500 Menschen gegen "Rechts"

Großer Auflauf in Weitnau gegen AfD-Veranstaltung

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Da sich nicht alle Kundgebungsteilnehmer an dem zugewiesenen Platz aufhielten, bildete die Polizei eine Kette, um ein weiteres Vorrücken Richtung Gaststätte zu verhindern.
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Der Großteil der Teilnehmer hielt sich an die Grenzen und hörte den Rednern interessiert zu.

Weitnau – „Da ist heute eine AfD-Sitzung im Adler-Saal. „Diesen Satz hörten die Kunden des Weitnauer Supermarktes von den Mitarbeitern, wenn sie nach der ungewöhnlichen Polizeipräsenz fragten.

Denn unübersehbar standen letzten Samstag rund 20 Einsatzwagen der Polizei auf dem Supermarktparkplatz, etwa nochmal so viele säumten den kleinen Weitnauer Ortskern.

Dabei hatte die AfD nicht ihre erste Sitzung im Adler. Doch nun wurde dort eine zweifelhafte AfD-Politikerin erwartet, deren aus Sicht vieler Bürger menschenverachtende Denkweise und Äußerungen für viele Menschen nicht hinnehmbar sind. Dementsprechend hatten sich Polizeiangaben zufolge circa. 500 Menschen zu einer friedlichen Kundgebung im Ortskern versammelt. Um ein Zeichen gegen „Rechts“ zu setzen, kamen die Teilnehmer auch aus Kempten und Wangen. Eltern mit kleinen Kindern waren dabei genauso zugegen wie ältere Mitbürger, die in ihrer Kindheit den 2. Weltkrieg und seine Auswirkungen miterlebt hatten. Die Kundgebung war zwar von den Grünen ins Leben gerufen worden, doch „jede Partei ist der Einladung gefolgt“, hieß es in der Eröffnungsrede.

Über die Zahl der eingesetzten Polizisten wollte der Polizeisprecher keine Auskunft geben: „Wir sind zur politischen Neutralität verpflichtet. Unsere Aufgabe ist es, die beiden Gruppierungen voneinander zu trennen, so dass jede in Ruhe sein Versammlungsrecht wahrnehmen kann“. Entsprechend wurde den Teilnehmern der Kundgebung ein Bereich bei der Feuerwehr zugewiesen – weit genug außerhalb der Sichtweite des Adlersaals und mit einer Kette aus Polizisten abgesperrt. Eine unangemeldete, spontane Versammlung direkt vor dem Adler wurde von der Polizei zurückgewiesen. Diese Aktivisten schlossen sich ebenfalls der angemeldeten Kundgebung an.

Mit Trillerpfeifen gegen die Rednerin

Als kurz darauf der Wagen der AfD-Politikerin vorfuhr, machten sie mit lauten „Nazis raus!“-Rufen und Trillerpfeifen deutlich darauf aufmerksam, was sie von der Rednerin hielten. Bei seiner Rede auf der Bühne stellte der Weitnauer Bürgermeisters Alexander Streicher fest, dass es sich aktuell bei der AfD noch um eine zugelassene Partei handele, die damit auch ein Versammlungsrecht besitze. Wie auch die anderen Redner sprach er seine Besorgnis über die zunehmenden ausländerfeindlichen und menschenverachtenden Äußerungen aus. Er zitierte aus einem Journal die Aussage einer Zeitzeugin des 2. Weltkriegs mit den Worten: „Genau die gleichen Argumente haben sie damals auch benutzt.“

Rainer Hitzler, Ortssprecher der Grünen, ist ein alter Weitnauer. Eigentlich habe er sein Engagement langsam auslaufen lassen wollen. Doch da sei die Flüchtlingswelle gekommen. „Wehret den Anfängen!“, rief er auf – und das auch eigennützig: „Weil ich als Weitnauer weiterhin in Frieden leben will!“ Das Bündnis „Das Allgäu ist bunt“ hatte die Gaststättenbetreiberin schon früher aufgefordert, der AfD keinen Raum für ihre Aktivitäten zur Verfügung zu stellen. Die Wirtin, die selbst einen Migrationshintergrund hat und 1992 Deutschland „ganz bewusst“ als Heimat gewählt hatte, nachdem sie das Grauen des Krieges im ehemaligen Jugoslawien miterlebt hatte, ist absolut unpolitisch: „Jegliche Parteien verkehren hier und da die AfD keine verbotene Partei ist, habe ich keine Veranlassung gesehen, diesen die Nutzung der Räumlichkeiten zu untersagen.“ So viel Offenheit und Unvoreingenommenheit dürfte sich wohl so manch einer der Kundgebungsteilnehmer von dem einen oder anderen AfD-Mitglied wünschen, deren Versammlung übrigens diesmal nur von eingeladenen Gästen besucht werden durfte.

Bianka Hauck

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