"Marstall noch nicht aus dem Rennen"

Schön anzusehen, aber...: Die Pläne zum Umbau bzw. Anbau an die Orangerie stoßen nicht bei allen Stadträten auf Begeisterung Foto: Matz

Drei Möglichkeiten stehen beim „Dauerthema“ Bibliotheksentwicklung im Raum: Orangerie plus Anbau, Orangerie Umbau oder Umzug in den Marstall. Umbau und Sanierung der Orangerie standen vergangene Woche im Kulturausschuss zur bisweilen recht lebhaften Diskussion. Wirtschaftsreferent Dr. Richard Schießl stellte eine Erweiterung der Stadtbibliothek in zwei Schritten zur Disposition. Die im ersten Schritt heiße, „aus der Orangerie das Maximale herauszuholen“ und in einem späteren zweiten Schritt einen Erweiterungsbau anzugehen.

Aufgrund der für eine „richtige Bibliothek“ in der Orangerie zu kleinen Fläche, schlug Schießl vor, die nicht zum Kernbestand der Bibliothek gehörende „Allgäuer Bibliothek“ sowie das „Kompaktmagazin“ wo anders unter zu bringen. Alternativ kämen auch Regale auf Rollen in Frage, um im Bibliotheksgebäude mit dem Platz jonglieren zu können. Zu bedenken gab er, dass bei einer Lösung in zwei Schritten nicht jede Variante für einen Anbau möglich sei. Eine um 75 Prozent größere Medienstellfläche, Arbeitsplatz sowie Schmöker- und Leseecke im Publikumsbereich, eine Sortiermaschine, mehr Raum für die Verwaltung, Nutzung des Dachgeschosses und Barrierefreiheit legte Schießl als Details der Planung für die insgesamt 1559 Quadratmeter große Nettogeschossfläche der Orangerie vor. Studienplätze, unter anderem für Kleingruppen, oder auch ein Café, seien aber erst mit dem Anbau im zweiten Schritt realisierbar. Die Kosten für Schritt eins bezifferte Schießl – je nach Qualität – auf circa 4,3 bis 5,3 Millionen Euro. Die Reaktionen der Ausschussmitglieder fielen indes sehr unterschiedlich aus. Empfanden es die einen „einfach nur als Renovierung“, wie Claudia Dress (CSU) oder Hildegard Greiter (CSU), für die der teure Entwurf zudem ihre Vorstellungen einer „zukunftsorientierten Bücherei“ nicht erfülle, gab es auch positive Resonanz. Unter anderem von Thomas Kiechle (CSU), der aber „keine Eile“ sah und sich an der Einschätzung von Bibliotheksleiterin Andrea Graf zur Zukunftsfähigkeit des Entwurfes „auch in zehn Jahren noch“ interessiert zeigte. Den Schritt weg von der „Einhäusigkeit“ sahen Lothar Köster (SPD) und Sybille Knott (FW) problematisch und wenig kundenfreundlich. Während Köster im Fall einer ja angestrebten Bestandsaufstockung das Problem der „Verdichtung“ nicht gelöst sah, war für Knott wegen der geringen Verbesserungen in der Orangerie bei hohen Investitionen „der Marstall noch nicht aus dem Rennen“. Andreas Kibler (CSU) begrüßte zwar die Barrierefreiheit durch zwei Lifte, entsprechende Treppenhäuser und dazu eine volle Nutzung des dritten Obergeschosses, sah aber, wie Knott, eine besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis beim Marstall. Michael Hofer (ödp) hielt den Wunsch der Bevölkerung, in der Orangerie zu bleiben, dagegen und lobte den von Schießl vorgetragenen, „recht zu bedenkenden Vorschlag“. Mit Blick auf das E-Book bezweifelte Erna Kathrein Groll (Die Grünen), dass es vorhersehbar sei, „wie das Verhalten der Bevölkerung zum Thema Buch in zehn Jahren ist“, betonte aber, als Stadt einen Auftrag zu haben. OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) räumte ein, dass man sich in der bisherigen Diskussion „zu sehr damit beschäftigt habe, welches Gebäude es werden solle. Jetzt, da alle Fakten auf dem Tisch lägen, müsse man definieren, „welche Zielbibliothek für Kempten ein Fortschritt ist“ und „welche Summe sind wir bereit dafür auszugeben“. Am Ende beschäftigte ihn auch die Frage, ob die Zielbibliothek in der Orangerie überhaupt erreichbar sei, „weil wir dort ein Bestandsgebäude haben“.

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Erlebnistag im Grünen Zentrum
Erlebnistag im Grünen Zentrum
Stadtgeschichte: Die Kemptener Illerbrücken im Wandel der Zeit Teil 2
Stadtgeschichte: Die Kemptener Illerbrücken im Wandel der Zeit Teil 2
Langjähriger Leiter der Arbeitsagentur offiziell verabschiedet
Langjähriger Leiter der Arbeitsagentur offiziell verabschiedet

Kommentare