Ein Meer aus Schirmen

Große Resonanz für die Forderung nach mehr Klimaschutz

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Zahlreiche Menschen schlossen sich dem Protestzug an, der sich in Kempten vom Forum Allgäu durch die Innenstadt zum Hildegardplatz bewegte.

Kempten – Trotz Dauerregens fanden sich letzten Freitagmittag wieder einige hundert Menschen zur Fridays-for-Future-Demo ein, um sich für die Zukunft unserer Erde stark zu machen. SchülerInnen und auch viele Erwachsene schlossen sich dem Protestzug an, der sich in Kempten vom Forum Allgäu durch die Innenstadt zum Hildegardplatz bewegte.

Die insgesamt friedliche Demonstration wurde immer wieder von lautstarken Parolen, wie „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ oder „Hoch für den Klimaschutz, runter für die Kohle“ begleitet.

Zahlreiche selbstgebastelte Plakate unterstrichen die Botschaft der Demonstrierenden, wie „bio + fair = die Lösung“, „Der Planet ist heißer als mein Freund“. „Die Teilnahme an der Demo ist notwendig für Nachhaltigkeit und Klimaschutz“, sagten die Teilnehmer Marianne Haneberg-Klein und Ewald Lorenz-Haggenmüller vom Weltladen Kempten. 

Die „Fridays for Future“-Bewegung hat kurz vor dem Beginn der Weltklimakonferenz in Madrid wieder Hunderttausende in Deutschland auf die Straßen gebracht. Im Rahmen des vierten globalen Klimastreiks fanden letzten Freitag in 520 Orten Demonstrationen und Kundgebungen für mehr Klimaschutz statt.

Die Anfang Dezember 2019 stattfindende Klimakonferenz soll die Einhaltung der internationalen Klimaziele überprüfen. „Fridays for Future“ fordert die Einhaltung des Pariser Abkommens und die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius. Die Aktivisten möchten mit dieser Aktion den Druck auf die Politiker erhöhen, erklärt einer der Klimaschützer.

Mit zahlreichen Redebeiträgen informierten die Kemptner Klimaaktivisten am Hildegardplatz die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu den Themen erneuerbare Energien, Klimaschutzpaket und dem 100-Euro-Jahresticket.

So sei der Ausbau der erneuerbaren Energien notwendig, so der erste Redner, um die CO2-Emissionen nachhaltig zu senken. Solar- und Windenergie sind günstige Stromerzeugungsformen. Doch die Bundesregierung habe den Ausbau der Solarenergie über Jahre massiv behindert, erklärte der Aktivist. Er forderte eine Beendigung der Talfahrt der Solarenergie und eine Forcierung des Ausbaus, um die erheblichen Potenziale für eine saubere, klima- und umweltfreundliche Energieerzeugung zu nutzen, denn nicht zuletzt durch den Kohleausstieg habe dies oberste Priorität. Auch die Nutzung von Windenergie habe eine essentielle Rolle im Kampf gegen den Klimawandel, sie ist klimafreundlich und geht nicht zu Ende, so der Klimaaktivist.

Doch das neue Windkraft-Urteil mit der sog. 10-H-Regelung, schränke die Ausbauflächen für Windkraft in Bayern erheblich ein bzw. führe zu einer Beendigung des Windenergieausbaus in Bayern, erklärte er den interessierten TeilnehmerInnen.

Ein weiterer Podiumsredner ging auf das Klimaschutzpaket und -Gesetz ein, das demnächst verabschiedet werden soll. Für ihn sei es nicht zielführend. So sei die CO2-Bepreisung für ihn so niedrig, dass es keinem weh tue und auch die Preiserhöhung der Kurz- und Langstreckenflüge sei viel zu niedrig angesetzt. Die Verbilligung von Bahnfahrten könne keinen Anreiz für Pendler – weg vom Auto schaffen, da sie nur für Langstrecken vorgesehen sei, so der Klimaaktivist. Auch eine Erhöhung der Pendlerpauschale sei kontraproduktiv und führe nicht zu den gewünschten Effekten. 

Lajos Fischer, Geschäftsführer des Hauses International und Oberbürgermeisterkandidat von Bündnis 90/Die Grünen, sieht die Verantwortung für Klimaschutz und Umwelt bei jedem Einzelnen, bei der Politik und in der Gemeinschaft. Jeder Mensch könne durch sein Verhalten, wie zum Beispiel „Fahrrad statt SUV“ Einfluss nehmen. Das Geschäft der Kompromisse in der Politik helfe nicht weiter, so Fischer, denn mit der Natur könne man nicht verhandeln. Investitionen in den Klimaschutz seien notwendig und nicht das Festhalten an der „schwarzen Null“. Und ein weiterer Baustein sei der Zusammenhalt und die Mitbestimmung der Gemeinschaft, jung und alt, mit und ohne Migrationshintergrund. Daraus entstehe eine klimafreundliche Politik, für zum Beispiel mehr Grünflächen auf Dächern, Fahrradwege etc. „Rassisten und Rechte werden immer stärker, es ist Zeit zum Aufwachen“, forderte Fischer. „Deshalb grüßen wir nur noch mit Guten Morgen“.

Und auch das, die Gemüter der Kemptener Bürgerinnen und Bürger bewegende Thema „100-Euro-Jahresticket“ war ein Agendapunkt auf dem „Fridays-for-Future“-Podium. Rüdiger Dittmann, Vertreter der Initiative „100-Euro-Ticket für Kempten“, forderte ein attraktives und preisgünstiges ÖPNV-Angebot für Kempten und die Region, als Beitrag für mehr Lebensqualität, bessere Luft, weniger Lärm und mehr Platz in der Stadt. „Es wäre ein großer Schritt in die richtige Richtung, nach vorne für Sozialpolitik und Klimaschutz“, argumentierte

Dittmann.

Zuspruch für das 100-Euro-Ticket gab es von den TeilnehmerInnen der Demo. „Es würde sich bezahlt machen“, sagte Karin Scholz. „Die Mobilität ist extrem wichtig. Der ÖPNV muss weiterentwickelt werden, dazu ist ein Fahrplan mit einer besseren Taktung und einem engeren Haltestellennetz Voraussetzung“, bekräftigte Norbert Grotz, Klimaschutzaktivist.

Um Gehör zu finden und eine nachhaltige Klimapolitik in der Stadt Kempten voranzubringen, haben die Kemptener Aktivisten „Fridays for Future“ die Wählergemeinschaft „Future for Kempten“ mit ihren Vertretern Julius Bernhardt, Benjamin Gras und Dominik Tartler gegründet. Ihr Ziel ist, bei den Kommunalwahlen 2020 für den Stadtrat in Kempten zu kandidieren.

Christine Reder

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