Mehrheit für Kulturzentrum

Erstmals findet eine Bürgerversammlung im Lindenberger Kesselhaus statt. Foto: cut

Wenn gleich drei Bürgervertreter bekunden, dass dies die wichtigste Entscheidung ihrer langjährigen Stadtratstätigkeit sei, muss tatsächlich etwas dran sein. Keiner hat es sich mit dem geplanten Lindenberger Kulturzentrum leicht gemacht. Die große Stadtrats-Mehrheit (15:5) aber ist überzeugt, dass hier ein finanzierbares Projekt entsteht, das Lindenberg als Gesamtstadt voranbringt.

Ehe die wichtige Entscheidung im Stadtrat fiel, wurde das Vorhaben nochmals in einer Bürgerversammlung vorgestellt, die ein volles Haus brachte und bezeichnenderweise im Kesselhaus, also unmittelbar am Ort des Geschehens stattfand. Dort wurde auch deutlich, dass jene, die an der künftigen Finanzierbarkeit zweifeln, ihr Bürgerbegehren schon vorbereitet hatten. Deshalb ging es im Stadtrat bei den gleichzeitig beschlossenen Auftragsvergaben auch um die Frage, dass Lindenberg keine Schadensersatzansprüche der beauftragten Planungs- und Projektsteuerungsbüros erreichen, falls durch einen Bürgerentscheid das Projekt gekippt werde könnte. Überwiegende Zustimmung aber hatte sich auch in der Bürgerversammlung durch Fragestellungen sowie die Phonstärke der Beifallsbekundungen abgezeichnet. Dort war das Projekt mit seiner zehnjährigen Vorgeschichte noch einmal in aller Breite und Tiefe vorgestellt worden. Dann meldeten sich bei neun Statements vor allem Wortführer der unterschiedlichen Positionen zu Wort. Martin Fink beispielsweise vermisst für die Vergrößerung des Hutmuseums eine zweite Alternative. Ferner lehnte er die Tourist-Info im Kulturzentrum ab. Sie müsse in der Ortsmitte bleiben. Am Beispiel Humpis-Museum Ravensburg versuchte er aufzuzeigen, dass für erwartete 20 000 Besucher in 2012 rund 288 000 Euro Personalkosten aufzuwenden sind. Roland Kappel verdeutlichte, dass im Humpisquartier bereits bis zur Jahresmitte 15 000 zahlende Besucher zu zählen waren und im Humpisetat unter anderem auch die Personalkosten fürs Stadtarchiv mit etlichen Beschäftigten stecken. Eine Tourist-Info im künftigen Kulturzentrum bringe neben Synergieeffekten für den Gast den Vorteil, dass sie länger geöffnet sei, beispielsweise an Samstagen. Manfred Röhrl verwies hingegen auf 60 Führungen in diesem Jahr im jetzigen Hutmuseum. Doch es sei nicht barrierefrei. Die einmalige Chance für das Leuchtturmprojekt müsse man nützen. Wenn man es jetzt nicht mache, dann nie mehr. Ursula Schickle hätte gerne das Kesselhaus als Veranstaltungssaal. Bürgermeister Johann Zeh erklärte, es sei dort ein Café vorgesehen und Kleinkunst wegen beschränkter Platzzahl nur in kleinem Rahmen. Martin Lang findet grundsätzlich die Idee Kulturzentrum ganz prima, wünscht sich aber zum Veranstaltungssaal Nebenräume (Künstlergarderobe), damit der Saal vielfältiger nutzbar wird, zum Beispiel auch für Theater. Bernhard Weh sprach mit großer Hochachtung von dem Investitionskonzept. Es sei beispiellos, so viel Fördermittel aufzutun. Bauchgrimmen aber habe er bei den Folgekosten. Die könnten auch doppelt oder dreifach so hoch ausfallen. Klaus-Peter Roos zweifelte an 30 000 Besuchern im Jahr und meinte ebenfalls, die Folgekosten könnten erheblich höher sein. Günther Rädler erwartet sich einen Aufschwung für den Tourismus, appellierte daher: „Gehen Sie einfach mal neue Wege!“, und verwies auf den Mut zu Attraktionen in Nachbarorten. Hannes Schneider erklärte: „Es reicht! Ich glaube die Zahlen nicht.“ Seine Schwägerin Doris Schneider bekundete, das Projekt sei ganz toll. Aber die Folgekosten seien nicht zu unterschätzen.

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