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Mehr Wasser für Buchenberg

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Von: Lutz Bäucker

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Wasserhahn
Symbolfoto © Panthermedia/lunamarina

Buchenberg – Ohne Wasser ist alles nichts. 

Es fließt bei Bedarf endlos aus dem Hahn, hält Menschen, Tiere und Pflanzen am Leben und kostet einen Bruchteil des Preises für Sprit, Milch oder Bier: Pro Kubikmeter Trinkwasser zahlen die Einwohner der Marktgemeinde Buchenberg aktuell 1,13 Euro, zuzüglich Grundgebühr. Rund 3.200 Buchenberger zapfen das frische Nass, das aus der Gegend um Altstädten und Sonthofen zu ihnen fließt. Pro Jahr verbrauchen sie knapp 11.4 000 Kubikmeter, Tendenz steigend. Und deshalb muss die Gemeinde jetzt ihr Wasserkontingent bei der „Fernwasserversorgung Oberes Allgäu (FWOA“) kräftig erhöhen.

Mittelfristig wird Wasser teurer

Das letzte Mal wurde die Wassermenge für Buchenberg vor fünf Jahren aufgestockt, nun empfiehlt der Zweckverband 40.000 Kubikmeter mehr zu kaufen. „Das kostet uns natürlich mehr Geld“, rechnete Bürgermeister Toni Barth vor. Für die Wasserverbraucher im Ort hat das keine sofortige Preiserhöhung zur Folge, mittelfristig wird das wichtigste Lebensmittel Deutschlands aber teurer werden. Das prognostiziert auch Markus Spetlak, Geschäftsführer des Fernwasserzweckverbandes mit Sitz in Ortwang unweit des Zusammenflusses von Iller und Ostrach. „Momentan verkaufen wir das Wasser für etwa 20 Cent pro Kubikmeter an unsere Mitgliedskommunen, das wird sich auch wegen der steigenden Energiekosten nicht halten lassen.“

Wasser aus den Alpen

Der seit 1969 bestehende Verband hat 22 Mitglieder und liefert Wasser vor allem nach Kempten (rund vier Millionen Kubikmeter pro Jahr), aber auch unter anderem nach Dietmannsried, Durach, Sonthofen, Immenstadt, Oberstaufen, Oy-Mittelberg und bis ins Westallgäu. Insgesamt pumpt die FWOA im Jahr mehr als acht Millionen Kubikmeter Wasser aus einer Tiefe von 50 Metern durch ein Leitungsnetz von 180 Kilometer Länge zu den Gemeinden. „Bei Burgberg und Altstädten befindet sich eines der größten Wasserreservoire am Alpenrand“, erklärt Spetlak, „das laufend von den Grundwasserströmen der Iller und der Ostrach nachgefüllt wird.“ Es müsse also niemand Sorge haben, auf dem Trockenen zu sitzen. „Wir entnehmen nur etwa 20 Prozent dieses Wasservorkommens.“

Wassersparen nicht im Trend

Der FWOA-Geschäftsführer erklärt den seit etwa vier Jahren deutlich steigenden Wasserverbrauch im Allgäu so: „Das Thema Wassersparen liegt nicht mehr im Trend! Vor Jahren war es ‚in‘, getrennte Kreisläufe für frisches Trinkwasser und Brauchwasser zu installieren, es wurde regelmäßig an die Bevölkerung appelliert, Wasser zu sparen, z.B. beim Duschen, Geschirrspülen, Autowaschen oder im Garten. Diese ‚Wasserspar-Generation’ gibt’s nicht mehr.“

So manch trocken-heißer Sommer dürfte ebenso dazu beigetragen haben, die Hähne länger aufzudrehen als früher. Der Marktgemeinderat diskutierte in seiner Sitzung in der vergangenen Woche die Notwendigkeit, die Ursachen des steigenden Wasserverbrauchs zu eruieren.

Nicht überall gibt’s eigene Quellen

Die Chancen, mit Wasser aus eigenen Buchenberger Quellen den Durst zu stillen, stehen schlecht. „Unser Wasser aus dem Gebiet Steckenried erfüllt leider nicht die hohen Anforderungen der Trinkwasserverordnung“, bedauerte Barth. Deshalb hatte sich der Ort 1979 auch dem Zweckverband angeschlossen. Seit den Sechzigerjahren war es nicht nur für Buchenberg, sondern auch für andere Kommunen im Allgäu schwierig geworden, den Menschen einwandfreies Wasser zu Verfügung zu stellen. Im Ortsteil Kreuzthal fließt übrigens Wasser aus eigenen Brunnen aus den Hähnen.

Auch Gemeinden wie Weitnau, Missen oder Wiggensbach verfügen über eigene Trinkwasservorkommen. Im Gegensatz zu den Beziehern des „Alpenwassers“ aus den Tiefen des Illertales kann da und dort das Wasser in sehr trockenen Zeiten schon mal schwächer fließen. So wie 2018, als Tankwagen aus Kempten den Wiggensbachern aushalfen – mit Trinkwasser aus dem Illertaler Untergrund.

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