Mehr Bewohnerparkraum

Maßnahmen gegen ein "fundamentales Problem" von Anwohnern mit Augenmaß 

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Kempten – Das Thema Parkraumbewirtschaftung ist ja immer eine Diskussion wert. So auch im Verkehrsausschuss, als es um diverse Erweiterungen sowie eine Neuschaffung von Bewohnerparkzonen ging.

Als Grund für den höheren Bedarf gab Gabriele Seling vom Amt für Tiefbau und Verkehr das 2017 eingeführte Parkraumbewirtschaftungskonzept an, das viele Autofahrer die noch verbliebenen „Lücken“ an kostenlosen Parkflächen in Wohngebieten ansteuern lasse. Ein „Lückenschluss“ soll nun den entstandenen Parkdruck für die Anwohner lockern, dabei aber auf ein ausgewogenes Parkangebot mit Durchmischung von Kurzzeitparkplätzen für ein bis zwei Stunden – vor allem in Bereichen mit Geschäften oder im Bereich der Friedhöfe – Dauerparkplätzen ohne Beschränkungen und Bewohnerparken geachtet werden. 

Für reines Bewohnerparken sind laut Seling in der Zeit von 18 bis 9 Uhr maximal 75 Prozent der Parkplätze zulässig, für den Zeitraum 9 bis 18 Uhr maximal 50 Prozent. Erweiterung Bewohnerparken • Zone J: Bodman-/Haggenmüller-/Margarethen-/Reichlinstraße wird in Richtung Westen bis zum Adenauerring ausgeweitet; • Zone G: Lessing-/Schillerstraße in Richtung Süden bis zur Haubenschloßstraße; • Zone N: Haslacher Straße/ Schwabenweg/Haubenschloßstraße in Richtung Osten bis zur Bahnhofstraße • Wegen „ganz dringendem Bedarf“ aufgrund vieler „Ausweicher“ des inzwischen kostenpflichtigen Parklatzes an der Feuerwehr sowie derzeitige Bautätigkeit in diesem Bereich gibt es künftig auch eine Zone T in den Straßenzügen Rottachstraße, Gottesackerweg, Gerhart-Hauptmann-Straße, Kantstraße, Adalbert-Stifter-Weg, Madlenerstraße, Schlößleweg sowie ausgewiesene Parkflächen auf der Rottachstraße zwischen Gottesackerweg und Madlenerstraße. 

Zwar sei die breite Fahrbahn der Rottachstraße ein Überarbeitungsthema im Mobilitätskonzept, bis zu einer möglichen Umsetzung können aus Sicht der Verwaltung aber „am Fahrbahnrand zusätzliche Parkplätze geschaffen werden“. Es war der Parkraum, der die Gemüter der Gremiumsmitglieder am meisten bewegte. Zum Beispiel sorgte sich Bürgermeister Josef Mayr um ein positives Ergebnis, wenn man die wegfallenden Parkplätze am Gottesackerweg mit den neuen an der Rottachstraße „bilanziert“. Bei Beerdigungen kämen Leute von auswärts und „die Parkplätze reichen schon jetzt oft kaum“, merkte er an. 

Und auch, ob die Fahrbahnbreite mit Parkplätzen am Rand noch ausreichend sei, beschäftigte ihn. Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann konnte ihn beruhigen, da bei fünf Meter breiten Parktaschen immer noch gut sechs Meter pro Fahrbahn übrig blieben, „was locker ausreicht“. Es sei „wichtig“, betonte auch Klaus Knoll (FW), dass es in der Rottachstraße zumindest tagsüber ausreichend Kurzzeitparkplätze für Friedhofsbesucher gebe. Sein Fraktionskollege Dr. Dr. Robert Wiedenmann regte an, eine bestimmte Anzahl an Parkplätzen in der Rottachstraße ausschließlich für Hybrid- und E-Fahrzeuge zu reservieren und später vielleicht zudem mit Ladestationen zu bestücken. Denkbar sei das für ihn sogar in allen Quartieren, vor allem in Bereichen „wo Einpendler sind“. Er sah darin einen Anreiz, „sich nächstes Mal vielleicht ein E-Auto zu kaufen“. Laut Tiefbauamtsleiter Wiedemann sollen noch heuer zehn Ladestationen sowie kostenlose Dauerparkplätze für E-Autos im Bereich der Feuerwehr kommen. 

Dass es beispielsweise in der Zone G Ausweich-Parker geben soll, wollte Helmut Hitscherich (UB/ÖDP) nicht stehen lassen. Da sehe er „90 Prozent Kemptener Nummernschilder“ – alles Anwohner. Eine Frage sei auch, wo die aus der Goethestraße parken sollen, wenn Schnee liege und dort für Parken gesperrt werde. Dass es in der Haslacher Straße künftig Bewohnerparken geben soll, wollte ihm schon gar nicht einleuchten, denn „da wohnt niemand“. Um die Parkplätze für die dortige Gewerbeansiedlung von dauerparkenden Studenten freizuhalten, sollen dort laut Baureferent Tim Koemstedt auch vor allem Kurzzeitparkplätze geschaffen werden. Thomas Hartmann (Grüne) räumte ein „fundamentales Problem“ für Anwohner ein, wenn kein Parkplatz in der Umgebung sei. Das Bewohnerparken löse aber nicht das grundsätzliche Problem, dass in Kempten seit Jahren dem Autoverkehr Vorschub geleistet werde. 

Christine Tröger

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