Mehrheit will den Schauraum

Mit deutlicher Mehrheit hat der Stadtrat am Donnerstagabend den Umbau der Erasmuskapelle in einen unterirdischen Schauraum beschlossen (der KREISBOTE berichtete mehrfach). Lediglich Eduard Bühler und Elisabeth Brock (Grüne/FL) sowie Erwin Hagenmaier, Harald Platz, Karl Sperl, Birgit Geppert, Richard Hiepp und Franz Mayr (CSU) stimmten gegen das Vorhaben. Während die Mehrheit sich überzeugt von den Chancen und pädagogischen Möglichkeiten eines historischen Schauraums zeigte, warnten die anderen vor den hohen Bau- und zu erwartenden hohen Folgekosten. Außerdem sprach sich das Gremium dafür aus, dafür 1,2 Millionen Euro außerplanmäßig bereit zu stellen.

Begriffe wie „einmalige Gelegenheit“, „einzigartige Chance“, „Alleinstellungsmerkmal“ waren am Donnerstagabend oft zu hören im Stadtrat. Über die Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg war sich die große Mehrheit des Gremiums einig, die unverhofft aufgetauchte Gelegenheit zu nutzen, und aus der Erasmuskapelle einen unterirdischen Schauraum zu machen. Mit Hilfe eines Medienkonzepts sollen so 800 Jahre Kemptener Geschichte für die Bevölkerung und Besucher erlebbar gemacht werden. Kosten wird der Umbau nach derzeitigem Stand der Dinge wohl an die 1,4 Millionen Euro, wobei 200000 Euro für Arbeiten an der Erasmuskapelle bereits im Haushalt 2009 vorgesehen sind. 1,2 Millionen Euro müssen heuer also noch von der Stadtverwaltung überplanmäßig beigesteuert werden. Finanziert werden soll die Lücke aus dem großen Plus an Steuereinnahmen im vergangenen Jahr. Zudem hoffen die Verantwortlichen auch für dieses Projekt auf Geld aus dem Konjunkturpaket. Hohe Folgekosten? Trotzdem warnten einige Stadträte vor den hohen Bau- und vor allem den folgenden Unterhaltskosten. Bislang geht die Bauverwaltung von knapp 15000 Euro pro Jahr an Betriebs- und Erhaltungskosten aus. Insbesondere CSU-Fraktionschef Erwin Hagenmaier äußerte aber die Befürchtung, dass man damit wohl kaum hinkomme. „Wir binden uns Folgekosten ans Bein, die nicht richtig beziffert sind“, warnte er. Außerdem handle es sich bei dem Projekt keineswegs um eine einmalige Gelegenheit, „denn in 30 bis 40 Jahren müssen wir den St. Mang-Platz eh wieder aufbrechen, weil dann neue Dichtungen rein müssen.“ Sein Fraktionskollege Harald Platz sprach sich ebenfalls erneut gegen den Schauraum aus. Er für sich könne keine vernünftige Kosten-Nutzen-Rechnung aufstellen, erklärte er. Er regte indessen an, das Geld lieber in das neue Museumskonzept fließen zu lassen. Birgit Geppert, ebenfalls CSU, gab hingegen zu bedenken, dass man die Kapelle dann auch richtig vermarkten müsse, um tatsächlich die erhofften Besucherzahlen zu erreichen. Außerdem: „Erleben findet für mich oberirdisch statt“, sagte Geppert. "Ein Prestigeobjekt" Gegen einen Schauraum sprachen sich auch Eduard Bühler und Elisabeth Brock von den Grünen/FL aus. „Das ist ein Prestigeprojekt, das man sich leisten kann, wenn man Geld im Überfluss hat“, kritisierte Bühler die hohen Kosten. Das Geld werde spätestens nächstes Jahr, wenn die Wirtschaftskrise die Stadtkasse voll treffe, fehlen. „Wir wollen bei den Museen und auch sonst überall abspecken, machen hier aber eine neue Baustelle auf.“ Elisabeth Brock verwies ebenfalls darauf, dass das Projekt Luxus sei: „Das ist ein Sahnehäubchen, das man sich leisten kann, wenn man auch das Geld hat“, sagte Brock. Mehrheit für Schauraum Der Mehrheit der Kemptener Stadträte waren die sich bietende Gelegenheit eines Alleinstellungsmerkmals, die pädagogischen Möglichkeiten eines Schauraums, die Verantwortung vor der langen Geschichte der Stadt Kempten und die Aufwertung insbesondere der gesamten Altstadt und des St. Mang-Platzes wichtiger als die Kosten: Bei acht Gegenstimmen und 33 Ja-Stimmmen sprach sich das Gremium für den Bau des Schauraums mit integriertem Medienkonzept aus.

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