder muss die Umfahrung von Altusried im Norden stattfinden. Es sei klar ersichtlich, dass alle Nordtrassen im Vergleich zu den Südtrassen besser abschneiden, zumal auch weitere Entscheidungsparameter, wie Verkehrswirksamkeit, sowie der Kosten-/Nutzenfaktor positiv hineinspielen. Für die besagte 3,5 Kilometer lange Strecke würde ein Flächenverbrauch von circa 9,6 Hektar entstehen. Ingenieurbauwerke, zum Beispiel Brücken, sind nicht vorgesehen, erläuterte Michael Lehner vom Planungsbüro pbu aus Kempten, das mit der Konzipierung betraut ist. Die neue Tangente, wenn sie kommt, wird als Staatsstraße eingestuft, die alte Straße in Teilen abgestuft zur Kreisstraße.

Jetzt gilt es bei allen Beteiligten die Ärmel hochzukrempeln. Denn, egal für welche Trasse sich der Gemeinderat entscheidet, es ist noch ein langer Weg. Ein öffentlich-rechtliches Feststellungsverfahren, Gefährdungsuntersuchungen für das Trinkwasser in bestimmten Bereichen, Gespräche mit Betroffenen, das alles muss noch angegangen werden. Bei allen Trassenüberlegungen wird die zwei Millionen-Euro-Marke geknackt, so Hanrieder zur Kostenfrage. Um bei der Mittelvergabe durch den Baulastträger Freistaat Bayern im Rennen zu bleiben, muss natürlich auch die Wirtschaftlichkeit stimmen.

Nach Sitzungsende meldeten sich zahlreiche Gemeindebürger zu Wort, um von den Experten weitere Auskünfte zu erhalten. Eine Zersiedelung solle bei der Trassierung weitgehend vermieden werden, antwortet Hanrieder einer Fragerin. Dietmar Narr nutzt nochmals die Gelegenheit, auf die Sorgfältigkeit, mit der die Untersuchung durchgeführt wurde, hinzuweisen. Ob bekannt sei, dass im vorgeschlagenen Trassenbereich Milan Falken kreisen, will jemand wissen: „Ja, das wissen wir, wir arbeiten sehr genau“. Auch das Thema Enteignung kam ins Gespräch. Seitens des Freistaates, für den das Bauamt handelt, haben alle zur Verfügung stehenden Mittel, wie Tausch oder Kauf, Vorrang. Das Ziel, Einvernehmen mit den Grundstücksbesitzern herzustellen, habe allerhöchste Priorität, aber ganz ausschließen will Hanrieder einen solchen Härtefall nicht. Im Falle der Variante Nord-Ost 2 wäre ein Landwirt, dessen Anwesen in der Kaldener Straße liegt, ein Hauptbetroffener. Wenn diese Alternative komme, würde die Straße sein Grundstück durchschneiden. Dementsprechend besorgt zeigte er sich an diesem Abend, der laut seinen Aussagen erst ein paar Tage vorher von dieser Entwicklung erfuhr. Mit, „so, wie sie es wollen, kommt es auf jeden Fall nicht“, machte er seinen Ärger gegenüber Bürgermeister und Planern deutlich. Das letzte Wort sei hier noch nicht gesprochen, lautete das Statement des Bauern.

Hildegard Ulsperger

Auch interessant

Meistgelesen

4. KunstNacht Kempten 
4. KunstNacht Kempten 
4. KunstNacht in Kempten
4. KunstNacht in Kempten
30 Mitmachstationen am Sport- und Familientag 
30 Mitmachstationen am Sport- und Familientag 
4. KunstNacht in Kempten
4. KunstNacht in Kempten

Kommentare