Stellvertreterkäufe und Cybermobbing

Prävention im Vordergrund

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Die beiden Polizeihauptmeister Marius Fromme und Melanie Scheck wollen verstärkt Kindern und Jugendlichen helfen.

Kempten/Landkreis – Als die Elfjährige die Kommentare unter einem Handyfoto von ihr im Internet las, wollte sie nicht mehr leben. „100 Prozent hässlich“ und andere fiese Bemerkungen hatten Mitschüler unter das Foto geschrieben, das heimlich gemacht worden war und das Mädchen beim Schlafen zeigte.

„Für das Mädchen war das sehr belastend“, erinnert sich Polizeihauptmeister Marius Fromme an den Vorfall an einer Kemptener Mittelschule, der noch nicht lange zurückliegt und kein Einzelfall ist. Auch deshalb wurde Fromme Melanie Scheck an die Seite gestellt. 

Melanie Scheck ist ebenfalls Polizeihauptmeisterin, seit elf Jahren bei der Polizei und Jugend-Präventionsbeamtin der PI Kempten. 38 Schulen in Kempten und dem Altlandkreis gehören zu ihrem Verantwortungsbereich. Ihre Aufgabe ist es, das Programm „Prävention im Team“ (PIT) vor Ort umzusetzen. „Ich sehe mich als Bindeglied zwischen Kindern und Jugendlichen und der Polizei“, sagt die 28-Jährige, die nach einem Jahr Elternzeit nun wieder voll in die Präventionsarbeit einsteigen will. „Jetzt starten wir durch.“ Unterstützung bekommt sie dabei vom 32 Jahre alten Fromme, gleichzeitig Bezirksbeamter für Kempten Nord-West und die Gemeinden Altusried und Wiggensbach. „Mir macht es Spaß, die Kontakte zur Jugend zu knüpfen“, so Fromme. 

Ihr Aufgabenfeld reicht dabei vom Überwachen von sogenannten Stellvertreterkäufen in Supermärkten – Erwachsene kaufen für Kinder und Jugendliche Alkohol oder Zigaretten – bis zum Einsatz bei Vorfällen im Internet. Dazu gehören Cybermobbing in sozialen Netzwerken oder anderen Internetplattformen, Verstöße gegen das Urheberrecht oder ein unvorsichtigen Umgang mit den eigenen persönlichen Daten (der Kreisbote berichtete ausführlich über dieses Thema). Vor allem der Umgang ihrer Zielgruppe mit dem Internet beansprucht mittlerweile einen Großteil der Arbeitszeit der beiden Polizisten. Unter anderem gehen die beiden vor Ort in die Schulen und halten Vorträge vor Schülern, Lehrern und Eltern. 

Wer Probleme hat, kann – oder besser gesagt – soll sich an sie wenden. So wie der Rektor und die Mutter der Elfjährigen. Mit einer Ansprache vor der Klasse habe man die Kinder „wieder auf Kurs” gebracht. Außerdem nahmen die beiden der Täterin ihr Handy ab. „Das tut den Jugendlichen richtig weh”, betont Fromme. Es gehe darum, „den Opfern die Möglichkeit aufzuzeigen, dass sie nicht wehrlos sind“, erklärt Scheck. Und Fromme ergänzt: „Uns ist es wichtig, dass das nachhaltig und Hand in Hand läuft.“ Manchmal würden sie sich allerdings mehr Interesse von Seiten der Eltern vor allem an dem Thema Internet wünschen, sagen beide. Um nicht gleich gegenüber Kindern und Jugendlichen einschüchternd zu wirken, verzichten Scheck und Fromme meist auf ihre Uniform. Der Aufbau von Vertrauen sei im Umgang mit Schulkindern ganz besonders wichtig. Deshalb müsse sich bei ihnen zunächst auch niemand selbst belasten, erklären die beiden. 

Erreichbar ist die Jugend-Präventionsbeamtin Melanie Scheck bei der PI Kempten unter der Telefonnummer 0831/99 09 21 74. Matthias Matz

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