Ein Franke als "Fan des Allgäus"

Markus Söder bereichert den CSU-Neujahrsempfang in Kempten mit einer eloquenten Note

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Mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder stand beim Neujahrsempfang der CSU ein spritziger Redner am Mikrofon.

Kempten – Nicht nur als Landesvater steht Ministerpräsident Markus Söder über unseren Lokalpolitikern, auch, was Selbstironie und Humor betrifft, können sie ihm nicht das Wasser reichen.

Zumindest beim Neujahrsempfang der CSU vergangenen Dienstagabend im Foyer der Big Box Allgäu punktete Söder als, so der allgemeine Tenor unter den zahlreichen Gästen, brillanter Redner. Eine dreiviertel Stunde lang wandte sich der nach eigener Aussage „Fan des Allgäus“ mit launiger Rede an sein Publikum. Im Allgäu verschmelze Zukunft und Tradition sowie Heimat und High-Tech „in nahezu optimaler Weise“.

Voll des Lobes war er – naturgemäß, wie er selbst einräumte – für seine hiesigen und anwesenden Parteikollegen. An Thomas Kreuzer, Fraktionsvorsitzender der CSU im Bayerischen Landtag, habe ihn von Anfang nicht nur dessen sonore Stimme beeindruckt. Er sei vielmehr sein „engster persönlicher Ratgeber“ und habe geschafft, was es damals selten gegeben habe, nämlich „zum selben Zeitpunkt damals die gleichen Sympathien von Horst Seehofer und mir zu genießen.“ 

MdL Eric Beißwenger prognostizierte er „eine große Zukunft“, bevor er sich den beiden aktuellen Wahlkämpfern widmete. Landratskandidat Alfons Hörmann befinde sich in einer „großen Tradition“, plauderte er weiter aus, dass der von ihm bewunderte Alt-Landrat Gebhard Kaiser „Woche für Woche Vorschläge gemacht“ habe, am Ende ja auch zielführend. Thomas Kiechle „ist ein toller Oberbürgermeister“, attestierte Söder ihm Eigenschaften wie unter anderem „nachhaltig in der Sache, offen im Umgang, entschieden voranbringen, was für die eigene Stadt wichtig ist“ oder auch Bodenständigkeit. „Besser kann man eine Kommune, eine Stadt nicht entwickeln“, lobte er die nahtlose Fortführung der Arbeit seiner Vorgänger, der er „noch eine Schippe draufgelegt“ habe. 

Kreuzer, Kiechle, Hörmann und Beißwenger seien ein Team, „gefährlich für die Staatsregierung, erfolgreich in der Region“, schmunzelte Bayerns Ministerpräsident. Allerhöchsten Respekt zollte er dem Engagement im ehrenamtlichen Bereich, durch das unglaublich viel erreicht werde. „Die Kraft unseres Landes, die Vitalität unserer Gesellschaft, liegt nicht nur an denen, die Großes leisten, weil sie groß bezahlt werden, sondern vor allem an denen, die Überragendes bringen, obwohl sie nichts erwarten dürfen“, meinte er. Dass die eben angebrochenen „Goldenen 20er“ vergleichbar mit denen vor hundert Jahren sein könnten – „die gingen furchtbar los und endeten noch schlimmer“ – hoffte Söder selbstredend nicht. 

Aber „wir spüren Veränderung und Herausforderungen“. Dennoch dürfe man nicht vergessen, „wir leben in der besten aller Zeiten“ und sollten „ein bisschen dankbarer sein, dass wir in dieser Zeit in dieser Region leben dürfen“. Der Umstand, dass wir „in Bayern daheim, aber in der Welt zuhause“ seien, stelle uns vor neue Fragen, sei es das Verhältnis USA und Iran, oder das Verhältnis der chinesischen Regierung und dem sehr wechselhaften amerikanischen Präsidenten. Plötzlich sei „die Verlässlichkeit abhanden gekommen“ und Gewissheiten würden sich neu sortieren. Dabei würden sich viele Länder in eine Richtung entwickeln, die wir nicht akzeptieren wollten. Dabei lobte er Kanzlerin Angela Merkel, die „in kleinen Schritten“ versuche, „schwierigste Partner an den Tisch zu bekommen“. Denn ein wichtiger Weg sei, den Frieden zu sichern, und „wer miteinander redet, schießt nicht“, so seine Überzeugung. 

