"I bi so mittel"

Trocken, bissig und frech präsentierte sich Martina Schwarzmann in der bigBOX

+
„Wenn du nicht da bist, liebe ich dich am meisten“, begann Martina Schwarzmann ein Liebeslied für ihren Mann.

Kempten – „Genau richtig“, an diesem Abend in die bigBOX zu gehen, um das neue Programm der mehrfach preisgekrönten Kabarettistin Martina Schwarzmann zu erleben. Mit ihrem deftig-trockenen Humor und dem unbestechlichen Blick für die Tücken des Alltags präsentierte sie ihr sechstes Bühnenprogramm „genau Richtig“.

Kurz nach acht, die volle Halle wartet in alle Ruhe auf Martina Schwarzmann. Sie betritt die Bühne in einem Blümchenkleid und roter Strickjacke mit passendem Halstuch, in der Hand ihre Akustikgitarre und geht zu dem Barhocker, daneben ein kleiner Tisch mit einem Glas Wasser. Mehr gibt es nicht. Geradeheraus erzählt und singt Schwarzmann im oberbayerischen Dialekt vom Wahnsinn ihres ganz normalen Lebens, das sie „nach wie vor voll im Griff“ hat, wenn sie zur Abwechslung nicht gerade zu Bühnenauftritten flieht.

Ihre schonungslosen Geschichten, die sie zu 80 Prozent aus ihren Erlebnissen generiert, kreisen vornehmlich um Freundinnen und Bekannte, besonders um ihre eigenen Erfahrungen, ihren Mann und ihre drei Kinder. Da diese nicht im Programm genannt werden wollen, nennt sie sie „minderjährige Mitbewohner“. Auf dem Weiberstammtisch, der eigentlich eine Protestveranstaltung gegen die Männer sei, bleibt sie immer bis zum Schluss, „dass‘ ned über mi herziagn“. „Warum vui vo dene Paare nu verheirat san – weil se se die Freiheit ned vogönna“. Schwarzmanns bissige Geschichten über Abgründe bei Liebes oder Ehepaaren, bei denen sie heikle Themen unverblümt beim Namen nennt, werden immer wieder von den herzhaften Lachern und dem Beifall der Gäste unterbrochen. Dazwischen kommen Lieder wie „Aufruf zur Toleranz“: „Da Oane macht‘s a so, der so. A jeder macht‘s halt wia er moant und wia er ko.“

Sich selbst beschreibt Schwarzmann im Lied „i bi so mittel“ so mittelschön und so mittel-gscheit“. Ihr Kleid hat sie vom Flomarkt, was bei ihren Freundinnen Ekelreaktionen auslöst. Martina schüttelte den Kopf, weil diese Lästermäuler aus den Urlauben regelmäßig Handtücher mitgehen ließen. „Und da ham sich scho 100 Leit den Hintern a’gwischt“.

Auch die Probleme mit ihren „minderjährigen Mitbewohnern“ liefern jede Menge Stoff für Martinas Auftritte. Die Szenen werden skurril dargestellt, etwa als beim Hemdenkauf für den Mann das kleine Kind ihr eine Fango am Bauch bereitet, das zweite in den Umkleidekabinen mit den nackten Männern „Kuckuck“ spielt, und das dritte im Buggy wegen des gleichen Farbmusters den Ärmel des Boss-Hemdes mit seinem Schnupftuch verwechselt.

Schwarzmann will ihre zweite Kuhschelle für die erneut ausverkaufte bigBOX mangels Kühen an ihren Hühnern ausprobieren. Wer Martina Schwarzmann auch live erleben möchte, muss sich sputen. Der Zusatztermin am 29. November ist bereits gut gebucht.

Achim Crispien

Auch interessant

Meistgelesen

Kreisbote Festwochengaudi: Das erste Wochenende macht Laune 2
Kreisbote Festwochengaudi: Das erste Wochenende macht Laune 2
Staatsminister Pschierer eröffnet die 69. Allgäuer Festwoche
Staatsminister Pschierer eröffnet die 69. Allgäuer Festwoche
Video
So finden Sie den richtigen Boden für Ihr Zuhause
So finden Sie den richtigen Boden für Ihr Zuhause
Der Montag lief bei der Kreisbote Festwochengaudi gemächlich an
Der Montag lief bei der Kreisbote Festwochengaudi gemächlich an

Kommentare