Wider den Einwegbechermüll

Pfandbechersystem stößt auf noch verhaltene Zustimmung bei Kaffeeanbietern

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Pfandbecher des jungen Unternehmens „Recup“ sollen möglichst flächendeckend auch im Allgäu bald für weniger Müll sorgen.

Kempten – Drei Milliarden Einweg-Kaffeebecher werden pro Jahr in Deutschland verbraucht und „wer bei uns durch die Stadt geht“, könne unschwer erkennen, „wo das Problem liegt“: neben den Abfallbehältern.

Claus Jaskolka, Leiter des Amtes für Umwelt und Naturschutz, hatte vergangene Woche Anbieter von Coffee-to-Go ins Rathaus eingeladen, um ihnen ein Pfandsystem für Mehrwegbecher nahe zu bringen.

Das junge Unternehmen „Recup“ hat vor circa einem Jahr in Rosenheim als Testlauf begonnen, wie Fabian Eckart, einer der beiden Gründer, vorstellte. Der Wunsch dahinter: „vielleicht können wir eine unkomplizierte Alternative“ zu den müllintensiven Einwegbechern bieten. Das Unternehmen hat deshalb ein deutschlandweites Pfandsystem entwickelt und bereits in einigen Städten wie Berlin, München und auch im hohen Norden platzieren können. Wie Eckert sagte werde „Recup“ seit dem Start im Mai 2017 aktuell an 350 Standorten mit insgesamt 50.000 Bechern angewendet.

Die farblich einheitlichen Becher werden in unterschiedlichen Design – zum Beispiel mit „Tach Berlin“ – angeboten, allerdings nicht mit individualisierten Logos o.ä. für die einzelnen Anbieter. Wie berichtet wird die Marke Allgäu für ein Pfandsystem in unserer Region angestrebt.

Einen Euro pro Becher sollen die Recup-Partner (sie werden über einen Mitgliedsbeitrag zum Partner) pro Becher bezahlen, allerdings „nur als Durchlaufposten“, denn das entspreche auch der Höhe des Pfandes, den der Kunde bezahle, wie Eckart betonte. Ist der Becher leer, kann der Kunde ihn bei jedem Recup-Partner dreckig und ungespült abgeben und erhält das Pfand zurück. Für das Spülen sind die Partner zuständig, die via App leicht zu finden sind.

Nach langem Suchen hat sich laut Eckart PP als geeignetstes Material herausgestellt, auch wenn es schlicht Plastik ist. Das derzeit populäre Bambus sei auch mit Verbundstoffen und schwierig bei der Wiederverwertung, Keramik o.ä. falle bei einem Pfandsystem generell weg und Bio-Plastik sei „noch nicht so weit“, unter anderem bezüglich der Geschmacksneutralität. Dafür ist das von Recup verwendete Material nach eigenen Aussagen „made in Germany“ (gefertigt wird in Wangen im Allgäu), aus recyclebarem Kunststoff, bruchsicher und superleicht, lebensmittelecht und langlebig, BPA-frei und ohne Schadstoffe. Ein Knackpunkt war, dass nur der Becher mit Pfand angeboten wird, nicht so der Deckel, denn der sei aus hygienischen Gründen problematisch. Entweder der Recup-Partner verwendet Einwegdeckel, was ja dennoch weit weniger Müll bedeute, oder er kauft (kostengünstig wie Eckart betonte)einen Mehrwegdeckel aus Silicon, den er an den Kunden zum Mehrfacheinsatz verkauft, allerdings auch von diesem gereinigt werden muss.

Für die Mitgliedschaft kümmert sich das Unternehmen um den flächendeckenden Ausbau des Systems sowie um die Öffentlichkeitsarbeit.

Insgesamt stieß Recup bei den rund 15 Kaffeeanbietern, die der Einladung gefolgt waren, auf positive Resonanz. „Es würde mich freuen, wenn möglichst viele mitmachen“, gab Jaskolka den Teilnehmern mit auf den Weg.

Christine Tröger

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