Mehr Geld für Vorbeuge

Rund 9,1 Millionen Euro benötigt das Jugendamt im kommenden Jahr an städtischen Zuschüssen. Das sind rund 400000 Euro mehr als in diesem Jahr. Das hat Jugendamtsleiter Matthias Haugg in der vergangenen Woche im Haupt- und Finanzausschuss erklärt. Neben gestiegenen Fallzahlen beim Kinderschutz, Tariferhöhungen und dem Umzug des Stadtjugendrings seien vor allem präventive Arbeit für die Steigerung verantwortlich. Uneinigkeit herrschte unter den Stadträten darüber, ob das letzte Kindergartenjahr kostenlos sein sollte oder nicht.

Über 600 000 Euro gebe das Jugendamt kommendes Jahr für präventive Maßnahmen aus. Etwa 350000 Euro entfallen auf das Projekt „Zukunft bringt’s“, das seit 2006 zahlreiche Projekte mit Jugendlichen koordiniert. Um 280 000 Euro steige der Ansatz an ambulanten Hilfen. Hier sollen Sozialpädagogen bereits früh Familien mit Problemen helfen. Im Endeffekt spare die Stadt damit Geld, denn wenn Familienprobleme eskalieren und Kinder in Heime oder Pflegefamilien kommen, koste das mehr. Haugg betonte, dass man dennoch nicht auf Heime verzichten könne und dass dort gute Arbeit geleistet werde. In den letzten fünf Jahren seien die Kosten für vollstationäre Hilfen jedoch um 1,2 Millionen Euro gesunken, ebenso die Fallzahlen, eine Konsequenz aus der stetigen Präventivarbeit, so Haugg. Häufiger als im letzten Jahr musste heuer jedoch der Kinderschutz tätig werden. 90 Mal hatte das Jugendamt im vergangenen Jahr wegen so genannter Kindswohlgefährdung eingegriffen. Diese Zahl war schon Ende August erreicht und werde sich auf voraussichtlich 135 zum Jahresende einpendeln. Entsprechend habe er den Ansatz für Inobhutnahmen um 20000 Euro erhöht, so der Jugendamtsleiter. In den ersten acht Monaten habe das Jugendamt 32 Mal Kinder vorübergehend aus ihren Familien genommen. Macht Streetworker Sinn? Weitere Kostenpunkte seien der Umzug des Stadtjugendrings in das historische Gebäude in der Bäckerstraße 9. Rund 130000 Euro werde die Stadt dafür im kommenden Jahr bezahlen müssen. Am Rande der Haushaltsberatung gab es im Ausschuss angeregte Diskussionen. Sorgen bereitete einigen Stadträten das Thema Jugend und Alkohol. Harald Platz (CSU) und Helmut Hitscherich (FDP/UB/ödp) wollten wissen, was das Jugendamt dagegen tut. Gehe etwa ein Streetworker auf die Jugendlichen an den öffentlichen Plätzen zu, wo sie Alkohol trinken, wollte Hitscherich wissen. Haugg wies darauf hin, dass man das Thema gesamtgesellschaftlich betrachten müsse. Einzelne Projekte gebe es, etwa an Schulen, Streetwork sei jedoch nicht unbedingt die Ideallösung. Sie erfordere eine Beziehung des Streetworkers zu den jungen Läuten schon im Vorfeld, jedoch trinken auch viele auswärtige Jugendliche in Kempten in der Öffentlichkeit Alkohol. Hier stoße der Streetworker an seine Grenzen. Viele Erwachsene, so Haugg, seien zudem schlechte Vorbilder. Unproblematisch sei laut Jugend- Schul- und Sozialreferent Benedikt Mayer die Kindergartensituation. Er rechnete vor: rund 560 Kinder kommen jährlich in Kempten zur Welt. Hochgerechnet auf drei Jahrgänge, die gleichzeitig in den Kindergarten gehen, seien das 1680. Bei 1800 Kindergartenplätzen bestehe also Vollversorgung. Dennoch herrsche bei vielen Eltern die Sorge, ihr Kind könnte keinen Platz bekommen, weswegen sie sich bei mehreren Kindergärten bewerben. „Sie bringen so regelmäßig das System zum Absturz“, erklärte Mayer. Bei der Finanzierung der Kindergartengebühren springe bei Bedarf das Jugendamt ein, erklärte Haugg. Wenn Eltern nur ein kleines Einkommen haben, übernehme das Amt einen Teil oder gar die gesamten Gebühren. Aus finanziellen Gründen müsse also niemand auf den Kindergarten verzichten. OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) verteidigte daher seine Haltung, dass man kein Geld in ein kostenloses letztes Kindergartenjahr stecken solle. „Diese Mittel kann man zielführender Einsetzen.“ Für einen generell kostenlosen Kindergarten plädierte hingegen Thomas Hartmann (Die Grünen). In Frankreich gebe es das bereits, ergänzte Hitscherich. Man müsse bedenken, dass junge Familien heute weniger verdienen. „Mein Sohn geht in zehn Tagen zum ersten Mal in den Kindergarten. Ich würde mich natürlich freuen, wenn die Kommune die Kosten übernimmt, gerecht fände ich es aber nicht“, entgegnete Stadtrat Alexander Hold (FW).

Auch interessant

Meistgelesen

Bauchtanz, Ballett und Bastelei
Bauchtanz, Ballett und Bastelei
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Gewinnspiel: Wir verlosen Ferien-Freizeitpakete im Wert von 5.000 Euro
Gewinnspiel: Wir verlosen Ferien-Freizeitpakete im Wert von 5.000 Euro
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben

Kommentare