Mehr als ein Mädelsabend

Mit "Ladies First!" geht Kultursommer auch ohne Sommerwetter

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Leonie Leuchtenmüller mit Andreas Schütz am Piano.

Kempten – „Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. Und hinter jeder erfolgreichen Frau ein starker Mann“. Im Falle dieses Abends sogar zwei, Andreas Schütz am Flügel und Tom Hauser am Kontrabass.

Liebenswerter kann man seine musikalischen Begleiter nicht vorstellen, aber Leonie Leuchtenmüller hatte nicht nur in ihren Ansagen, sondern auch in ihren Songs und Liedern einiges zu bieten. Unterstützt von den beiden konnte sie bei ihrem Auftritt anlässlich der Kultursommerkonzerte ihr musikalisches Potential voll entfalten, das sich am besten beschreiben lässt als starke Kombination aus einer eindrücklichen Stimme, überdurchschnittlich guten deutschen Texten und gekonnten Arrangements, die alle an die vielgesuchte Hitqualität heranreichen, für die es kein Patentrezept in der populären Musik gibt, aber ungezählte eingängige Beispiele. Andreas Schütz an ihrer Seite ist ein pianistischer Tausendsassa, der in vielen Stilen und Klängen zu Hause ist. Wie macht er das nur, gestern wie Herbie Hancock zu jazzen und heute Tori Amos‘ Tastenteppich für seine Sängerin auszulegen? Und davor und danach als Programmmacher, der für den Klecks und die Stadt Kempten die ganze Kultursommerreihe maßgeblich auf die Beine gestellt hat, ganz locker durch diesen Abend zu moderieren? Derjenige aber, der in gewisser Weise den Klang gerettet hat, ist Tom Hauser, denn mit seinem ruhigen und warmen Bassspiel half er entscheidend, die miserable Akustik des Hofgartensaals aufzuhübschen. Dass er auch singen kann, bewies er neben seinen Backgroundvocals zu Leonie Leuchtenmüllers Gesang mit zwei eigenen Stücken, die leicht und luftig durch den Raum schwebten.

Das Wetter hatte sich am Samstagabend nicht zwischen leicht tröpfeln und heftig prasseln entscheiden können, so dass man als Zuhörer*in gerne auf die erprobte Open-Air-Soundanlage im Innenhof der Residenz verzichtete und mit der etwas fragwürdigen Akustik im Hofgartensaal Vorlieb nahm. Eine Akustik, die der Newcomerin Zoe Lau, die den Konzertabend eröffnete, doch zu schaffen machte. Ihre meist selbstgeschriebenen Songs boten zwar eine gute Basis für gute Musik, aber an der musikalischen Verpackung haperte es noch etwas, Gitarre und Cajon ihrer Begleiter, denen es an Tiefe und Volumen fehlte, klangen angesichts dieser höhen- und tiefenverschluckenden Raumsituation dünn und hallig. 

Dass die schlechte Akustik mit Können und Routine zu überwinden ist, zeigte als letzte Band des Abends das Schwesternduo Sternblut. Es klang schon sehr gut aufeinander eingespielt und ziemlich perfekt, wie die beiden Schwestern Deborah und Ramona Holzmann auf Flügel und Gitarre, vor allem aber in lupenreinem Zwiegesang ihre über einen bereits längeren Zeitraum geschriebenen Songs aufführten. Wer sie noch nicht kennt, merkt sofort, dass ihre abgeklärte Bühnenperformance trotz ihrer jungen Jahre nur mit einer bereits langjährigen Erfahrung im musikalischen Geschäft zu bewerkstelligen ist. So haben sie bereits diverse musikalische Veröffentlichungen mit dem professionellen Knowhow einer Plattenfirma im Hintergrund herausgebracht. Und mit „Komm, wir malen uns das Leben“ einen landesweit bekannt gewordenen Pop-Hit im Repertoire. Auf ihren Instrumenten sind sie keine Virtuosen, aber das, was sie für ihre Lieder und zweistimmigen Arrangements an instrumentaler Begleitung benötigen, bringen sie perfekt auf den Punkt. Für das Publikum bedeutet dies ein sehr unterhaltsames Live-Vergnügen, das durch die lockere und unprätentiöse Art ihrer Ansagen noch einmal gesteigert wird.

Die Kultursommerreihe geht weiter nächsten Samstag mit dem Duo Schriefl/Wegscheider. Kartenreservierungen im Internet unterwww.klecks.de.

Jürgen Kus

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