Keine Sympathie hatte Söder für die Klimaleugner, denn auch wenn in Bayern keine Vulkane ausbrechen würden, „findet er statt“. So würde er persönlich es „als Sünde betrachten“, nicht zu reagieren. „Wir müssen gegen den Klimawandel angehen“, betonte er, und zwar nicht mit Verboten und Vorwürfen, sondern durch Innovation. Mit dem Katalysator habe man einst auch das Waldsterben in den Griff bekommen, wies er auf Problemlösung durch Erfindergeist hin. Dabei warb er für „ein bisschen mehr Patriotismus auch für unsere regionalen Produkte“, nicht nur durch mehr Wertschätzung für unsere Landwirte, sondern ebenso in technischen und anderen Bereichen. 

Auch im digitalen Bereich, der unter anderem große Möglichkeiten in der Krebstherapie biete, möchte Ministerpräsident Söder Bayern vorne sehen. Sorge bereitete dem Landesvater ferner „dass unsere Demokratie wackelt“. Die „Unversöhnlichkeit und Bösartigkeit“ heutiger Argumentation im Netz dürfe man nicht unterschätzen, warnte er. Beiträge wie die von unter anderem Reichsbürgern führten dazu, „dass der kollektive Irrsinn wirklich gefährlich wird“, schoss er gegen die AfD, die solche Dinge ausschlachte und unterstütze. Deshalb müsse man dafür sorgen, dass ein Angehöriger einer Minderheit „die gleichen Rechte hat“, wie einer von einer Mehrheit. 

„Der Schutz der persönlichen Würde, der Schutz des Intimbereichs, der Schutz der Rechte und der Freiheit jedes Einzelnen muss unsere oberste Aufgabe sein“, nannte er das Ziel. „Wir leben in einem großartigen Land“, so Söder, dessen Aufgabe „im Lösen des Kleinen, das große im Blick zu haben“, sein werde. Wenn man in der Verantwortung stehe, müsse man auch die Erwartungen der Menschen „jenseits Ihres Stammpublikums“ erfüllen, richtete er das Wort an die Kandidaten zur Kommunalwahl. Vor der Rede des Landesvaters hatte die Kommunalpolitik das Wort. 

MdL und Stadtrat Thomas Kreuzer wies in seiner Begrüßung auf die in Kempten bereits seit vielen Jahren verfolgten und „konsequent umgesetzten“ Klimaschutzziele hin, auf die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und Investitionen für eine auch in Zukunft „attraktive und lobenswerte“ Stadt. Wie Söder sah auch er den CO2-Ausstoß „bei stetig wachsender Weltbevölkerung“ nur durch Innovation lösbar. Zum Gespräch holte er OB Thomas Kiechle und Landratskandidat Alfons Hörmann auf die Bühne. 

Ein Thema war die Zusammenarbeit im Allgäu, die sich laut Kreuzer über die Jahre ja „massiv verbessert“ habe. Längst überwunden sei die früher vorherrschende Einstellung, „bevor der eine was kriegt, ist es besser, keiner kriegt was“ und besonders verbessert habe sich die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Landkreis. Kiechle bestätigte, dass der „Name Allgäu ein Begriff“ sei, was nur durch starken Zusammenhalt möglich sei, ob im Bereich Mobilität, bei den Zweckverbänden oder auch dem Zusammenschluss der Krankenhäuser. 

Das Thema ÖPNV und 100-Euro-Ticket sei das Thema, das Oberallgäuer und Kemptener gleichermaßen umtreibe, wandte sich Kreuzer an Hörmann, der darin nur einen „Mosaikstein“ sah. Aus Sicht des Landratskandidaten sei das Thema vielmehr ein „Zehn-Jahres-Projekt“, das nur ganzheitlich angegangen werden könne. Denn „isoliert, ohne die dringend notwendige Verbesserung des Angebotes, ohne eine saubere und nachhaltige Basis in wirtschaftlichem Sinne – Stichwort: Kalkulation – ohne ein tragfähiges Gesamtkonzept, wird man dauerhaft keine Freude haben“, so seine Überzeugung. Er sah den Grund für den vielfachen Vertrauensverlust in die Politik darin begründet, dass oftmals zu einfache Antworten gegeben würden. Deshalb sei man gerade an der politischen Basis gefordert, „das Gegenteil zu liefern“. 

Für einen gemeinsamen Weg, wie u.a. bei den Zweckverbänden, sei auch der Stil, wie man es mache, wichtig und müsse auf einer Wertebasis von Fairplay, Respekt auch vor der anderen Meinung sowie Toleranz geprägt sein. „Jeder der Allgäuer Landkreise muss dazu beitragen, dass in der Marke Allgäu auch Allgäu drin ist“, stellte Hörmann klar. „Demokratie ist nicht auf alle Zeiten sicher“, wandte sich Kreuzer abschließend an das Publikum, verbunden mit dem Aufruf, sich gerade in den nächsten Wochen „für Politik zu interessieren“ und zur Wahl zu gehen. 

Christine Tröger

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